Unfall in Leinfelden-Echterdingen Sind Zebrastreifen gefährlich oder sicher?

Von Frank Wahlenmaier 

Die einen schwören auf die Überwege für Fußgänger, andere sehen hingegen auch Probleme für die Sicherheit. Das hat vor allem mit der steigenden Zahl an Radfahrern zu tun.

Für Radler gelten auf dem Zebrastreifen (hier am Neuen Markt) Regeln. Foto: Wahlenmaier
Für Radler gelten auf dem Zebrastreifen (hier am Neuen Markt) Regeln. Foto: Wahlenmaier

Leinfelden - Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg setzt auf Zebrastreifen, um die Sicherheit von Fußgängern zu erhöhen. Erklärtes Ziel sei es, 1000 zusätzliche Zebrastreifen einzurichten, heißt es in einer Mitteilung. „Durch größere und schnellere Autos wird das Queren von Straßen immer gefährlicher“, so das Ministerium. Fürs Zebrastreifen-Programm sind sechs Pilotkommunen ausgewählt worden: Bad Rippoldsau-Schapbach, Erligheim, Langenargen, Leonberg, Pforzheim und Schramberg; 68 hatten sich beworben, darunter keine von der Filderebene. Dass Zebrastreifen nicht nur mehr Sicherheit bringen, sondern auch zum Unfallort werden können, hat sich neulich in Leinfelden gezeigt.

Anfang November war an der Bahnhofstraße bei der Filder­halle ein 15-Jähriger verletzt worden, er war laut Polizei mit dem Rad und zu schnell über einen Zebrastreifen gefahren und wurde dabei von einer Autofahrerin erfasst, die keine Gelegenheit mehr hatte, abzubremsen.

Der Unfall am Zebrastreifen sei kein Einzelfall

Der Vorfall sei kein Einzelfall, berichtet ein Mann aus Leinfelden, der von dem Unglück in unserer Zeitung gelesen hat. Mehrmals die Woche würde er mit dem Auto Richtung Bahnhof pendeln und beobachte oft, wie Fahrradfahrer „rücksichtslos“ über Zebrastreifen sausen. „Wenn ich eine Kamera im Auto hätte, hätte ich meine Feststellungen per Video illustrieren können“, sagt er. Er denkt, dass die Behörden der Stadt die Regelwidrigkeiten der Radler weder kontrollieren noch ahnden würden. Folglich würden die Radler ihr Verhalten auch nicht ändern – weil sie ungeschoren davonkämen.

Das kann Gerd Maier, der Leiter des Ordnungsamts in Leinfelden-Echterdingen, so nicht stehen lassen. Es gebe ignorante Radfahrer, doch wenn sie erwischt würden, drohe ihnen eine Buße. Denn es gibt klare Regeln, was man als Radler auf einem Zebrastreifen darf. Generell gilt, dass Radler vom Sattel steigen oder ihre Geschwindigkeit auf Schritttempo reduzieren müssen, sodass Fußgänger und Autofahrer noch rechtzeitig reagieren können. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, dem drohen 120 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Im Falle des verunglückten 15-Jährigen sei der Unfall laut Maier und Polizeibericht „ganz klar eigenverschuldet, was er auch selbst eingeräumt hat“, so Maier. Der Chef des Ordnungsamts geht übrigens davon aus, dass sich die Probleme mit den Regelverstößen von Radfahrern in Zukunft verschärfen werden – schlicht weil der Trend zum Radeln geht. Sei es aus Umweltgründen oder um nicht mehr gefühlte Ewigkeiten in Staus eingeklemmt zu sein.

Wie viel passiert wirklich in der Stadt?

Etwa einen halben Kilometer vom Unfallort bei der Filderhalle ist – direkt am Neuen Markt – ein weiterer Zebrastreifen, der ins Gerede gekommen ist. Die Stadt hatte diesen vor nicht allzu langer Zeit um wenige Meter versetzen lassen. Der Grund war eine neue Bushaltestelle an der Kreissparkasse, und zwischen diesem Stopp und dem Streifen muss ein gewisser Abstand sein, so wollen es die Vorschriften.

An dem gewanderten Streifen kam Kritik auf. So sieht die Stadträtin Beatrix Heß (Freie Wähler) in dem Überweg jetzt eine Gefahrenquelle; ihrer Meinung nach sehen Autofahrer, die von der Musberger Straße aus kommen, den Fußgängerüberweg zu spät. „Die Autos kommen mit 50 Kilometern pro Stunde an und müssen eine Vollbremsung einlegen, wenn jemand über den Zebrastreifen läuft“, erläuterte sie neulich im Verwaltungsausschuss ihre Kritik. Die Stadt teilt diese Sorge nicht. Der Fußgängerüberweg sei nun „sowohl von der Musberger Straße als auch von der Bahnhofstraße aus viel besser einsehbar“, erklärt Ordnungsamtschef Maier. „Außerdem müssen Autofahrer ihre Geschwindigkeit nach Ortseinfahrt auf 40 Kilometer die Stunde drosseln.“

Unfälle auf Zebrastreifen bewegen sich in L.-E. übrigens auf überschaubarem Niveau. Laut dem zuständigen Polizeipräsidium in Reutlingen ereigneten sich in den vergangenen drei Jahren zwei Unfälle an Zebrastreifen, bei denen auch Personen verletzt worden sind.