Hunde als Haustiere verbieten? Das wollen die Forscher nicht fordern
Das hat Folgen für die Ökobilanz ihres Hundes: „Die Barf-Fütterung sorgt für eine deutlich höhere Umweltbelastung“, sagt Niels Jungbluth, Geschäftsführer von ESU-Services, einem Schweizer Unternehmen, das sich auf Ökobilanzierung spezialisiert hat. Bei der Barf-Fütterung würden statt Nebenprodukten Fleischerzeugnisse gefüttert, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind und einen höheren Preis haben.
Also mein Hund, die alte Umweltsau? – in Anspielung auf den WDR-Kinderchor, der 2019 mit der Satire-Version eines Kinderliederklassikers für mächtig Empörung sorgte: „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“.
Das Thema ist emotionsgeladen. Ähnlich empört reagierten einige auf die Ergebnisse einer Studie der Technischen Universität Berlin. Matthias Finkbeiner und sein Team haben die Umweltbilanz eines 15-Kilo-schweren Durchschnittshund in seinen 13 Lebensjahren unter die Lupe genommen. Er betont: „Wir fordern nicht, Hunde als Haustiere zu verbieten.“ Vielmehr gehe es darum, die Menschen zu sensibilisieren, dass auch ihre geliebten Vierbeiner einen Teil zur eigenen Ökobilanz beitragen.
Das Futter besteht nur aus Schlachtabfällen? Von wegen.
Jungbluth hat mit seinem Team in einer Studie die Umweltbilanz einiger ausgewählter Haustierarten untersucht, auch die von Hunden. Sie sind nach den Pferden die Tiere mit der schlechtesten Ökobilanz, gefolgt von den Katzen. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Je größer das Tier, desto höher die Umweltbelastung. Bei den meisten Tierarten habe neben der Behausung und den Fäkalien die Fütterung einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt, bei Hunden und Katzen ist es das Fleisch. Vieles davon stammt aus der Massentierhaltung. Immer wieder ist von Schlachtabfällen die Rede, die ohnehin nicht anders genutzt werden könnten.
Also die perfekte Verwertung – und damit positiv für die Umwelt? Widerspruch kommt vom Experten Finkbeiner: „Es gibt Teile vom Nutztier, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind, aber dennoch einen Marktwert haben.“ Je höher der Marktwert, desto größer die Umweltbelastung – so haben die Forscher gerechnet.
Ein Drittel des CO2-Budgets eines Hundehalters verbraucht das Tier
Denn das Fleisch, das an die Haustiere geht, könnte stattdessen beispielsweise in chemischen Produkten verarbeitet werden. Wenn es sich bei dem untersuchten Tierfutter tatsächlich um Schlachtabfälle gehandelt hätte, wäre dieses auch nicht negativ in die Umweltbilanz der Hunde geflossen, betont Finkbeiner.
Laut der Studie stößt ein Durchschnittshund in seinem Leben etwa 8,2 Tonnen CO2 aus, 630 Kilo jährlich. Damit es für das Klima erträglich ist, dürfte laut Weltklimarat jeder Mensch pro Jahr nicht mehr als zwei Tonnen CO2 verursachen. „Da muss sich jeder Hundebesitzer klar machen, dass nahezu ein Drittel seines CO2-Budgets bereits vom Hund verbraucht wird“, sagt Finkbeiner.
„Wenn ein junger Mensch zu einer Fridays-for-Future-Demo rennt und ein Verbot von Kurzstreckenflüge fordert, aber einen 50-Kilo-Hund dabei hat, ist das Doppelmoral“, sagt er und fordert: „Wenn wir bald wirklich klimaneutral werden wollen, dann müssen wir auch auf diese Dinge schauen.“
Kot in der Plastiktüte besser für die Umwelt als Kot in der Natur
Neben der Tiernahrung hätten auch die Ausscheidungen der Hunde signifikante Folgen für die Umwelt: Ein Durchschnittshund kommt in seinem Leben auf rund eine Tonne Kot und knapp 2000 Liter Urin. In den Ausscheidungen sind neben Phosphor und Stickstoff auch Schwermetalle enthalten. Die beiden erst genannten hätten erheblichen Einfluss auf die Eutrophierung, die unerwünschte Nährstoffzunahme in den Gewässern, die Schwermetalle auf die Vergiftung des Boden, sagt Finkbeiner.
Um die Natur zu schonen, müsse man den Hundekot unbedingt immer einsammeln: „Die zusätzliche Umweltbelastung, die durch die Herstellung des Plastiksäckchens für den Kot entsteht, ist deutlich geringer als der Schaden, der entsteht, wenn der Kot direkt in die Umwelt eingetragen wird.“
Auch bei der Fütterung gebe es eine umweltschonendere Variante zum Fleisch: Im Gegensatz zu Katzen sei bei Hunden auch eine pflanzenintensive oder sogar vegane Ernährung möglich. Ulrike Seifert will das ihrem Hund nicht aufzwingen. Sie selbst ist zwar Vegetarierin, aber ihr Hund bekommt das, was er am liebsten frisst: Fleisch.