Acht Bewerber stehen offiziell als Nachfolger von Ban Ki Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, als Kandidaten zur Verfügung. An diesem Dienstag beginnt die erste Anhörung im Auswahlverfahren vor der Vollversammlung.

Korrospondenten: Jan Dirk Herbermann (jdh)

New York - Schafft es diesmal eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen? Einiges deutet darauf laut Diplomaten und Beobachtern darauf hin. „Niemals zuvor war die Möglichkeit so groß, dass eine Frau zum nächsten Generalsekretär gewählt wird“, erklärt die amerikanische Frauenrechtlerin Charlotte Bunch. Seit Gründung der Uno nach dem Zweiten Weltkrieg bekleideten nur Männer die Position, die der erste Generalsekretär Trygve Lie als den „unmöglichsten Job der Welt“ bezeichnete. Mit der möglichen Wahl einer Nachfolgerin für den achten Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon könnte eine neue Ära beginnen: Eine Frau wäre dann die oberste Repräsentantin der Weltorganisation, die auf die vielen globalen Krisen wie den Klimawandel, die bewaffneten Konflikte und die Flüchtlingsströme Antworten sucht.

Ban räumt Ende 2016 den Chefsessel. Ab diesem Dienstag beginnen in der Uno-Vollversammlung in New York Anhörungen der offiziellen Kandidaten. Vier der bislang acht offiziellen Bewerber sind Frauen: Irina Bokowa aus Bulgarien, Natalia Gherman aus Moldawien, die Kroatin Vesna Pusic und die Neuseeländerin Helen Clark. Zudem machen sich diese Männer Hoffnungen auf neue berufliche Perspektiven in der Uno: der Portugiese António Guterres, Danilo Türk aus Slowenien, Srgjan Kerim aus Mazedonien sowie Igor Lukšic aus Montenegro. Ebenso wird eine weitere Frau als mögliche Kandidatin ins Spiel gebracht: Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre eine gute Wahl, heißt es etwa in der Hauszeitung der Uno, der „New York Times“.

Auch die Osteuropäer melden sich

Der Präsident der Uno-Vollversammlung, Mogens Lykketoft, hatte die Mitgliedsstaaten schon Ende 2015 ausdrücklich dazu aufgerufen, „Frauen, als auch Männer“, als Kandidaten zu nominieren. Auch in den Hauptstädten der 193 Mitgliedsländer reift die Einsicht, dass die Hälfte der Weltbevölkerung nicht länger ignoriert werden kann. Zum Beispiel in Washington. Dort fordert eine Reihe von US-Senatorinnen von Präsident Barack Obama, sich für eine Bewerberin stark zu machen.

Die offiziellen Kandidatinnen machen aber alle klar: Sie wollen nicht gewählt werden, nur weil sie Frauen sind. „Ich möchte, dass Frauen eine faire Chance haben, jede Führungsposition zu erklimmen“, betont Helen Clark, die Chefin des UN-Entwicklungsprogramms und frühere Premierministerin Neuseelands.

Ebenso wie die Frauen verlangen die Osteuropäer bei der anstehenden Wahl des neunten Generalsekretärs eine Gleichbehandlung: Noch nie stellte ein Land aus der osteuropäischen Region den Generalsekretär der Vereinten Nationen. Alle anderen Regionen der Uno hingegen konnten mindestens einmal ihre Bewerber durchsetzen. Westeuropäer kamen sogar schon dreimal als Generalsekretär zum Zug. „Nächster Generalsekretär sollte ein Repräsentant Osteuropas sein“, fordert deshalb der russische Vizeaußenminister Gennadi Gatilow. Das Wort der Vetomacht Russland hat Gewicht.

Wird es eine Frau aus Osteuropa?

Zwar führt die Uno bei der Wahl des nächsten Generalsekretärs zum ersten Mal Anhörungen der Kandidaten in der Vollversammlung und im Sicherheitsrat ein. Sogar ganz normale Bürger können über die sozialen Medien Fragen stellen. Der Präsident der Vollversammlung verspricht sich davon einen „offenen und transparenten“ Prozess.

Doch am eigentlichen Wahlmechanismus hat sich nichts geändert. Der Sicherheitsrat wird auch 2016 einen Generalsekretär bestimmen: Gegen den Willen der Vetomächte im Rat, Russland, USA, China, Frankreich und Großbritannien kann sich kein Bewerber durchsetzen. Zumal Washington und Moskau pochen auf dieses Privileg. Die Generalversammlung muss die Wahl später formell bestätigen. Einiges deutet also darauf hin, dass eine Frau aus Osteuropa ab 2017 erste Uno-Generalsekretärin sein könnte.

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