Unfall mit Autopilot 5,6 Sekunden ohne jede Reaktion

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Zweieinhalb Jahre nach einem tödlichen Unfall wird die Fahrerin eines Uber-Testwagens in den USA wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Uber testet autonomes Fahren mit modifizierten Volvo-SUVs. Foto: Uber/Hollis Bennett
Uber testet autonomes Fahren mit modifizierten Volvo-SUVs. Foto: Uber/Hollis Bennett

Stuttgart - Der 18. März 2018 steht für ein Fanal in der Geschichte des Verkehrs. In Tempe im US-Staat Arizona kam die 49 Jahre alte Elaine Herzberg ums Leben. Sie wurde von einem Testwagen des Uber-Konzerns überfahren, als sie bei Nacht ihr Fahrrad über eine mehrspurige Straße schob. Es war der erste tödliche Unfall mit einem autonom fahrenden Auto. Zweieinhalb Jahre später steht nun fest, wer dafür bestraft werden soll: Die Testfahrerin, die am Steuer saß, um in Notfällen die Kontrolle zu übernehmen, wird der fahrlässigen Tötung angeklagt. Denn sie hätte den Unfall verhindern können, so die Ermittler.

Der 46-Jährigen wird vorgeworfen, in den entscheidenden Sekunden nicht auf die Straße, sondern auf ihr Smartphone geschaut zu haben, auf dem die TV-Sendung „The Voice“ gelaufen sei. Sie bestreitet den Vorwurf, den die Strafverfolger auf die Aufnahmen einer Innenraumkamera stützen und als wesentliche Ursache des Zusammenpralls betrachten. Die einzige aber war es nicht, wie ein Bericht der Unfallermittler des National Transportation Safety Boards aus 2019 zeigt. Dass die Fußgängerin unter Drogen stand und keinen Überweg benutzte, spielt darin nur eine Nebenrolle. Für die in der Autobranche weltweit beachtete Analyse des Unfalls gravierender ist, was sich rund um den Testbetrieb in dem von Uber modifizierten Volvo-SUV XC90 abspielte.

Das Notbremssystem von Volvo war deaktiviert

Die Ingenieure hatten den vom Hersteller eingebauten Notbremsassistenten deaktiviert, weil er dem eigenen Autopilotsystem in die Quere kam. Zwar registrierten die Sensoren des Wagens die Fußgängerin 5,6 Sekunden vor dem Crash, die Software aber erkannte weder eine Person noch ein Fahrrad und löste keinen Bremsvorgang aus. Eine Kollisionswarnung kam erst zwei Zehntelsekunden vor dem Aufprall, zu spät für eine Reaktion der Fahrerin. Uber habe es versäumt, die Aufmerksamkeit seiner Testfahrer wirksam sicherzustellen, so der Bericht weiter. Strafermittlungen gegen den Mobilitätsdienstleister wurden 2019 trotzdem eingestellt. Nach einer Pause, in der man zusätzliche Sicherungen eingebaut habe, wie der Konzern betont, hat Uber die Tests mit selbstfahrenden Autos im öffentlichen Verkehr wieder aufgenommen.




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