Unerwünschte Klientel Netteres Ambiente soll Drogendealer aus Park in Marbach vertreiben

In den dunklen Ecken der Anlage werden offenbar illegale Geschäfte abgewickelt. Foto: Christian Kempf

Im Park am Bahnhof in Marbach am Neckar werden offenbar illegale Substanzen verkauft. Die Stadt im Landkreis Ludwigsburg will die Anlage nun aufwerten und hofft so, ein Gegenmittel gegen die unerwünschten Geschäfte gefunden zu haben.

Gerade der untere Bereich des Parks am Marbacher Bahnhof ist schwer einzusehen, hat mehrere dunkle Ecken. Der Sandkasten ist immer wieder verschmutzt, wird sogar als Hundeklo missbraucht. Familien können der L’Isle-Adam-Anlage unter diesen Umständen aktuell wenig bis nichts abgewinnen. Dafür lockt lässt das wenig einladende Ambiente offenbar eine zwielichtige Klientel an und lässt den Handel mit illegalen Substanzen blühen. „Die Ecke ist das Kaufhaus für alles, was es in anderen Läden nicht gibt“, sagte der Grünen-Stadtrat Jürgen Waser unlängst im Ausschuss für Umwelt und Technik, wo es um die Umgestaltung des Parks ging – von der man sich auch verspricht, dem unerlaubten Treiben ein Ende zu setzen.

 

Dieses Ziel strich auch Bauamtsleiter Dieter Wanner hervor. Man stehe mit der Polizei in Kontakt. Unter anderem im Schutz der Hecken werde mit Drogen gehandelt. Deshalb sei der Gedanke, den Abschnitt zu verschönern, „damit Eltern mit ihren Kindern den Platz wieder aufsuchen und er einen eigenständigen Charakter erhält“.

Die Wege sind in einem teils schlechten Zustand. Foto: Christian Kempf

Angedacht ist, die Anlage mit Spielgeräten für Kleinkinder wie einer Wippe zu bestücken. Außerdem soll der Bereich gestalterisch und über modifizierte Wegebeziehungen abgegrenzt werden zu dem anschließenden Sektor mit dem Wasserbecken, um eine geschlossene Einheit herzustellen. Zwei kranke Mammutbäume sollen gefällt, dafür punktuell neue Gehölze gepflanzt werden. Man könne den Abschnitt zudem explizit als Spielplatz für Kinder mit Begleitpersonen ausweisen, sagte der städtische Grünplaner Jürgen Kirn. „Dann können wir auch die Uhrzeit festlegen, ab wann der Platz nicht mehr begangen werden darf. Das wäre dann auch eine Handhabe gegen ein gewisses Publikum, das hier verkehrt“, erklärte er.

Für die Polizei ist der Park kein Brennpunkt

Die meisten Beobachter würden wahrscheinlich die Einschätzung der Verwaltungsriege und der Räte teilen, wonach ein Teil der Besucher des Parks sein Geld mutmaßlich nicht oder zumindest nicht ausschließlich mit einem bürgerlichen Beruf verdient. Das Polizeipräsidium Ludwigsburg beteuert allerdings, dass es sich weder um einen Drogenumschlagplatz handele noch die Anlage als Brennpunkt einzustufen sei.

„Eine Recherche in unserem polizeilichen Lagebild ergab für das letzte halbe Jahr lediglich fünf Sachverhalte, die sich in der L’Isle-Adam-Anlage abgespielt haben. Es handelt sich dabei um zwei Ruhestörungen, eine Fundunterschlagung, ein Betäubungsmittel-Delikt sowie eine gefährliche Körperverletzung“, erklärt Pressesprecher Steffen Grabenstein. Von einer Fundunterschlagung spreche man, wenn beispielsweise jemand sein Handy liegen lasse und es jemand dann an sich nehme, ohne es zu melden. Im unmittelbaren Bahnhofsbereich seien im selben Zeitraum mehr als 100 Delikte aktenkundig geworden, sagt Grabenstein.

Der untere Teil soll gestalterisch aufgewertet und vom Rest des Parks abgetrennt werden. Foto: Christian Kempf

Bei Kontrollen im Park seien zwar immer wieder auch Betäubungsmittel entdeckt worden, „allerdings in Größenordnungen, die nach aktueller Rechtslage nicht mehr strafrechtlich relevant sind“.

Streifen schauen vor allem im Sommer nach dem Rechten

Unter anderem wegen der zentralen Lage in der Nähe des Marbacher Bahnhofs herrsche auf dem Platz quasi zu allen Tageszeiten ein Kommen und Gehen, konstatiert der Präsidiumssprecher. Und häufig hielten sich „Personen dort auf, die durch ihr Auftreten oder ihr Verhalten das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinträchtigen können“. Dabei gehe es um „die gleichen Phänomene, die auch anderswo an öffentlichen Anlagen und Plätzen auftreten, also zum Beispiel dynamisches Verhalten in einer Personengruppe, Lautstärke, Alkoholkonsum, Vermüllung und so weiter“, erklärt Grabenstein. „Aus diesem Grund wird die Örtlichkeit insbesondere in den Sommermonaten vom zuständigen Polizeirevier sowie gelegentlich durch Unterstützungskräfte bestreift“, berichtet der Pressesprecher des Polizeipräsidiums.

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