Nach dem Entgleisen eines Intercity am Hauptbahnhof Stuttgart dauern die Reparaturarbeiten noch an. Immerhin fahren die S-Bahnen wieder im Takt. Einige überregionale Linien – besonders Regional-Express-Linien – können aber noch bis Freitag gestört sein.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Immerhin ist seit Mittwochmittag der S-Bahnverkehr wieder im Takt. 24 Stunden lang konnten die Linien S 4, S 5 und S 6 während der Hauptverkehrszeiten nicht in dem dann üblichen 15-Minuten-Takt verkehren, sondern nur alle halbe Stunde. Das war eine der Folgen des Unfalls mit einem Intercity am Dienstag im Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Weitere Einschränkungen bleiben, voraussichtlich bis Freitag ist der Bahnverkehr von und nach Stuttgart aus dem Takt. Damit wird es einen Ferienauftakt mit Behinderungen geben für all jene, die mit der Bahn in die Sommerferien starten wollen. So fahren zum Beispiel die Züge aus dem Urlaubsland Österreich, aus Salzburg und Wien, nur die Bahnhöfe in Esslingen und Vaihingen an der Enz an.

Ein Trost für die Abreisenden: in der Gegenrichtung rollen die Züge wie gewohnt ab Stuttgart. Am stärksten betroffen sind die Züge mehrerer Regional-Express-Linien. Wer nach Karlsruhe oder Heidelberg will, muss von Kornwestheim starten, die Heilbronner Verbindungen enden in Bietigheim-Bissingen. An Stuttgart angebunden sind die Reisenden durch die S-Bahn-Linien.

Ursache noch nicht geklärt

Die Unfallursache ist noch nicht geklärt. Die Bundespolizei, das Eisenbahnbundesamt und die Eisenbahnuntersuchungsbehörde überprüfen den Zug und die Schienenteile, sie haben an der Unfallstelle die Spuren gesichert. „Es gibt Abdruckspuren in den Schwellen, die untersuchen wir. Außerdem haben wir den Induktivschreiber sichergestellt, sagt Steffen Zaiser, der Sprecher der Bundespolizei. Aus dem Gerät müssen nun Daten ausgelesen werden, die über Induktionsschleifen von den Strecken in den Zug übermittelt werden. „Wir haben noch keine genauen Erkenntnisse, aber Stand jetzt sieht es so aus, als ob irgendwo ein technischer Fehler vorliegt“, sagt Zaiser  – unter Vorbehalt des Ergebnisses.

Der Intercity war kurz nach halb zwölf am Gleis 10 gestartet und nur wenige Meter über das Ende des Bahnsteigs hinaus gekommen. Bereits an der ersten Weiche, welcher der Intercity 2312 mit Fahrtziel Hamburg-Altona passierte, war Schluss. An der Weiche sprangen zwei Waggons und die Lok aus der Spur. Verletzt wurde niemand. Die drei Wagen waren die letzten des Zuges, der mit einem Steuerwagen an der Front und einer schiebenden Lok am Heck unterwegs war. Beim hintersten Waggon vor der Lok am Zugende handelte es sich um einen defekten Restaurantwagen. „Dieser war abgeschlossen und konnte gar nicht betrieben werden“, sagte ein Sprecher der Bahn. Kaputte Fahrzeuge werden oft hinten angehängt, um sie dort, wo sie repariert werden, einfacher abkoppeln zu können.

Mit dem Kran abtransportiert

Das Gleis war in der Nacht zum Mittwoch geräumt worden. Gegen 1 Uhr war der Kran angekommen, gegen 6 Uhr konnten die beschädigten Zugteile abtransportiert werden. Dass nach dem Unfall die Störung des Zugverkehrs zwei Tage dauert, liege an den notwendig gewordenen Reparaturarbeiten an den Schienen. „Es handelt sich bei der beschädigten Weiche um eine komplizierte doppelte Kreuzungsweiche, für die erst Ersatzteile beschafft werden müssen“, sagte ein Bahnsprecher – voraussichtlich am Freitag soll das der Fall sein.

Vor einem Jahr war ebenfalls in der Reisezeit ein Nachtzug entgleist. Einen Unfall wegen einer Entgleisung an einer Weiche hatte es zuletzt im September 2010 gegeben, als eine S-Bahn aus der Spur geriet.