Auf dem Lautertalradweg hat es die Stadt laut dem ADFC mit der Sicherheit etwas übertrieben. Verkehrsschranken führen bei den Radlern, die sie umfahren wollen, zu Stürzen. Nun muss nachgebessert werden.

Donzdorf - Schranken auf dem Radweg sollen die Radler eigentlich davor schützen, ungebremst über die nächste querende Straße zu fahren. In Donzdorf gibt es über diese Hindernisse nun aber einen Streit zwischen dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und der Stadt. Der ADFC sieht in den so genannten „Umlaufschranken“, die den Radweg vor Straßenquerungen blockieren, eine Verletzungsgefahr für die Radler und fordert den Abbau. Die Stadt möchte auf die Sicherheitsschranken nicht verzichten.

Elf Schranken auf 800 Metern

Insgesamt elf Mal müssen Radfahrer in Donzdorf auf der ehemaligen Bahntrasse absteigen und ihren Drahtesel durch zwei Schranken bugsieren, und das auf einer Strecke von nur 800 Metern. „Das gibt es in dieser Dichte nirgendwo sonst“, sagt Dirk Messer, der Vorsitzende des ADFC im Kreis. Die Schranken sind so zu einander versetzt, dass eine Durchfahrt gestoppt wird. Doch viele Radler scheren sich nicht darum und versuchen in Schlangenlinien irgendwie an den Schranken vorbeizukommen. Was der Sicherheit der Radler dienen solle, kehre sich dabei ins Gegenteil um, so Messer. Dem ADFC und der Donzdorfer Bürgervereinigung Fahr-Rat seien zahlreiche Stürze und Verletzungen bekannt, weil Radler an den Schranken hängen blieben, berichtet er weiter.

Mit Kanonen auf Spatzen

„Mit den Schranken ist es wie mit den Kanonen, mit denen auf Spatzen geschossen wird“, sagt Dirk Messer und fordert deshalb den Abbau der Hindernisse, die vor zwei bis drei Jahren aufgestellt worden waren. Messer beruft sich dabei auf die offiziellen Empfehlungen für den Radverkehr, die ERA 2010, das Standardwerk für den Bau von Radverkehrsanlagen. Dort würden Umlaufschranken nur empfohlen, wenn alle anderen Maßnahmen die Sicherheit nicht gewährleisteten. „Man macht das eigentlich nur an besonders stark befahrenen Straßen oder Schienenwegen“, so Messer. In Donzdorf führe der Radweg jedoch durch Wohngebiete.

Holperschwellen als Alternative

Sogar die Querung der privaten Grundstückszufahrt des Grafen Rechberg sei abgeschrankt. „Wir haben dort den Verkehr gezählt. Da kamen in einer Stunde gerade mal zwei Autos und ein Traktor, aber 130 Radler“, berichtet Messer. Die Stadt müsse nachbessern, fordert er und hat auch Vorschläge parat. Man könne Haltelinien auf dem Radweg aufbringen oder die Fahrbahnen des Radwegs sowie der Straße mit leichten Schwellen versehen. „Es gibt viele Möglichkeiten. Wir fordern keineswegs so etwas wie freie Fahrt für freie Radler. Aber man kann die Sicherheit auch anders gewährleisten“, so Messer. Wegen der Schranken aber würden schnelle Radler lieber auf die Ortsdurchfahrt ausweichen. Leider habe die Stadt bislang den ADFC zu dem ganzen Thema gar nicht ausführlich zu Rate gezogen.

Die Schranken bleiben

Stattdessen hat die Stadt aber auf die Vorwürfe reagiert. In einer Gemeinderatssitzung wurde jetzt ein ganzes Verbesserungspakt vorgestellt. Es reicht von Markierungsarbeiten bis hin zu einer deutlicheren Beschilderung. Zudem schlug die Verwaltung vor, die zum Teil recht eng gesetzten Schranken breiter zu setzen und zur Fahrbahnmitte hin so zu kappen, dass Radler besser durchkommen.

Von einem mag der Bürgermeister Martin Stölzle aber nicht abweichen: „Die Schranken sollen bleiben. Auf dem Radweg sind auch viele Kinder unterwegs. Es ist ein klassifizierter Schulweg. Da ist es egal, ob auf einer Straße 100 vorbeikommen, oder ob es nur ein Auto ist. Die Sicherheit geht vor“, sagt er. Die Gemeinderäte sahen es ebenso. Allerdings haben sie der Verwaltung den Auftrag gegeben, mit dem ADFC das Gespräch zu suchen, wie man nun die Querungen generell verbessern könne, und zwar, bevor der Bauhof an den Schranken einfach nur ein Stückchen abnimmt.

Alles nur eine Frage der Sichtweise – Kommentar von Klaus Nonnenmacher

Zugegeben, aus Sicht des Radfahrers ist es fürchterlich umständlich, wenn man plötzlich absteigen muss. Es gibt aber Verkehrssituationen, die das erfordern, Kreuzungen zum Beispiel. Dann kann man eben nicht weiterkurbeln. Dann muss man eben schieben. Schranken auf dem Radweg machen dort generell Sinn. Wer dennoch im Sattel bleibt, riskiert einen Sturz. Selber schuld.

Aus Sicht des Autofahrers müsste es viel mehr abgeschrankte Radwegquerungen geben. Oft genug bangen diese am Steuer, ob nicht doch von rechts oder links einer jener Zweiradrambos angerauscht kommt, der auch vor Zebrastreifen und Ampeln nicht Halt macht. Und aus Elternsicht sollte alles unternommen werden, damit die Kinder sicher zur Schule kommen.

Andererseits muss sich die Stadt schon fragen lassen, ob es notwendig ist, auch das kleinste Sträßchen komplett abzusichern, vor allem, wenn der Radweg dadurch für Radler unattraktiv wird. Zudem scheint die Radverkehrssicherung in Donzdorf miserabel ausgeführt worden zu sein. Andernorts gibt durchaus auch Abschrankungen, mit größeren Abständen oder schräg gestellt, die weniger unfallträchtig sind.

Offenbar war die Stadt nicht gut oder zu einseitig beraten. Das kann passieren. Schlecht ist, dass die Verwaltung Verbesserungsvorschläge für den Radweg vorlegt, die erneut nicht mit den Radlern, mit dem ADFC, abgesprochen wurden. Stadt und ADFC müssen nicht dieselbe Sichtweise haben. Aber sie können gemeinsam darum ringen, die Mängel zu beheben.

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