Umzug nach China Wie eine Stuttgarterin ihren Alltag in Peking erlebt

Regina Küper besucht einen ehemaligen Industriekomplex,   in dem heute Galerien und kleine Läden untergebracht sind. Foto: privat/Küper 3 Bilder
Regina Küper besucht einen ehemaligen Industriekomplex, in dem heute Galerien und kleine Läden untergebracht sind. Foto: privat/Küper

Für ein bis zwei Jahre ist die Stuttgarter Oberärztin Regina Küper mit ihren beiden Töchtern nach Peking gezogen, wo ihr Mann als Diplomat arbeitet. Wir halten Kontakt.

Lokales: Tom Hörner (hör)
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Stuttgart/Peking - Quizfrage: Wie lockt man eine Frau? Natürlich mit Edelsteinen, wie die Welt zu wissen glaubt, seit eine gewisse Marilyn Monroe in den Fünfzigern „Diamonds are a Girl‘s best Friend“ gehaucht hat. Ziemlich altbackene Vorstellung. Im Fall von Regina Küper, 48, wäre ein Fahrrad wohl die bessere Wahl. Als Ehemann Christian Steffen ihr aus Peking via Smartphone das Bild eines wunderschönen Rennrads geschickt hat, habe sie sich einen Ruck gegeben, meint die sportbegeisterte Frau – und lacht. Natürlich war das nicht so ganz ernst gemeint. Wobei, so ein schickes Rennrad, dazu noch eins mit Titanrahmen  ...  

Umzug auf Zeit

In Wahrheit hat es schon etwas mehr gebraucht, dass Regina Küper für sich beschloss, zumindest für einige Zeit ihr bisheriges Leben in Stuttgart aufzugeben und mit ihren beiden Töchtern ihrem Mann nach Peking zu folgen, der dort seit November 2020 im Dienst des Auswärtigen Amtes als Diplomat arbeitet.

Die Pathologin klärt auf

Von Haus aus ist Regina Küper promovierte Ärztin, genauer gesagt, Pathologin, und als Oberärztin beim Klinikum in Stuttgart angestellt. Kommt sie auf ihren Beruf zu sprechen, muss sie den Leuten meist erst erklären, dass ihre Arbeit nichts mit jenen Pathologen zu tun habe, die man aus den „Tatorten“ kennt. „Das sind dann die Forensiker und Gerichtsmediziner“, erklärt sie. „Wir schnippeln nicht an Leichen herum. Wir arbeiten für die Lebenden und leisten einen wichtigen Beitrag, deren Krankheiten zu behandeln.“ Ihr Haupthandwerkszeug ist das Mikroskop, mit dessen Hilfe sie Gewebeproben analysiert. Eine wichtige und anspruchsvolle Arbeit, deren Ergebnis mit über die weitere Behandlung von Patienten entscheidet.

Schwere Entscheidung

„Ich mag meinen Beruf sehr“, sagt Regina Küper. „Und auch das Team, in dem ich arbeite.“ Schon deshalb sei es ihr nicht leichtgefallen, für ein oder zwei Jahre in Stuttgart die Zelte abzubrechen und nach Peking zu ziehen. „Anfangs hatte ich das Gefühl, ich würde mein Team hängen lassen.“

Die Ausreise war alles andere als leicht

Dann entschloss sie sich doch zu diesem Schritt – und ließ sich beurlauben. Die Ausreise Anfang September gestaltete sich alles andere als einfach. „Da gibt es im Vorfeld schon unfassbar viele Formalitäten zu erledigen. Ganz abgesehen von den ganzen ­Coronatests.“ Gewissermaßen auf Verdacht ist sie mit ihren Töchtern Nele, 9, und Anna, 14, am 9. September zum Frankfurter Flughafen gefahren. „Eine der erforderlichen Apps hat meine Passnummer einfach nicht angenommen.“ Erst kurz vor dem Check-in war klar, dass das Trio an Bord einer von der Außenhandelskammer gecharterten Maschine darf.

Bilder wie im Kinofilm „Outbreak“

Im chinesischen Qingdao angekommen, musste das Wiedersehen mit dem Ehemann und Vater warten. „Am Flughafen wurden wir von Leuten in Ganzkörperschutzanzügen empfangen“, erzählt die Ärztin. „Man kam sich vor wie in dem Film ‚Outbreak‘. Vermutlich wurden auch unsere Koffer ­desinfiziert. Auf alle Fälle waren sie hinterher nass.“ Dann ging es erst mal für drei ­Wochen in ein Quarantänehotel, „wobei wir es im Vergleich zu vielen anderen gut ge­troffen haben, wir haben quasi die Luxus­variante ­erwischt“. Sie durften zwar das Zimmer nicht verlassen, aber der Standard war gut. Balkon mit Meerblick. Und zum neunten Geburtstag von Tochter Nele gab’s sogar einen Kuchen.

Diplomatenpass – aber keine Arbeitserlaubnis

Inzwischen ist schon so was wie Alltag eingekehrt. Die Familie lebt im Pekinger Stadtteil Chaoyang , die Töchter gehen auf eine deutsche Schule, die sich auf demselben Gelände wie die Wohnung befindet. Da Regina Küper mit einem Diplomatenpass eingereist ist, genießt sie zwar diplomatischen Status, erhält dadurch aber in China keine Arbeitserlaubnis. Als sie kürzlich hörte, dass an der Schule Mängel an Schwimmlehrern herrsche, wollte die begeisterte Schwimmerin ihre Hilfe anbieten. Der Plan fiel bisher ins Wasser. Das Bad war wegen Corona erst mal geschlossen.

Reisepläne rücken in weite Ferne

Eigentlich wollte Regina Küper die Zeit in Peking auch nutzen, um Asien zu bereisen. Ein Wunsch, der derzeit aber in weite Ferne gerückt ist. Nach jüngsten Coronafällen gelten auch innerhalb Chinas drastische Einschränkungen im Reiseverkehr. Selbst in der 22-Millionen-Metropole Peking kann sich die Familie nicht immer frei bewegen. Eine größere Radtour im weiteren Umfeld müsste Regina Küper unlängst abblasen. Also ging es zu Fuß hoch auf einen nahen Berg, um einen Blick über Peking zu genießen. Leider herrschte an dem Tag Smog. An Fernsicht war nicht zu denken.

Wir bleiben dran

Weitere Folgen
So weit ein erster Eindruck. Wir wollen Kontakt halten zu Regina Küper und in loser Folge kurze Interviews mit ihr führen. Wie erlebt sie den Alltag in Peking? Wie ist das, als rothaarige Frau unter all den dunkelhaarigen Chinesen? Und wie kommt sie in der Millionenmetropole mit dem schicken Rennrad zurecht, das ihr Mann ihr natürlich geschenkt hat?




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