Umwelt Vom Menschen gemacht: die neuen Wüsten

Der Aralsee im Jahr 2009... Foto: Nasa 2 Bilder
Der Aralsee im Jahr 2009... Foto: Nasa

In vielen Teilen der Erde verdorrt Land, weil die Menschen falsch mit Wasser und Böden umgehen. Die Probleme sind vielschichtig.  

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Stuttgart - Wüste entsteht selbst dort, wo man es kaum vermutet: zum Beispiel in den Steppen Patagoniens in Argentinien. Bauern nutzten sie als Weideland, im 20. Jahrhundert aber begannen sie dort in Herden importierte Schafe grasen zu lassen. Die dünne Vegetationsdecke wurde von den Tieren vernichtet, Erosion setzte ein. Der Boden gab für die Pflanzen immer weniger her. Am Ende hatten die Schafe gar nichts mehr zu fressen, und viele verarmte Besitzer mussten in die Städte abwandern. Auf großen Flächen war aus Steppe Wüste geworden.

In vielen Ländern der Erde kämpfen Menschen gegen Wüsten, die sie selbst geschaffen haben: in der afrikanischen Sahelzone, in Nordchina oder am Aralsee. Betroffen sind Regionen, in denen es von Natur aus nur wenig mehr regnet als in einer Wüste. Untaugliche Bewässerungsmethoden, Überweidung und der Anbau ungeeigneter Nutzpflanzen schädigen die Böden und lassen Erträge sinken, bis ganze Landstriche so veröden, dass sie Wüsten ähneln. Wissenschaftler nennen das Desertifikation. Sie müssen der Entwicklung oft ohnmächtig zuschauen; gegen die gesellschaftlichen und ökonomischen Ursachen kommen sie nicht an.

Um über Maßnahmen zu beraten, trafen sich kürzlich Mitgliedsvertreter der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) in Südkorea. Der UNCCD-Vertrag ist 1994 unterzeichnet worden. Mit jedem Treffen wird deutlicher, wie vielschichtig die Probleme sind, die mit dem Raubbau an Böden in Trockengebieten zusammenhängen.

Wenn die Vegetation stirbt

"In der Sahelzone sind es vor allem die Ziegen, die zur Desertifikation beitragen", sagt der Geograf Roland Baumhauer von der Uni Würzburg. Werden die Ziegenherden nach ein paar feuchten Jahren mit grünendem Weideland größer, verkaufen die Nomaden überzählige Tiere nicht, denn von Statussymbolen trennt man sich nicht leicht. In Dürrejahren wird die Vegetation jedoch umso großflächiger vernichtet. Baumhauer erzählt von Experimenten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die einzelne Gebiete eingezäunt habe: Dort seien nach drei bis vier Jahren die Pflanzen wieder da gewesen. Solche Experimente können sich die Bewohner jener Gegenden aber kaum leisten.

Laut vielen Experten geht die Desertifikation in der Regel nicht von den natürlichen Wüsten aus; weder die Sahara noch die Atacama in Südamerika werden größer. Das Problem entsteht vielmehr in deren halbtrockenen Säumen - und dort durch den Menschen, der die Natur überfordert. Mit Satelliten verfolgen Forscher die Entwicklung seit Jahren. Die Instrumente im All registrieren, wie sich der Boden braun verfärbt, wenn die Vegetation stirbt. Die Schätzungen über das Ausmaß der weltweiten Wüstenbildung gehen allerdings wegen Messungenauigkeiten weit auseinander, deshalb lassen sich Fachleute auf keine genauen Zahlen festlegen. Noch unsicherer sind die künftigen Auswirkungen der globalen Erwärmung, die sich derzeit nicht präzise im regionalen Detail berechnen lassen.

Im Norden Chinas und im Süden der Mongolei kommen Staubstürme zum Beispiel deutlich häufiger vor als früher - und sie sind auch heftiger. Das spüren die Menschen nicht bloß in Peking, sondern sogar im Hunderte Kilometer entfernten Seoul. Laut einem Bericht des landeseigenen Wetterdienstes hat dort die Zahl der Tage mit hoher Staubbelastung von 23 in den 70er Jahren auf 96 im vergangenen Jahrzehnt zugenommen. Die Ursache war neben der zu großen Zahl von Weidetieren der verschwenderische Umgang mit Wasser und die Übernutzung von Ackerflächen.

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