Umzüge in Neuhausen und Wernau Fasnetshochburgen fest in Narrenhand

Die Bauzler aus Neuhausen führen den heimischen Umzug an. Foto: kai/Andreas Kaier

Zigtausende Schaulustige verfolgen am Wochenende die Fasnetsumzüge in Neuhausen und in Wernau. Das wilde Treiben ist endlich wieder möglich.

Gut gelaunte Zaungäste haben an diesem Wochenende wieder die farbenprächtigen Fasnetsumzüge in Wernau und Neuhausen verfolgt. Grimmig aussehende Teufel, Schabernack treibende Hexen, ohrenbetäubende Guggenmusik, akrobatische Tänzerinnen und andere Narren sorgten nicht nur für mächtig Stimmung, sondern brachten auch kiloweise Bonbons, Schokolade und andere Süßigkeiten unter das närrische Zuschauervolk.

 

Die Ehrenzunftmeisterin erhält Unterstützung

In Wernau waren am Samstagnachmittag 76 verschiedene Gruppen unterwegs, die zweieinhalb Stunden lang auf der Kirchheimer Straße an der Stadthalle vorbeizogen. Dort wurden sie von der Ehrenzunftmeisterin der Wernauer Narren, Rita Zink, und erstmals auch von deren Enkelin Sophie herzlich begrüßt. Wer als Zuschauer keine Hexenpyramide verpassen und keine Tanzvorführung auslassen wollte, war dort am besten aufgehoben, denn natürlich wollten alle Narren im Umzug ihren Gastgebern zeigen, was sie draufhatten. „Man sieht den Leuten richtig an, dass sie während des Umzugs für kurze Zeit all ihre Sorgen vergessen“, kommentierte die Wernauer Ehrenzunftmeisterin die lachenden Gesichter und strahlenden Kinderaugen um sich herum.

Anders als in Wernau, wo der Ausschank und das Mitbringen von Hochprozentigem während des Umzugs per Verordnung verboten war – wer mit Spirituosen erwischt wurde, dem drohte ein Platzverweis –, hat es am Sonntag in Neuhausen solche Auflagen nicht gegeben. „Wir in Neuhausen haben damit nicht ganz so große Probleme wie die in Wernau“, sagte der Zunftmeister des Narrenbunds Neuhausen, Heiko Allgaier. Mit „großen Problemen“ meint er vor allem alkoholisierte Jugendliche, die sich manchmal prügeln, randalieren und mitunter im wahrsten Sinne des Wortes einen Scherbenhaufen hinterlassen. Als eine mögliche Erklärung für die unterschiedliche Situation nennt Allgaier zum einen den S-Bahn-Anschluss, der viel mehr Jugendliche nach Wernau als nach Neuhausen locke. Zum anderen habe Neuhausen den Vorteil, dass der Umzug nicht samstags, sondern sonntags stattfinde.

Zwei Motivwagen sind noch übrig

Zu den Höhepunkten des Umzugs in Neuhausen – dort waren am Sonntagnachmittag, ebenso wie in Wernau am Tag zuvor, mehr als 3000 Narren unterwegs – zählten die beiden Motivwagen der Wagenbaugruppen Hintere Mühle und Greifer. Unter dem Motto „Die Mühle rockt“ sorgten die Mühlenrocker vom Umzugswagen herab mächtig für Stimmung. In früheren Zeiten hatte es in Neuhausen schon einmal mehr als zehn solcher Wagenbaugruppen gegeben. „Beim letzten Umzug waren es noch drei“, erinnert sich NBN-Zunftmeister Heiko Allgaier, der befürchtet, dass die Wagenbaugruppen einmal ganz aussterben könnten. Es gebe in Neuhausen immer weniger Scheunen und damit immer weniger Möglichkeiten, solche Umzugswagen zu bauen.

Damit sie ihre Kosten wenigstens teilweise decken können, verlangten die Wernauer Narren genauso wie der Narrenbund Neuhausen von ihren erwachsenen Besuchern Eintritt. In Wernau gab’s die Eintrittskrawatte, auf der alle Umzugsgruppen aufgelistet waren, für 3,50 Euro – und in Neuhausen für vier Euro. „Manche denken, so ein Umzug kostet nix“, sagte die Wernauer Ehrenzunftmeisterin Rita Zink. Aber das stimme nicht. Allein für die Security, die Feuerwehr und die Sanitäter wurden in Wernau 80 000 Euro fällig.

Gefangen und verschleppt

In Wernau stand der Umzug ganz im Zeichen des 40-jährigen Bestehens, das die Narren dort in diesem Jahr feierten und bis Aschermittwoch noch feiern. So gratulierte am Abend nach dem Umzug auf dem Narrenball in der Stadthalle die Partyband Die Grafenberger gleich zu Beginn der Fasnetsparty mit einem Geburtstagsständchen. Dort wurde danach bis tief in die Nacht ausgelassen Fasnet gefeiert.

Wohl den Zuschauern, die nicht nur in Neuhausen auf Schuhe mit Schnürsenkeln verzichtet hatten. Der Grund: Viele der Narren hatten es vor allem bei jungen Mädchen genau darauf abgesehen. Die Bändel wurden fachgerecht verknotet oder einfach geklaut. Wer etwas weniger Glück hatte, wurde von den Hexen und anderen Narren verschleppt. Die Unglücklichen landeten in Fangnetzen oder Käfigen und durften so den Umzug ganz unverhofft unter dem Gejohle der Umzügler und Zuschauer ein Stück begleiten. Gut dran waren vor allem jene Zaungäste, die sich vor den Umzügen das Gesicht dick eingecremt hatten – Schuhcreme und andere Farben ließen sich danach wieder besser entfernen.

Auch der Wettergott hat ein Einsehen

In jedem Fall hatten die Narren am Wochenende viel Glück mit dem Wetter. Laut Wettervorhersage hatte es lange Zeit so ausgesehen, als ob es sowohl am Samstag als auch am Sonntag kräftig regnen würde. Doch es sollte anders kommen: In Wernau und in Neuhausen lugte am Wochenende sogar für einige Zeit die Sonne hervor.

Am Dienstag kommen die Kinder auf ihre Kosten

Kinderumzug Am Fasnetsdienstag, 21. Februar, geht der Veranstaltungsreigen des Narrenbunds Neuhausen mit dem traditionellen Kinderumzug in die Endphase. Um 13.33 Uhr startet der bunte Lindwurm, danach wird in der Egelseehalle Kinderfasnet gefeiert. Zutritt haben aber nur Besucher, die sich für zwei Euro einen Eintrittsbändel kaufen. Am Abend steigt zum Abschluss im Saalbau ab 18 Uhr die Narrenparty für die Erwachsenen. Anschließend wird die Fasnet feierlich beerdigt.

Kinderfasnet In Wernau kommen die jungen Narren ebenfalls am Fasnetsdienstag, 21. Februar, noch einmal auf ihre Kosten. Ab 14 Uhr feiern sie in der Stadthalle im Quadrium Kinderfasnet. Einlass ist bereits um 13 Uhr

 

 

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