Unendliche Geschichte Grafenau drängt auf Ausbau der Kreisstraße im Würmtal
Der Gemeinderat fordert den Landkreis und das Regierungspräsidium auf, das Straßenprojekt zwischen Dätzingen und Aidlingen ohne weitere Verzögerung zu planen und anzugehen.
Der Gemeinderat fordert den Landkreis und das Regierungspräsidium auf, das Straßenprojekt zwischen Dätzingen und Aidlingen ohne weitere Verzögerung zu planen und anzugehen.
Grafenau - Wer zwischen Dätzingen und Aidlingen auf der Kreisstraße unterwegs ist, muss bei Begegnungsverkehr schon mal abbremsen und auf das Bankett ausweichen, damit sich die Spiegel nicht küssen oder gar ein Totalschaden auf der schmalen und kurvigen Holperpiste winkt. Zwei hat der Grafenauer Gemeinderat Moritz Wagener schon zu beklagen, wie er am Mittwochabend in der Grafenauer Gemeinderatssitzung anmerkte, als es einmal mehr um den schon lange geplanten Ausbau der 3,7 Kilometer langen Strecke auf eine Breite von 6,5 Meter ging.
In der Tat dauern manche Projekte eine halbe Ewigkeit, bis sie umgesetzt werden. Der Ausbau der K 1063 ist so ein Fall. Schon im Jahr 2000 forderte der Grafenauer Gemeinderat bei seiner Stellungnahme zur Ausweisung von naturschutzrelevanten Flächen im Würmtal, dass dies mit dem Ausbau der Kreisstraße konform gehen müsse. „Bereits damals haben wir die Konfliktsituation erkannt. Es stellt sich deshalb die Frage, warum das Regierungspräsidium dies offensichtlich ignoriert hat“, sieht Bürgermeister Martin Thüringer den Schwarzen Peter bei der Oberbehörde und rauft sich dabei die wenig verblieben Haare, die in der Zwischenzeit noch dazu grau geworden sind.
Denn heute sind eben diese Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Flächen durch EU-Recht geschützt und reichen in Teilen bis an den Straßenrand. „Da gibt es keinen Quadratmeter für den Straßenbau mehr“, weiß Werner Röhm vom Straßenbauamt im Landratsamt in Böblingen, der einmal mehr dem Grafenauer Gemeinderat Rede und Antwort stand.
Bereits mehrfach hat sich die Ratsrunde nämlich mit dem Straßenbauprojekt in den letzten Jahren befasst. Zuletzt hatte Röhm im August 2017 den Sachstand vorgestellt. Damals war das Ratsgremium guter Hoffnung, dass der Ausbau und die Sanierung der Kreisstraße, die von rund 4000 Fahrzeugen täglich befahren wird, zügig angegangen wird. Auch die Asphaltierung des begleitenden Radwegs auf der östlichen Seite des Würmtals wurde von Grafenau vorgeschlagen, damit kein unmittelbarer Radweg neben der Kreisstraße nötig ist, der FFH-Mähwiesen-Flächen beeinträchtigen würde.
Jetzt nach vier Jahren zeigt sich Bürgermeister Martin Thüringer ernüchtert, weil der Ausbau immer noch nicht abzusehen ist, obwohl bereits eine fertige Planung vorliegt. Angekündigt hat sich diese neuerliche Verzögerung in der Umwelt- und Verkehrsausschuss-Sitzung des Kreistags im März diesen Jahres, als den Kreisräten neue Planungsprobleme wegen eines unmittelbar an die Straße angrenzenden FFH-Gebiets aufgezeigt wurden. „Wegen 50 Zentimetern können die geplanten Krötentunnel so nicht gebaut werden“, bekannte Straßenplaner Werner Röhm auch im Grafenauer Gemeinderat. Doch nicht nur die Amphibien kämen bei einem Ausbau sicherer über die Straße, auch andere Verkehrsteilnehmer, zumal die Strecke auch eine Schulverbindung ist. Bei einem Unfall, noch dazu mit Gefahrgut oder bei Kraftstoffaustritt wären zudem die kommunalen Trinkwasserquellen gefährdet.
Gute Gründe für den Landkreis, das Straßenprojekt nicht auf den St. Nimmerleinstag aufzuschieben. So wurde die Kreisverwaltung im Jahr 2018 beauftragt, ein Planfeststellungsverfahren für den Ausbau auf den Weg zu bringen, nachdem eine Einigung mit allen Trägern öffentlicher Belange außerhalb eines förmlichen Verfahrens nicht möglich war. Im Rahmen der Ressortabstimmungen im Regierungspräsidium Stuttgart meldete aber das Fachressort Naturschutz umfangreiche zusätzliche Auflagen aufgrund der FFH-Flächen an. „Wir müssen deshalb derzeit auf einer Strecke von 1,5 Kilometern die Lage der Fahrbahn umplanen und Wald statt Wiese in Anspruch nehmen. Und auch der Abzweig nach Lehenweiler muss umgeplant werden, zudem werden weitere naturschutzfachliche Untersuchungen nötig“, brachte Werner Röhm die aktuellen Anforderungen auf den Punkt. Dafür gehe das nächste Jahr ins Land. 2023 sollen aber neue Planunterlagen mit Kostenschätzung vorliegen für das Planfeststellungsverfahren. Im besten Falle könnte 2024 gebaut werden.
„Mein Verständnis wird von Jahr zu Jahr geringer. Naturschutz ist wichtig, aber auch andere Belange, wie Wald, Trinkwasser, Amphibienschutz und Verkehrssicherheit“, argumentierte Bürgermeister Thüringer und erntete dafür viel Zustimmung im Gemeinderat. Auch die Festlegung auf einen asphaltierten Radweg im Wald ging bei zwei Gegenstimmen (Grüne) fast glatt durch, allerdings hat der Aidlinger Gemeinderat da noch ein Wörtchen mitzureden.
Radverkehr im Würmtal
Gefahren
Schon heute gibt es einen Waldweg, der auf der östlichen Seite des Würmtals verläuft, allerdings in schlechtem Zustand ist, weshalb es zu Radunfällen kommt oder zu Gefahrensituationen auf der Kreisstraße, weil viele Radfahrer den Asphalt unter den Rädern vorziehen.
Alternativen
Land und Landkreis übernehmen die Herstellungskosten eines begleitenden Radweges zwischen Aidlingen und Dätzingen. Der bestehend Rad- und Wanderweg wird aber nur in asphaltierter Herstellung finanziert. Die Kosten belaufen sich auf eine halbe Million Euro, die kommunalen Kosten für einen Wirtschaftsweg ohne Asphalt betragen rund 250 000 Euro.