Unfall mit Kleinflugzeug Horror am Strand bei Lissabon

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Hunderte Badegäste genießen Strand und Sonne in der Nähe von Lissabon. Bis mitten unter ihnen eine Cessna 152 notlandet und dabei zwei Menschen tötet. Die Polizei will nun klären, warum zwei Menschen sterben mussten.

Hunderte Badegäste genießen Strand und Sonne in der Nähe von Lissabon. Bis mitten unter ihnen eine Cessna 152 notlandet und dabei zwei Menschen tötet. Foto: AP
Hunderte Badegäste genießen Strand und Sonne in der Nähe von Lissabon. Bis mitten unter ihnen eine Cessna 152 notlandet und dabei zwei Menschen tötet. Foto: AP

Lissabon - Einer der Helden dieses dramatischen Tages ist der Basketballer Nicolas dos Santos vom Verein Sport Lisboa e Benfica. Ein Bär von einem Mann. „Es war furchtbar“, erzählt er auf der Website seines Clubs. „Es kamen immer mehr Leute an, die den Piloten schlagen wollten. Ich stellte mich dazwischen, um eine weitere Tragödie zu verhindern. Ich wollte helfen. Die Lösung war nicht, irgendjemanden zu schlagen, sondern Ruhe zu bewahren.“

Vielen Menschen fiel es schwer, an diesem Mittwochnachmittag die Ruhe zu bewahren. Bis eben hatten sie noch unbesorgt in der Sonne gelegen, gebadet, Fußball gespielt, da segelte aus heiterem Himmel ein Leichtflugzeug auf den Strand São João an der Costa da Caparica bei Lissabon herab. Hundert Meter rollte es über den Sand, bis es zum Stehen kam. Dabei tötete es zwei Menschen, ein achtjähriges Mädchen und einen 56-jährigen Mann, beide Portugiesen. Eine Frau erlitt leichte Verletzungen. Der vergnügte Badenachmittag war zum Albtraum geworden.

An Bord der Cessna 152 waren ein Fluglehrer und sein Schüler

Um kurz vor 17 Uhr Ortszeit hatte das Flugzeug, eine Cessna 152, einen Notruf abgesetzt. „Mayday Mayday Mayday. Der Motor ist ausgefallen. Ich werde auf dem Strand landen.“ „Auf welchem Strand?“, fragt der Tower. Der Pilot antwortet: „Cova da Vapor“. Schließlich ging er auf der benachbarten Praia de São João nieder, zwischen Hunderten Badegästen.

Die Cessna 152 ist ein zweisitziges Leichtflugzeug, das in der Regel für Trainingsflüge eingesetzt wird. Die Maschine war wenige Minuten vor dem Unglück vom Flugplatz in Cascais, einer Nachbarstadt von Lissabon, gestartet, auf dem Weg nach Evora, rund 130 Kilometer östlich von Lissabon. Nach Informationen der Flugschule G-Air saßen an Bord ein 56-jähriger, erfahrener Pilot und ein Flugschüler. Kurz nach dem Start setzte der Motor des Flugzeugs aus. Der Pilot musste sofort entscheiden, wo er eine Notlandung versuchen wollte. Er war auf höchstens 300 Meter Flughöhe. Ohne Motor sinkt das Flugzeug etwa 90 Meter pro Minute.

Pilot und Begleiter drohen Anzeigen wegen fahrlässiger Tötung

Der Pilot entschied sich für den Strand. Fachleute und Laien diskutieren jetzt in Portugal darüber, warum er das tat. Er brachte das Leben der Badegäste in Gefahr, um das eigene und das seines Schülers zu retten. Er hätte auch auf das Meer zusteuern können, was mit großer Wahrscheinlichkeit den Tod für die Flugzeugbesatzung bedeutet hätte. Die Netzzeitung Observador zitiert den ehemaligen Vorsitzenden der portugiesischen Pilotengewerkschaft SPAC, Jaime Prieto: „Das ist eine Situation erhöhten Drucks.“ Der Cessna-Pilot habe in wenigen Sekunden eine folgenschwere Entscheidung treffen müssen, „am Ende hat er zwei Personen getötet, auf einem Strand voller Leute.“

Am Donnerstagvormittag mussten der Pilot und sein Begleiter vor dem Staatsanwalt aussagen. Dem Piloten droht eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung. Eine Arbeitsgruppe von Flugsicherheitsexperten untersucht zugleich, warum der Motor der Cessna, Baujahr 1978, ausfiel.

Es ist ein Wunder, dass es nicht mehr Opfer gegeben hat

Was von diesem Mittwochnachmittag bleibt, sind die dramatischen Erinnerungen der Badegäste, die dem Unglück entronnen sind. Die portugiesische Presse zitiert Dutzende Berichte. Etwa den von Celia Rocha, die mit ihrem elfjährigen Sohn Tomás und dessen gleichaltrigen Freund António an den Strand gegangen war. Die Jungen badeten, die Mutter telefonierte gerade, als das Flugzeug niederging. Sie rannte los, aber es war António, der seinen Freund schreiend warnte. Er habe ihrem Sohn das Leben gerettet, erzählt die Mutter. „Alles ging sehr schnell. Es war ein Horror.“

Auch Enrique Pinto-Coelho war mit seinem Sohn am Strand, und er erinnert sich vor allem daran, dass das Flugzeug „aus dem Nichts kam, ohne Lärm zu machen“. Paulo Isabel vom Lissabonner Hafen beklagt die beiden Toten, aber er fügte hinzu: „An einem Tag wie diesem, mit Hunderten oder vielleicht Tausenden Leuten am Strand, kann man es als wahres Wunder betrachten, dass es nicht noch mehr Opfer gegeben hat.“