Unfallflucht in Stuttgart Hubschrauberjagd nach Flucht auf der Autobahn

Von Wolf-Dieter Obst 

Mit einer Unfallflucht auf Biegen und Brechen ist ein unbekannter Autofahrer auf der A 8 bei Stuttgart-Rohr entkommen. Zunächst zumindest.

Bei einer Autobahnfahndung war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz (Symbolbild). Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann
Bei einer Autobahnfahndung war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz (Symbolbild). Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann

Stuttgart - Ein lautstarkes Rotoren-Knattern hat die Bewohner von Rohr in der Nacht zum Montag aus dem Schlaf gerissen. Die Besatzung eines Polizeihubschraubers fahndete zwischen 1.20 Uhr und 2 Uhr nach einem Autofahrer, der nach einer spektakulären Unfallflucht auf der A 8 am Kreuz Stuttgart vorerst spurlos verschwunden war. Bisher blieb die Suche der Ermittler ergebnislos.

Ist er zu müde? Alkoholisiert? Unaufmerksam? Am Montag gegen 0.25 Uhr verliert ein Volvo-Fahrer auf der A 8 in Fahrtrichtung München die Kontrolle, als er sich dem Autobahnkreuz Stuttgart nähert. Kurz vor dem Fahrbahnteiler gerät er nach rechts ab und prallt gegen das Bauteil. Teile des Fahrzeugs fliegen umher, treffen den Opel eines 20-jährigen Fahrers und den Mercedes eines 46-Jährigen, die unmittelbar in der Nähe unterwegs sind. Ein 78-jähriger Renault-Fahrer kann nicht mehr ausweichen und prallt gegen den Volvo. Der verkeilt sich vollends im Fahrbahnteiler.

Und dann folgt das Nachspiel

Die Beteiligten kommen offenbar ohne größere Blessuren davon. Bei der Karambolage dürfte ein Schaden von 17 000 Euro entstanden sein. Bis hierher wäre es noch ein normaler Unfall für die Autobahnpolizisten, die zum Ort des Geschehens gerufen werden. Doch dann kommt es zu einem ungewöhnlichen Nachspiel.

Der Volvo-Fahrer sieht gar nicht ein, an dieser Stelle überhaupt auf irgendjemanden zu warten. Mehrfach setzt er seinen Wagen vor und zurück, rangiert und bugsiert sich brachial aus dem Verkehrsteiler. Dann fährt er einfach auf der A 8 in Richtung München weiter. „Bei uns gingen mehrere Anrufe zu dem Unfallflüchtigen ein“ sagt Polizeisprecherin Yvonne Schächtele, „irgendwo zwischen Böblingen und Flughafen.“ Die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, dessen Verkehrspolizisten für die Autobahnen rund um Stuttgart zuständig sind, startet eine größere Fahndungsaktion, an der auch der Polizeihubschrauber beteiligt wird.

Zahl der Unfallfluchten steigt

Unfallfluchten sind für das Ludwigsburger Präsidium ein wachsendes Geschäft. Bei mehr als jeder fünften Karambolage macht sich der Verursacher aus dem Staub. Allein im vergangenen Jahr hat es knapp 7000 Fälle gegeben, eine Zunahme um 90 Fälle. Insgesamt richteten die Verursacher mehr als zwölf Millionen Euro Schaden an. 270 Menschen wurden verletzt – zumeist die Flüchtigen selbst. Die Aufklärungsquote liegt bei 34 Prozent.

Die Spur führt in den Wald

Wird auch der jüngste Fall geklärt? Der Volvo kommt jedenfalls nicht weit. Nach etwas über drei Kilometern, kurz vor der Brücke der Schönbuchstraße zwischen Rohr und Oberaichen, lässt der dunkel gekleidete Fahrer den Wagen auf dem Standstreifen stehen und flüchtet in den Wald. Dort bieten sich ihm reichlich Fluchtwege. Der Polizeihubschrauber versucht ihm mit der Wärmebildkamera auf die Spur kommen – muss aber nach 40 Minuten erfolglos abdrehen.

Immerhin hat die Polizei den Volvo mit einem Kennzeichen aus der Region sichergestellt. Damit wäre der Halter bekannt. Allerdings war dieser bis Montagmittag noch nicht auffindbar. „Es ist aber immer die Frage, ob der Halter auch der Fahrer war“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Schächtele. Womöglich verrät ihn ein humpelnder Gang. Hinweise werden über Telefon 07 11 / 68 69 - 0 erbeten.

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