Unfallstatistik in Baden-Württemberg Jeden Tag ein Verkehrstoter

Hohes Tempo ist eine Hauptursache für Unfälle – in diesem Fall verlief er zum Glück nicht tödlich. Foto: Alexander Hald/7aktuell.de (Symbolbild)

Die Zahl der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr ist wieder leicht angestiegen, und die Hauptursache ist zu hohes Tempo. Unfälle mit E-Scootern verdoppeln sich auf 600.

Zu schnelles Fahren ist die Hauptursache für tödliche Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg, wie sich aus der von Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montag vorgelegten Unfallstatistik für 2021 ergibt. Demnach kamen mehr als ein Drittel der 348 Verkehrstoten aufgrund von Fahrten mit überhöhter oder unangepasster Geschwindigkeit ums Leben. Insgesamt ist die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten im Vergleich zu 2020 erneut angestiegen – um 5,5 Prozent, allerdings sank die Zahl der Schwerverletzten um elf Prozent. Alles in allem sind 37 500 Verletzte gezählt worden, bei einer Gesamtzahl von 274 000 polizeilich registrierten Verkehrsunfällen. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 lagen die Unfallzahlen offenbar wegen des zurückgegangen Verkehrs unter dem langjährigen Mittel.

 

Ein Unfall alle zwei Minuten

Zufrieden ist Minister Strobl trotzdem nicht: „Jeder einzelne Verkehrstote ist einer zuviel. Dieser entsetzliche Schicksalsschlag und die Tragödie für die Angehörigen gilt es zu vermeiden.“ Strobl fasste die Unfallbilanz so zusammen: „Ein Unfall alle zwei Minuten, ein Verletzter pro Viertelstunde, ein Toter jeden Tag.“ Man werde bei Geschwindigkeitsüberschreitungen den Kontrolldruck hoch halten, so Strobl. „Nicht um Kasse zu machen, sondern um Menschenleben zu retten.“ Rund 1,5 Millionen Geschwindigkeitsüberschreitungen stellte die Polizei 2021 fest. Auch auf die Unfallprävention setzt Strobl Hoffnungen: 2021 konnte die Polizei wieder 9000 Veranstaltungen anbieten und 145 000 Personen erreichen.

45 Getötete waren nicht angeschnallt

Blickt man auf weitere Ursachen für tödliche Unfälle, spielt die Ablenkung eine große Rolle. 42 Menschen kamen ums Leben, weil ein Fahrer oder eine Fahrerin nicht die komplette Aufmerksamkeit am Steuer zeigten. 45 Getötete waren nicht angeschnallt, 31 Verkehrsteilnehmer starben, weil Alkohol- oder Drogenkonsum im Spiel waren. Die Motorradfahrer sind nach wie vor die Sorgenkinder der Verkehrsbehörden, jeder fünfte Verkehrstote war 2021 mit einem Motorrad unterwegs. Zugenommen hat auch die Verwicklung von Lastwagen in Verkehrsunfälle – bei Lkw-Unfällen starben 83 Menschen, das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Weniger verletzte Radfahrer

Positiv ist der Rückgang der Fahrradunfälle mit Verletzten um zwölf Prozent. 57 Radfahrer wurden getötet, das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres, aber auffällig ist, dass jeder zweite getötete Radfahrer mit einem E-Bike unterwegs war. Auch bei den E-Scootern steigt das Risiko: Ihre Unfallzahl verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf 600, die Polizei registrierte 423 Verletzte auf Scootern, zwei Personen starben.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder bezeichnete E-Scooter als „eine Gefahr für den Straßenverkehr“ und forderte die Landesregierung zu Konzepten auf, ihnen Platz im Verkehrsraum zu geben: „E-Scooter liegen und stehen an unmöglichen Stellen herum und bergen damit große Gefahren für den gesamten Straßenverkehr.“

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