Umweltverschmutzung in Stuttgart Der Kampf gegen den Masken-Müll

Von Simon Wörz 

Viele Menschen entsorgen ihren getragenen Mund-Nasen-Schutz achtlos in der Gegend. Die Stadt und das Landesumweltministerium berichten von einem aufkommenden Problem – trotz drohender Bußgelder.

Arglos weggeworfene Mund-Nasen-Schutze prägen das Stadtbild. Foto: imago images/Martin Wagner
Arglos weggeworfene Mund-Nasen-Schutze prägen das Stadtbild. Foto: imago images/Martin Wagner

Stuttgart - Seit einigen Wochen gehören sie zu unserem Alltag in Bahn und Supermärkten: Gesichtsmasken. Doch immer häufiger fällt auf, dass die Masken, die vor einer weiteren Verbreitung des Virus schützen sollen, nach dem Gebrauch achtlos auf den Boden geworfen werden. Egal ob in der Einkaufsstraße, auf dem Spielplatz oder im Park – der Mund-Nasen-Schutz wird oftmals dort entsorgt, wo er nicht mehr benötigt wird.

„In Stuttgart verzeichnen wir einzeln eine erhöhte Anzahl an weggeworfenen Masken“, antwortet eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung. Offizielle Statistiken zu einer gestiegenen Verschmutzung durch Masken gibt es noch nicht. Auch Anzeigen wegen der achtlosen Entsorgung seien nicht eingegangen. Allerdings beschweren sich immer mehr Bürger und Bürgerinnen über achtlos entsorgte Masken, heißt es auch aus dem baden-württembergischen Umweltministerium.

Bußgelder bis zu 1000 Euro

Vor allem in den Gegenden um Einkaufscenter oder am Max-Eyth-See nehmen die städtischen Straßenreinigungskräfte mehr Müll durch Einwegmasken war. Wer seine Gesichtsmaske in der Natur entsorgt oder einfach auf die Straße wirft, kann zur Tasche gebeten werden. Der Bußgeldrahmen des Landes sieht Strafen zwischen 50 und 1000 Euro vor.

Die Höhe der Buße hängt unter anderem von der Anzahl der Masken und der Einsicht des Umweltsünders ab. Ein wiederholtes Vergehen wird ebenfalls empfindlicher bestraft. Das unerlaubte Wegwerfen einzelner Masken fällt in dieselbe Kategorie, wie Zigarettenschachteln oder Papierverpackungen. Am Ende entscheiden allerdings immer noch die Beamten vor Ort über den genauen Betrag – der Bußgeldkatalog dient nur als Orientierung.

Frankreich verdoppelt Geldstrafen

In Frankreich greifen die Behörden aufgrund der zunehmenden Umweltverschmutzung durch den Masken-Müll besonders hart durch: Dort wird die Geldstrafe nun sogar mehr als verdoppelt. In Baden-Württemberg sind solche drastischen Maßnahmen nicht geplant, lässt das Landesumweltministerium wissen. Im Einzelfall könne das Bußgeld indes bei groben Vergehen aber den Rahmen von maximal 1000 Euro sprengen.

Umweltminister appelliert an die Vernunft

Auch werden die Mund-Nasen-Bedeckungen teilweise in Altkleidercontainern entsorgt. „Das ist schon aus hygienischen Gründen ein Tabu“, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) bereits vor zwei Wochen in einer Pressemitteilung. Untersteller appellierte an die Vernunft der Menschen und bittet die gebrauchten Mund-Nasen-Schutze und Gummihandschuhe im Restmüll zu entsorgen.

Aus unserem Plus-Angebot: Wie wasserabweisende Stoffe der Umwelt schaden

Die Stuttgarter Initiative Cleanup Network hat sich den Kampf gegen achtlos weggeworfenen Müll im öffentlichen Raum schon lange auf die Fahnen geschrieben. Mitgründer Thomas Venugopal ärgert sich über die vielen Masken auf den Straßen, zeigt sich aber nicht verwundert über das Problem: „Vor Corona war es Verpackungs- und Einwegmüll – jetzt kommen die Masken noch dazu.“

Nabu empfiehlt Stoffmasken

Claudia Wild vom Naturschutzbund Baden-Württemberg verweist auf selbst gemachte Stoffmasken, die gewaschen und dadurch mehrfach verwendet werden können. „Die Einwegmasken sind ein weiteres Wegwerfprodukt, das die Umwelt belastet und über die Flüsse ins Meer gespült werden kann“, sagt Wild.




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