Underground Economy im Internet Marktplatz der Datendiebe

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Professionelle Cyberkriminelle stehlen und verkaufen Daten. Ihre Dienste bieten sie auf dem Schwarzmarkt im Internet an. Die Branche boomt – der Umsatz der Untergrundökonomie liegt weltweit höher als im Drogengeschäft, sagen Experten.

Im Internet hat sich ein blühender Schwarzmarkt rund um gestohlene Daten etabliertGeklaute digitale Identitäten gibt es im Netz zu kaufen. Etwa 10 US-Dollar kostet eine komplette Identität mit Mail-Adresse, Passwort und Zahlungsdaten. Foto: dpa
Im Internet hat sich ein blühender Schwarzmarkt rund um gestohlene Daten etabliertGeklaute digitale Identitäten gibt es im Netz zu kaufen. Etwa 10 US-Dollar kostet eine komplette Identität mit Mail-Adresse, Passwort und Zahlungsdaten. Foto: dpa

Stuttgart - Die dunklen Seiten des Internets sind buchstäblich dunkel. Auf einer schwarzen Website wird in weißer Schrift geworben: „10.000 Userdaten, sortiert, frisch aus der Datenbank. Username, E-Mail, Passwort – alles schon fertig geknackt, 100 Prozent unbenutzt.“ Und es wird garantiert: „Natürlich kein doppelter Verkauf von Daten.“ Solche und ähnliche Anzeigen finden sich zuhauf in Foren, die über normale Suchmaschinen auffindbar sind. Die Marktplätze für den Handel mit geklauten digitalen Identitäten sehen unspektakulär aus und täuschen darüber hinweg, dass es sich um eine boomende Branche handelt. Von Kreditkartennummern und E-Mail-Adressen über Zugangsdaten zu Online-Shops, Internetbanking, sozialen Netzwerken bis hin zu Logins für Online-Spiele wird alles im Netz feilgeboten. Doch nicht nur ganze Datensätze stehen zum Verkauf. Im Netz werden auch sämtliche Dienstleistungen angeboten, um überhaupt erst an solche Daten zu kommen oder damit weiteres Unwesen zu treiben. Diese Schattenwirtschaft ist wie eine Parallelwelt hinter der bunten Oberfläche. Diese Bereiche des Internets findet der normale Nutzer allerdings nur, wenn er sie gezielt sucht.

Auf dem Schreibtisch von Markus Dudium flackern kryptische grüne Zahlen- und Buchstabenreihen über die schwarzen Monitore. Als Ermittler der Abteilung Cybercrime/Digitale Spuren beim baden-württembergischen Landeskriminalamt jagt Dudium Verbrecher in dieser Parallelwelt. Seine Kontrahenten gehen arbeitsteilig vor, sind über spezielle Software anonym im Netz unterwegs und kooperieren über alle Kontinente hinweg – eine Herausforderung für die Strafverfolgung. „Wir stellen eine zunehmende Professionalität der Täter fest“, sagt Markus Dudium. „Wenn jemand eine Straftat plant, bedient er sich verschiedener ‚Dienstleister‘.“ Dennoch dürfe auch das Internet kein rechtsfreier Raum sein, sagt er.

Arbeitsteilig, anonym und professionell

Ein digitaler Rundgang mit Dudium durch die dunklen Ecken des Internets macht deutlich, wie komplex und ausgefeilt die Strukturen in der Underground Economy sind. Da gibt es Hacker, die Sicherheitslücken in Software und Computersystemen suchen. Bis jetzt unbekannte Schwachstellen werden in der Cybercrime-Szene laut dem IT-Sicherheitsunternehmen McAfee für Preise zwischen 3600 und 180.000 Euro verkauft – je nach Programm. Der Nächste bietet die entsprechende Schadsoftware an, die diese Lücken ausnutzt, unter anderem um Rechner auszuspähen. Solche sogenannte Malware kann man kaufen oder sogar tageweise mieten, die Kosten variieren laut McAfee zwischen 100 und 450 Euro.

„Es ist nicht schwer, an Schadsoftware heranzukommen“, sagt der LKA-Ermittler Dudium. Erschreckend einfach ist auch die Bedienung – Kriminelle brauchen nicht einmal besondere IT-Kenntnisse, komfortable grafische Oberflächen machen es möglich. Oft gibt es gegen Aufpreis auch technische Unterstützung mit dazu.