Umweltprojekt in Denkendorf Passgenaue Kleidung dank digitaler Technik

So wird der Körper für die Vermessung segmentiert. Foto: oh

Die Textilinstitute wirken bei einem Projekt mit, das zum Ziel hat, keine Massenware mehr für den Müll zu produzieren.

Eine Hose oder eine Jacke passen nicht. Also zurückschicken und umtauschen. Im Online-Handel ist das kein Problem. Ohne Rücksicht auf die Umweltbelastung gehen jeden Tag Massen von Paketen retour. Mit dem Projekt Eco-Shoring wollen die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung in Denkendorf nicht nur das Einkaufen ökologischer und nachhaltiger machen. Schon bei der Produktion von Kleidungsstücken will man zum Schutz der Umwelt, aber auch um Kosten zu sparen, die Prozesse optimieren.

 

Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die sich das Eco-Shoring auf die Fahnen geschrieben hat. Es geht um die Entlastung der Umwelt. Erreicht werden soll dies in regionalen Netzwerken durch standortnahe Produktion (Nearshoring), durch Maßanfertigung (Made to Measure) und durch ein Fertigungssystem, bei dem Produkte nur bei Bedarf und in der benötigten Menge (on demand) hergestellt werden. „Textilien näher am Kunden zu produzieren, heißt unser Auftrag“, erklärt Diplom-Kaufmann Alexander Artschwager, der bei den Textilinstituten für das Projekt verantwortlich ist.

Hohe ökologische Standards

Die dafür eingesetzten digitalen Technologien wie Avatare seien nicht neu. Bei Global Players wie Boss oder Adidas seien diese längst in Gebrauch. Zielgruppe seien deshalb kleinere und mittlere Unternehmen. „Wir gehen der Frage nach, wie man diese Technologien auch in der Region einsetzen kann“, so Artschwager. In welchem Segment funktioniert es? Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt werden? Ist der Einsatz dieser Technologien für kleinere Firmen auch finanzierbar? Solche Themen werden bei dem vor Kurzem gestarteten Forschungsprojekt behandelt. Im Gespräch ist man nach den Worten Artschwagers bereits mit Textilherstellern in Reutlingen und in Düsseldorf.

So soll es künftig laufen: Kleidungsstücke werden in kleinen Losgrößen hergestellt oder dank moderner Körpervermessung auf den Leib geschneidert. Digitale Technik sorgt dafür, dass alles passt und genauso aussieht wie vom Kunden erwartet.

Ziel sei die Rückverlagerung von Wertschöpfungsprozessen, erklärt Artschwager. Das Ergebnis eines solchen Prozesses: keine Massenware für den Müll, keine Kinderarbeit, hohe ökologische Standards und geringe Transportkosten.

Digitales Körpermodell als Basis

Als Projektpartner mit im Boot ist die Firma Assyst, ein IT-Unternehmen, das sein Geld mit der Digitalisierung von Mode verdient. Und zwar mit dem Einsatz einer lebensechten 3-D-Bekleidungssimulation. „Jeder Körper ist ein Individuum“, betont Martin Lades von Assyst. Dem trage das Projekt Eco-Shoring Rechnung. Die Erstellung eines Avatars, also eines digitalen Modells des eigenen Körpers, ist dafür die Basis. Verwendet werden auch die Ergebnisse von Reihenmessungen in verschiedenen Regionen der Welt. Mit Hilfe digitaler Prozesse und der Datenbasis der Firma Avalution soll nach Angaben von Lades erreicht werden, dass der Kunde nur noch wenige Körperkennwerte angeben muss, um eine treffsichere Passform für sein Kleidungsstück zu bekommen.

Mit der Körpergröße, dem Gewicht und Alter kann das Programm ein originalgetreues Körperdouble erstellen – das Anprobieren am Computer kann beginnen. „Das Modell eignet sich in erster Linie für das Online-Shopping, aber grundsätzlich kann der Kunde sich auch direkt im Shop vermessen und beraten lassen“, erklärt Artschwager.

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