Der schwere Unfall am Sonntagfrüh auf der A 8 im Kreis Esslingen hat wieder mal gezeigt, dass Gaffen eine Art Volkssport geworden ist. Mit den Konsequenzen ist das aber so eine Sache...
Die Folgen von heftigen Unfällen, speziell auf viel befahrenen Straßen, sind immer die gleichen: In Nullkommanix entsteht ein Rückstau, der es den Rettungskräften erschwert, zum Ort des Geschehens zu gelangen.
Genau so ist das auch am vergangenen Sonntagmorgen auf der A 8 gewesen, nachdem eine junge Frau auf Weilheimer Gemarkung mit ihrem Auto in ein Fahrzeug der Autobahnmeisterei gekracht war. Bis Sanitäter, Feuerwehr und Polizei zu den vier schwer verletzten Menschen durchdringen konnten, verging einige Zeit.
Einfachste Regeln werden bei Unfällen ignoriert
Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch Verkehrsteilnehmer, die sich selbst an die einfachsten Regeln nicht halten können – oder wollen. Eine Rettungsgasse zu bilden, heißt nicht, erst dann zur Seite zu fahren – und zwar auf die richtige – wenn im Rückspiegel ein Blaulicht zu sehen ist.
Und wer anhält oder gar quer über die Gegenspur läuft, um Schnappschüsse oder Videos zu machen, ob aus Langeweile oder aus Sensationsgier, gefährdet nicht nur andere und sich selbst, sondern macht sich sogar strafbar. Der Paragraf 201a des Strafgesetzbuchs spricht da eine klare Sprache: „Das Fotografieren oder Filmen von Unfällen, Verletzen oder gar Toten kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.“
Dennoch scheint die Gafferei zu einem Volkssport geworden zu sein, was auch daran liegen mag, dass die Verfolgung der Straftaten schwierig ist. Von der Pressestelle des Ulmer Polizeipräsidiums, die für den sonntäglichen Unfall zuständig war, gab es am Montag die knappe Auskunft, „dass die Beamten vor Ort andere Prioritäten haben“.
Es gibt keine Gaffer-Statistik
Die Medienkollegen des für den Kreis Esslingen ansonsten zuständigen Präsidiums in Reutlingen sehen es ähnlich: „Wie oft es solche Fälle gibt, bei denen unsere Leute durch Gaffer behindert werden, lässt sich schwer sagen“, betonte ein Sprecher. Aus der jüngeren Vergangenheit seien ihm aber keine gravierenden Vorkommnisse bekannt.
„Das Problem stellt sich in erster Linie auf Autobahnen und großen Bundesstraßen, von denen es in unserem Bereich nicht so viele gibt“, fügte er hinzu. Zudem existiere keine Statistik, da die Vielzahl der Verstöße als Ordnungswidrigkeiten gelten würden. Die Mithilfe aufmerksamer Zeugen sei ebenfalls schwierig: „Es reicht nicht, sich die Kennzeichen zu notieren und Anzeige zu erstatten, weil das klassische Fahrerverstöße sind“, sagt der Polizeisprecher.
So etwas müsse dokumentiert werden, was für Privatpersonen wiederum nicht so einfach sei. „Gefährlich wird es für die Gaffer erst, wenn ein Streifenwagen langsam durch den Stau fährt, weil der dokumentiert das.“ Der Sprecher des Reutlinger Präsidiums bestätigte aber auch: „Die Kolleginnen und Kollegen, die zu solchen Unfällen müssen, haben andere Prioritäten.“