Unfälle im Rems-Murr-Kreis Deutlich mehr Verkehrstote

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Im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen hat sich die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer verdreifacht. Auch Unfälle mit Senioren und Unfallfluchten sind häufiger geworden.

Fellbach, 10. Juni 2017: Ein Motorradfahrer stirbt nach einem Unfall. Der 42-Jährige war im vergangenen Jahr einer von vier toten Bikern im Rems-Murr-Kreis. Foto: Archiv (7aktuell/Eyb)
Fellbach, 10. Juni 2017: Ein Motorradfahrer stirbt nach einem Unfall. Der 42-Jährige war im vergangenen Jahr einer von vier toten Bikern im Rems-Murr-Kreis. Foto: Archiv (7aktuell/Eyb)

Rems-Murr-Kreis - Im Rems-Murr-Kreis sind im Jahr 2017 deutlich mehr Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben als im Jahr zuvor. Dies geht aus der Statistik hervor, die das auch für den Ostalbkreis und den Landkreis Schwäbisch-Hall zuständige Polizeipräsidium (PP) Aalen vorgestellt hat. Demnach starben im Rems-Murr-Kreis zehn Menschen bei Verkehrsunfällen, im Jahr davor waren es sechs gewesen. Im gesamten Präsidiumsbereich kamen 45 Menschen ums Leben – 36 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit liegen die drei Landkreise weit über dem Landesschnitt: Für Baden-Württemberg verzeichnet die Polizei ein Plus von 13 Prozent.

Dreimal so viele tödliche Motorradunfälle im Bereich des PP Aalen

Eine wichtige Ursache für diesen Anstieg ist laut der Polizei das gute Wetter und die damit verbundene geschäftige Motorradsaison. Besonders der Rems-Murr-Kreis ist bei Bikern wegen seiner kurvigen Landstraßen beliebt. Zwar ist die Gesamtzahl der Motorradunfälle gesunken, doch jene mit tödlichem Ausgang haben sich im Präsidiumsbereich verdreifacht. Auch vier der zehn im Rems-Murr-Kreis getöteten Menschen waren Biker. Etwa ein 42-jähriger Mann, der an einem Abend im Juni in Fellbach-Oeffingen die Kontrolle über seine Harley verloren hatte. Er geriet mit dem Vorderrad gegen den Randstein und fuhr gegen einen Mast. Er starb im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen.

Unsere interaktive Karte zeigt die Schwerpunkte bei Motorradunfällen und -lärm:

Beim Blick auf Situationen, aus denen sich Unfälle entwickeln, unterscheidet die Polizei zwischen Blechschäden und schweren Crashs: Während bei leichten Unfällen vor allem die Missachtung von Vorfahrtsregeln die Ursache ist, werden tödliche Unfälle in sechs von zehn Fällen durch zu hohe Geschwindigkeit ausgelöst. Auch im Fall des tödlich verunglückten Bikers in Fellbach vermutete die Polizei damals, dass er zu schnell unterwegs gewesen war.

10 000 Fahrzeuge mehr auf den Straßen – auch die Zahl der Unfälle steigt an

Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle angestiegen. Gut 25 600 Mal krachte es in den drei Landkreisen, für die das Polizeipräsidium Aalen zuständig ist. „Das ist ein fünfjähriger Höchststand“, sagt Ottmar Kroll, der Leiter der Verkehrspolizeidirektion. Fast die Hälfte der Unfälle ereignete sich im Rems-Murr-Kreis. Allerdings sind auf den Straßen auch immer mehr Kraftfahrzeuge unterwegs: Im vergangenen Jahr waren im Landkreis fast 578 000 Pkw, Motorräder und Lastwagen zugelassen – das waren 10 000 mehr als noch 2016 und ist besonders beachtlich, wenn man bedenkt, dass der Landkreis insgesamt nur 421 000 Einwohner hat.

Auch die Zahl der Unfallfluchten war mit 5266 (Rems-Murr-Kreis: 2666) so hoch wie seit mindestens fünf Jahren nicht mehr. „Nach Unfall davongefahren“, „Unfallzeugen gesucht“ – solche Meldungen finden sich Tag für Tag in den Meldungen, welche die Pressestelle der Polizei herausgibt. Oft handelt es sich um Blechschäden von einigen hundert Euro oder im niedrigen vierstelligen Bereich. In der Zeitung werden diese Fälle nur selten gedruckt, da sie meist von spektakuläreren Fällen mit höheren Schäden verdrängt werden.

Immer öfter sind Senioren an Unfällen beteiligt

Eine traurige Ausnahme: Im Juli wurde bei Kaisersbach ein 22-Jähriger totgefahren, der offenbar betrunken auf der Straße gelegen hatte. Der Unfallfahrer fuhr davon – er hatte ebenfalls Alkohol getrunken. Im März ist er wegen wegen fahrlässiger Tötung, versuchten Mordes und Fahrerflucht zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Die Statistik zeigt auch: Immer häufiger sind Senioren an Unfällen beteiligt. Fast 2100 Mal war dies im Präsidiumsbereich der Fall – ebenfalls ein Fünf-Jahres-Hoch, wobei die Zahlen vor allem im Ostalbkreis und Schwäbisch-Hall gestiegen sind. Unfälle mit der Beteiligung von jungen Fahrern gab es 2017 dagegen fast genauso häufig wie im Jahr zuvor. Auf fünf Jahre gesehen, zeigt sich sogar ein Abwärtstrend.