Unfallstatistik für Bad Cannstatt Extremer Anstieg der Stadtbahnunfälle

Von Uli Nagel 

Die Zahl der Stadtbahnunfälle ist in Bad Cannstatt extrem gestiegen, laut Polizei um 120 Prozent. Immer mehr Autofahrer haben es offenbar eilig und biegen verbotswidrig über die Gleise ab.

Der Kreuzungsbereich Prag-/Haldenstraße tauchte 2017 als weiterer Unfallschwerpunkt in der Unfallstatistik der Polizei auf. Schuld hatten fast immer die Autofahrer. Foto: Rosar
Der Kreuzungsbereich Prag-/Haldenstraße tauchte 2017 als weiterer Unfallschwerpunkt in der Unfallstatistik der Polizei auf. Schuld hatten fast immer die Autofahrer. Foto: Rosar

Bad Cannstatt - Eigentlich könnte die Polizei mit der Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr in Stuttgarts größtem Stadtbezirk zufrieden sein. In vielen Bereichen haben sich die Zahlen nach unten bewegt oder sind auf einem stabilen Niveau geblieben. Wenn da nicht das Thema Stadtbahnunfälle wäre.

Denn große Sorgen bereitet deren extremer Anstieg. Wurden 2016 „nur“ 15 registriert, so hat sich diese Zahl ein Jahr später mehr als verdoppelt. 33 Unfälle bedeuten eine Steigerung von 120 Prozent. „Was man dagegen noch machen soll, weiß ich nicht“, so Revierleiter Thomas Engelhardt im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. In nahezu 100 Prozent der Fälle seien die Stadtbahnfahrer schuldlos, denn wenn Autofahrer plötzlich illegal wenden, Passanten trotz Z-Überwege Stadtbahnzüge übersehen oder verbotswidrig und vogelwild die Gleise überqueren, haben die Zugführer keine Chance, ihre tonnenschweren Stadtbahnen kurzfristig abzubremsen. Tragischerweise mussten zwei Menschen ihren Leichtsinn und ihre Unaufmerksamkeit mit dem Leben bezahlen. Ende Juni übersah ein 70-jähriger Radfahrer am Überweg vor dem Großen Kursaal eine Stadtbahn und erlitt bei der Kollision tödliche Verletzungen. Anfang Oktober kam für einen 20-Jährigen ebenfalls jede Hilfe zu spät. Er befand sich kurz vor Mitternacht im Kreuzungsbereich Waiblinger/Daimlerstraße auf den Gleisen und wurde dort von einer Stadtbahn erfasst. Er verstarb noch an der Unglücksstelle. Gerade der zweitgenannte Bereich ist der Polizei und den Verantwortlichen der Stuttgarter Straßenbahnen AG schon seit Jahren als potenzieller Unfallschwerpunkt bekannt. Hier biegen Autofahrer, die auf der Waiblinger Straße in Richtung Fellbach unterwegs sind, oft illegal in Richtung Daimlerstraße über die Stadtbahngleise ab.

Polizei will verstärkt überwachen

Doch seit 2017 gibt es einen weiteren neuralgischen Punkt im Stadtbahnnetz. Im Kreuzungsbereich Prag-/Haldenstraße vor der Firma Mahle ereigneten sich binnen weniger Wochen drei Unfälle. Obwohl die Beschilderung an der Kreuzung zur Haldenstraße klipp und klar eine Geradeausfahrt vorschreibt, setzten Autofahrer – einer hatte sogar sein Kind auf dem Rücksitz – zu einem waghalsigen Wendemanöver über die Stadtbahngleise an. Dabei hatten sie jedoch die von hinten herannahende Stadtbahn übersehen und wurden gerammt. Menschen kamen Gott sei Dank nicht ums Leben, allerdings verursachten die Autofahrer jedes Mal ein übles Verkehrschaos. „Wir werden diese Unfallschwerpunkte verstärkt überwachen“, sagte Engelhardt. Bei ähnlichen Aktionen, etwa am Olgaeck in der Innenstadt, kommen erstaunliche Zahlen zutage. Binnen zwei Stunden werden da schon zwischen 15 und 20 Autofahrer beim illegalen U-Turn erwischt. Doch über eines sind sich Polizei- und SSB-Verantwortlichen im Klaren: „Wegen engerer Fahrbahntakte und neuen Stadtbahnlinien wird die Zahl der Unfälle nicht abnehmen“, so Thomas Engelhardt. Und bekanntermaßen soll an Herbst die neue Stadtbahn U 16 die Linie U 13 zwischen Fellbach und Weilimdorf entlasten.

Sonderthemen