Exklusiv Deutschlands schmutzigste Kreuzung hat im vergangenen Jahr zugelegt. Der Grenzwert für Feinstaub wurde an mindestens 82 Tagen überschritten. Im Jahr 2012 waren die Werte an 78 Tagen zu hoch.

Stuttgart - Deutschlands schmutzigste Kreuzung ist im vergangenen Jahr noch dreckiger geworden. Bis zum 10. Dezember registrierten die Feinstaub-Messstation am Neckartor bereits 82 Tage mit überhöhten Werten. Im Jahr 2012 lagen die Feinstaubschwaden an 78 Tagen über dem gesetzlichen Limit von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

„Es war absehbar, das wir die Größenordnung von 2012 leider auch 2013 erreichen oder gar überschreiten würden“, sagt Ulrich Reuter, der Leiter der Abteilung Klimatologie im Umweltamt. Allein von Ende November bis 10. Dezember seien acht Tage mit zu hohen Werten hinzugekommen. Als Hauptverursacher gelten die gut die 80 000 Fahrzeuge, die täglich dort verkehren. Da bis Weihnachten im Innenstadtkessel dichter Einkaufsverkehr geherrscht hat, geht der Fachmann auch noch davon aus, dass bis Ende 2013 noch ein paar Überschreitungstage hinzugekommen sein dürften. „Die Jahresbilanz lautet 82 plus X“, so Reuter. Wobei das X drei bis vier zusätzliche Tage bedeuten könne. Der Endwert liege aber erst in einigen Wochen vor.

Immerhin gibt es ein kleines Trostpflaster beim Stichwort Stickoxide. In der  Hohenheimer Straße ging die Belastung dank Tempo 40 mit angepassten Ampelschaltungen deutlich zurück: von 196 überhöhten Werten im Jahr 2012 auf 21 im Jahr 2013. Dank der dynamischen Grüne-Welle-Anzeige und der beiden Blitzer in der Cannstatter Straße verringerten sich auch am Neckartor die Stickoxidschwaden leicht von 69 kritischen Stundenwerten (2012) auf 63. Erlaubt sind allerdings im Jahr nur 18 über dem Limit von 200 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegende Konzentrationen.

Für Reuter gibt es beim Stickoxid aber den keine Entwarnung: „Denn mit gut 80 Mikrogramm liegt der Jahresmittelwert für Stickoxide in Stuttgart immer noch um das Doppelte über dem Limit.“ Künftig soll deshalb nicht nur in der Hohenheimer Straße, sondern auch an weiteren Steigungsstrecken in der Landeshauptstadt Tempo 40 gelten.

Verkehr um 50 Prozent verringern

Beim Feinstab glaubt der Klimatologe aber nicht dran, dass die Konzentrationen abnehmen, weil der neue Cityring künftig über die Wolframstraße und B 14 führe. Das bedeute noch mehr Verkehr am Neckartor. Da inzwischen noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in der Umweltzone Stuttgart fahren dürften, seien die gesundheitsschädlichen Rußpartikel aber nur durch deutlich weniger Fahrzeuge spürbar zu verringern.

Das bestätigt die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Karlsruhe. „Um in die Nähe des Feinstaubgrenzwerts zu kommen, müsste der Verkehr am Neckartor um 50 Prozent reduziert werden“, sagt Wilfried Weiß, Leiter des Referats Luftqualität. Es gelte aber auch, Holzfeuerungen zu verbieten und eine Nachrüstpflicht mit Rußfiltern für Baumaschinen einzuführen.

OB Kuhn will Verkehr verflüssigen

Für das Stuttgarter Verkehrsministerium zeichnet sich an den Messstationen im Land beim Feinstaub „kein einheitliches Bild ab“. Dabei habe das Wetter eine große Rolle gespielt, heißt es in einer Presseerklärung von Staatssekretärin Gisela Splett. Für die Luftqualität sei 2013 ein eher ungünstiges Jahr gewesen. „Insbesondere in den ersten drei Monaten des Jahres führte die Wetterlage dazu, dass sich Schadstoffe in der Luft anreicherten.“

„Insgesamt war 2013 kein außergewöhnliches Jahr“, betont hingegen der Klimatologe Reuter. Auffällig viele schadstoffträchtige Inversionswetterlagen habe es nicht gegeben. „Außerdem gilt der Grenzwert für Feinstaub oder Stickoxide natürlich bei jedem Wetter.“

Für Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat Stuttgart „zu viel Feinstaub, Staus, Stress und Lärm“. Abhilfe gebe es aber nicht „von Mittwoch auf Donnerstag, auch wenn an der Hohenheimer Straße bestimmte Einzelmaßnahmen greifen“.

Die Schadstoffbelastungen zeigen für den OB aber in erschreckender Deutlichkeit, wie dringlich Maßnahmen des Aktionsplans „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ seien. Im Haushalt gebe es Mittel, um verschiedene Maßnahmen, etwa Tempo 40 auf Steigungsstrecken, den Ausbau der Verkehrsleitzentrale und das erweiterte Parkraummanagement, zu finanzieren. Wesentliches Ziel sei die Verflüssigung des Verkehrs: „Hier muss sich noch zeigen, wie sich die elektronische Geschwindigkeitsanzeigen für die Cannstatter Straße auf die Schadstoffwerte auswirken wird.“