Umweltbewusstsein Mit nachhaltigem Blick durch Stuttgart

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Die Jugendinitiative der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg vermittelt jungen Leuten ein besseres Umweltbewusstsein. Mit der Umsetzung ist unter anderem das Kommunikationsbüro Ulmer in der Neuen Weinsteige 18 im Stuttgarter Süden betraut. Neben der Internetplattform „Wir ernten, was wir säen“ gibt es auch einen 19-köpfigen Jugendbeirat, der sich um verschiedene Aktionen kümmert.

David Wirth und Anne-Sophie Rink engagieren sich im Jugendbeirat. Foto: Nina Ayerle
David Wirth und Anne-Sophie Rink engagieren sich im Jugendbeirat. Foto: Nina Ayerle

S-Süd - Die zahlreichen Jugendlichen, die an diesem Samstag auf dem Schlossplatz stehen, Gemüse schnippeln und Suppe kochen, erregen Aufmerksamkeit. DJs legen auf, die Musik lockt andere Kinder und Jugendliche an den Stand. Schnippeldisco nennen die Nachwuchsumweltschützer der Jugendinitiative und der Junggärtner Baden-Württemberg den Auftritt. „Das war unsere beste Aktion überhaupt“, schwärmt Anne-Sophie Rink. Die 24-Jährige ist Mitglied im Jugendbeirat Baden-Württemberg und engagiert sich dort für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Sie fungiert aber auch als Multiplikatorin für Kinder und Jugendliche im ganzen Bundesland.

Schon Tage vor der Aktion, die im Rahmen der Nachhaltigkeitstage 2014 in Stuttgart stattfand, war Rink mit den anderen Jugendbeiräten auf Biohöfen in der Region unterwegs und hat Gemüse eingesammelt. „Bewusst haben wir vor allem nicht marktfähiges Gemüse mitgenommen“, berichtet sie. Ziel des Schnippeldisco war, Altersgenossen auf die Verschwendung von Lebensmitteln aufmerksam zu machen.

Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?

Seit knapp drei Jahren ist die 24-jährige Politikstudentin im Jugendbeirat aktiv. Dieser ist ein Teil der Jugendinitiative im Rahmen der Nachhaltigskeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg. Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde und ein Zukunftsthema. Doch was es genau eigentlich bedeutet, wissen die wenigsten Kinder und Jugendlichen. Um dies zu ändern, hat das Land vor einigen Jahren die Initiative ins Leben gerufen.

Mit der Umsetzung ist unter anderem das Kommunikationsbüro Ulmer in der Neuen Weinsteige 18 im Stuttgarter Süden betraut. Manuel Hilscher und Carina Auchter kümmern sich dort vornehmlich um die Internetplattform „Wir ernten, was wir säen“ und um verschiedene Aktionen. Sie beteiligen sich jedes Jahr an den Nachhaltigkeitstagen in Stuttgart. Die Plattform vermittle vor allem Wissen darüber, wo Jugendliche sich engagieren können, wie sie sich selbst einsetzen können für eine bessere Umwelt und vermittle viele Informationen über soziales und umweltbewusstes Leben, sagt Carina Auchter.

Der Jugendbeirat füllt das Projekt mit Leben

Die Initiative sei aber nur der Rahmen des ganzen Projektes. „Mehr eine Worthülse“, sagt Auchter. Den Nachhaltigkeitsgedanken wirklich mit Leben zu füllen, das sei die Aufgabe des Jugendbeirats. Die größte Aktion des Jugendbeirats ist der einmal jährlich stattfindende Aktionstag „Warten bringt nichts“. In zahlreichen Workshops gehe es um Ernährung, Mobilität, Mode und Energie. „Dort wollen wir vermitteln, dass Nachhaltigkeit Spaß macht“, sagt Jugendbeirätin Anne-Sophie Renk.

Durch die breite thematische Aufstellung sollen möglichst viele Jugendliche erreicht werden. Ziel soll letztlich sein, dass diese sich ebenfalls engagieren. Denn: „Einige sind schon interessiert, aber sie tun dann doch nichts“, so Anne-Sophie Renks Erfahrung. Und das soll sich ändern.

Seit 2012 treffen sich die 19 Jugendlichen des Jugendbeirats regelmäßig. Unter 120 Bewerbern wurden sie anfangs ausgewählt. Sie unterstützen und begleiten nun die Jugendinitiative mit dem Aktionstag, vertreten die junge Generationen im Beirat der Landesregierung für nachhaltige Entwicklung und setzen Akzente in der Politik.

David Wirth hat sich beworben, weil er auf politischer Ebene etwas bewegen will. Er war davor schon in einer Naturschutzgruppe aktiv. Spannend findet der 18-Jährige, dass er sich in den politischen Gremien direkt in die Diskussionen einbringen kann. „Ich kriege viel mit und kann die Interessen von Jugendlichen vertreten“, sagt er. Gerade hat er sein Abitur gemacht und absolviert nun sogar ein Praktikum direkt bei der Jugendinitiative im Kommunikationsbüro im Stuttgarter Süden.

Er findet es auch toll, dass Umweltminister Franz Untersteller bei vielen Aktionen der Jugendlichen dabei ist und als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Umgekehrt glaubt der 18-Jährige auch, dass die Jugendlichen in den Sitzungen zur Nachhaltigkeitsstrategie selbst viel beitragen können. „Da hocken ja sonst nur ältere Leute drin“, sagt er und lacht. „Ich glaube, die fanden das auch ganz erfrischend, dass wir Jüngeren nun dabei sind und andere Ideen mitbringen.“

Nachhaltige Stadtführung entlang des Neckars

Um den sperrigen Begriff Nachhaltigkeit direkt in Stuttgart greifbarer zu machen, hat die Jugendinitiative auch eine nachhaltige Stadtführung konzipiert. Bei der Tour spricht Stadtführer Sascha Blättermann am Kraftwerk in Münster über die Produktion von Strom, über Müllvermeidung an der Müllverbrennungsanlage und über Wassersparen an den Mineralbädern. Zum Schluss führt er die Gruppe über den Hauptbahnhof in Richtung Schlossgarten, wo Energie auf dem Plan steht. „Das ist mein Lieblingsthema“, verkündet Blättermann. Denn aus seiner Sicht müsste der Schlosspark nicht die ganze Nacht über beleuchtet sein. Das sei unnötige Stromverschwendung.

Blättermann zeigt auf seinem nachhaltigen Spaziergang durch Stuttgart Schulklassen, Jugendgruppen und anderen Interessierten, wo und was jeder selbst tun kann, um umweltbewusster zu leben. Für die Jugendlichen hat er auch Tipps parat, etwa wo alte Handys recycelt werden können, oder er macht darauf aufmerksam, dass durch den Coffee-to-go-Trend jedes Jahr rund 6,5 Milliarden Kaffeebecher verschwendet werden. Dabei könne jeder auch seinen eigenen Becher mitbringen. Darauf kommt prompt die Frage von einem Schüler aus seiner Gruppe: „Ist das nun dieses Nachhaltig, von dem Sie immer sprechen?“ Blättermann kontert: „Das ist vielleicht ein bisschen spießig, aber schont die Umwelt.“

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