Der Festumzug am verregneten Pferdemarkt-Dienstag: natürlich mit Pferden, aber auch mit vielen kommunalpolitischen Seitenhieben Foto: Simon Granville
Bei echtem Schmuddelwetter schlängelte sich am Dienstagmittag der Pferdemarkt-Festumzug durch die Straßen Leonbergs. Dabei nutzten zahlreiche Gruppen und Parteien die Gelegenheit, die aktuelle kommunalpolitische Situation zu verhohnepipeln.
Am Ende säumten laut Leonberger Stadtverwaltung um die 8000 Personen die Strecke des Pferdemarkt-Festumzugs am Dienstagmittag – aufgrund des Wetters deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Trotz Regen harrten die Menschen aber bis zum Ende aus, als traditionell die Fasnetsgruppen ihr Unwesen trieben. Konfetti, fieses Glitzerpulver und unfreiwillige Gesichtsbemalung, die Narren ließen nichts aus. Und wer die volle Ladung abbekam, wird am Mittwoch erst mal einen größeren Waschtag einlegen müssen.
Eine Vielzahl politischer Botschaften
Pferdemarkt-Umzug heißt aber auch immer: Es werden politische Botschaften unters Volk gebracht. Allerdings spielte bei genauerem Hinsehen die große Bundespolitik eine sehr untergeordnete Rolle, trotz bevorstehender Bundestagswahl. Einzig der Jugendhausverein wollte mit seinem Gefängnis-Raumschiff „Nazis zum Mond“ schießen. Ansonsten wurde das Geschehen auf kommunaler Ebene auf die Schippe genommen. Und natürlich, es bot sich ja auch wieder an: die Nachfolge an der Rathausspitze sowie das, gelinde gesagt, angespannte Verhältnis von Noch-Oberbürgermeister Martin Georg Cohn zu seiner in Ungnade gefallenen Ersten Bürgermeisterin Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden.
Die Freien Wähler eröffneten zum Beispiel die „Rathaus Stellenbörse“, weil dort über 100 Stellen zu besetzen seien. „Leonberg sucht dich!“, lautete der Aufruf auf dem Wagen, dessen Besatzung mit Cohn- und Hohenzollern-Masken der Menge zuwinkte. Die SALZ-Fraktion im Gemeinderat hatte sich das Motto „Plötzlich Prinzessin“ überlegt. „Ins Leonberger Wunderschloss im Dirndl rein, als Prinzessin wieder raus“, hieß es sinngemäß. Die Rolle der Prinzessin übernahm in diesem Zusammenhang ziemlich überzeugend Fraktionschef Frank Albrecht.
OB und eine der Prinzessinnen: Martin Georg Cohn und der SALZ-Fraktionsvorsitzende Frank Albrecht Foto: Simon Granville
Auch die Warmbronner Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr beteiligte sich am lokalpolitischen Umzugsreigen. In Anlehnung an den Schiff-Festwagen aus dem Vorjahr war dabei vom „sinkenden Schiff“ die Rede und von der Frage „Wer übernimmt das Ruder“. Auf ihrem kleinen Wägelchen forderte die CDU derweil einen „Neuanfang für Leonberg“ – ebenfalls mit untergehendem Schiff samt Kapitän und Stellvertreterin.
Und dann waren da ja noch die beiden zentralen Figuren der Rathaus-Fehde: Der OB fuhr in einer Kutsche vorneweg. Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden folgte an Position 39 auf der Kutsche des Friedensglocken-Vereins, wie bereits 2024. Interessanterweise fuhr die direkt hinter dem SALZ-Schloss, sodass die Umzugs-Kiebitze direkt den optischen Vergleich von echter mit falscher Prinzessin anstellen konnten.
Grünes Band und Bildungscampus Ezach
Weitere politische Beiträge: Die Grünen wünschten sich ein „Grünes Band für Leonberg“, unter anderem mit alter Autobahntrasse, ehemaligem Golfplatz, der Glems, dem Stadtpark und dem Schopflochberg. Die SPD machte auf die Engpässe bei der Notfallversorgung aufmerksam. Und die Ezach-Igel forderten Gemeinschaftsräume auf dem Bildungscampus Ezach, der ja bekanntermaßen ein paar Millionen Euro teurer wird als geplant.