Umweltschutz in Fellbach Müsli kommt direkt in die Tupperdose

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Björn Hansen hat in seinem Edeka-Markt ein Unverpackt-Regal, das rege genutzt wird. Längst hat es sich dort etabliert, dass Kunden sich ihre Wurst-, Fleisch-, Fisch- und Käseportionen in einen eigenen Behälter geben lassen.

Zum Abfüllen werden Tüte oder  Dose  einfach unter die gewünschte Glasröhre gehalten. Der Marktleiter Björn Hansen macht es vor. Foto: Simone Käser
Zum Abfüllen werden Tüte oder Dose einfach unter die gewünschte Glasröhre gehalten. Der Marktleiter Björn Hansen macht es vor. Foto: Simone Käser

Fellbach - Man muss auch mal was wagen – das dachte sich Björn Hansen, als er sich entschied, ein „Unverpackt-Regal“ in seinem Edeka-Laden an der Fellbacher Bahnhofstraße ins Sortiment zu nehmen. „Klar, Lebensmittel ohne Verpackung sind gerade hoch im Kurs, und es gibt spezielle Läden dafür. Das heißt aber nicht, dass das auch in einem Supermarkt funktionieren muss“, sagt der Marktleiter des gleichnamigen Edeka-Markts in der Stadtmitte, der das Thema Nachhaltigkeit mehr und mehr in den Fokus rücken möchte.

Wer seine eigene Dose dabei hat, wiegt diese

Und es funktioniert. Die Kunden nehmen den Testlauf auf den eineinhalb Metern, der Mitte Juli startete, gut an – so gut, dass Björn Hansen und seine Mitarbeiter gar nicht mit Auffüllen nachkommen. „Wir müssen ständig wieder nachbestellen. Das ist ein super Zeichen“, sagt der Marktleiter, der die Vermeidung von Plastikmüll als dringende Aufgabe sieht – privat und beruflich.

In den Glasröhren, die stirnseitig aufgebaut sind und sich unten zum Abfüllen öffnen lassen, finden sich verschiedene Nüsse, Schokolinsen, Popcornmais, getrocknetes Obst und Frühstückscerealien. Zudem können die Kunden Reis, Bohnen und Chiasamen in eine vorhandene Papiertüte oder in einen mitgebrachten Behälter abfüllen. Ein großes Schild erklärt, wie die Waren abgewogen werden. Wer die kompostierbare Papiertüte nutzt, macht es wie beim Abwiegen von Obst und Gemüse: Nummer eingeben, Bon aufkleben, fertig. Wer seine eigene Dose dabei hat, wiegt diese. Das Gewicht wird danach mittels Knopfdruck vom Gewicht der Ware abgezogen, dann läuft es wieder wie gehabt.

Das Aroma leide auch ohne Vakuumverpackung nicht

Eine, der dieses System schon sehr vertraut sein dürfte, ist Bettina Maile aus Fellbach. Die Mutter von vier Kindern versucht, mit ihrer Familie plastikarm zu leben und bedient sich dafür am Unverpackt-Regal bei den Müslizutaten sowie den schokoüberzogenen Mandeln und Hülsenfrüchten. „Es ist toll, dass das Angebot so gut ankommt. Ich würde mir wünschen, dass es noch ausgebaut wird. Mir fehlen zum Beispiel Naturreis und Nudeln“, sagt die 45-Jährige. Genau solche Lebensmittel will Björn Hansen zeitnah mit ins Sortiment nehmen. „Zudem will ich den Schokoladen- und Müslibereich ausweiten und auch Kaffee anbieten“, sagt der engagierte Händler. Das Aroma leide auch ohne Vakuumverpackung nicht, ist sich Björn Hansen, der den Markt im Fellbacher Wüst-Areal mit mehr als 26 000 Artikeln im Sortiment mit seiner Lebensgefährtin Elisa Pagnozzo führt, sicher. Die beiden freuen sich, das plastikfreie Projekt weiterzuführen. Die Kunden wollen noch mehr Vielfalt, das ist toll. „Wir werden auf jeden Fall ausweiten und noch ein bis zwei Meter anbauen.“ Angedacht seien auch Dinge wie Waschmittel, Duschgels, Shampoo und Seife.

Mit ihrem Partner lebt sie plastikarm und beschäftigt sich auch in einem Blog mit dieser Lebensform

Längst etabliert hat es sich in dem Fellbacher Geschäft, dass Kunden sich ihre Wurst-, Fleisch-, Fisch- und Käseportionen in eine eigene Tupperbox geben lassen. „Wir arbeiten da mit einem Tablett, auf das der Kunde seinen mitgebrachten Behälter stellt. So kommt dieser mit nichts in Berührung und kann nicht für Verunreinigungen sorgen“, sagt Hansen.

Auch Katharina Banholzer kauft gerne unverpackte Lebensmittel und freut sich, dass sie diese nun auch in Fellbach bekommt. Mit ihrem Partner lebt sie plastikarm und beschäftigt sich auch in einem Blog mit dieser Lebensform. „Wir haben zu zweit inklusive Kaninchen im Monat so viel Restmüll, dass er in ein Marmeladenglas passen würde. Und mit dem Gelben-Sack-Müll könnten wir einen Kosmetikeimer füllen“, sagt die 30-jährige Fellbacherin, die sich freuen würde, wenn das Sortiment an Grundnahrungsmitteln im Fellbacher Edeka-Markt weiter ausgebaut werden würde.

Übrigens: Auch in der Bäckerei Saur in der Fellbacher Schmerstraße setzt man auf ein kleines Unverpackt-Sortiment. So gibt es dort neben den gängigen Backwaren in großen Tupperdosen unter anderem Saatgut wie Kürbiskerne, Mohn, Sesam, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Walnüsse, Mandeln und Getreide lose zum Abfüllen zu kaufen. Bisher sei die Nachfrage noch überschaubar, heißt es von einer Mitarbeiterin. Sobald sich das ändert, wird wohl auch in der Bäckerei Saur das Angebot an unverpackten Produkten weiter aufgestockt.