Wenn Autofahrende an Zusammenstößen und Stürzen beteiligt sind, haben diese Unfälle eine Reihe typischer Fehler als Ursache.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Zwei Menschen sind im vergangenen Jahr auf Stuttgarts Straßen ums Leben gekommen. „Das sind immer noch zwei zu viel“, sagt Michael Saur, der Leiter der Verkehrspolizei. Er setzt auf die „Vision zero“, die Hoffnung auf null Verkehrstote. Beide Opfer waren auf Zweirädern unterwegs, einer auf einem Motorrad, der andere auf einem Pedelec. Der Radfahrer war im November im Stuttgarter Westen gestürzt und hatte sich dabei so schwer verletzt, dass er wenig später starb.

 

Die Gruppe der Radfahrenden und der Radelnden mit elektrischer Unterstützung auf Pedelecs ist diejenige, die trotz insgesamt gesunkener Unfallzahlen den größten Zuwachs in der Unfallstatistik der Stuttgarter Polizei hatte. „Das liegt natürlich daran, dass immer mehr Menschen Rad fahren“, sagt Saur.

Mit mehr Radverkehr gehen mehr Fahrradunfälle einher. Das ist schon in den zurückliegenden Jahren so gewesen, und der Trend setzte sich auch 2022 fort: Eine „moderate Zunahme der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radnutzenden um circa vier Prozent auf 412 Unfälle“ war das. Im Jahr davor waren es 395 gewesen. 2020, als das Radfahren in der Pandemie so richtig boomte, waren es 508 Unfälle – aber immer noch weniger als 2018, als 532 Unfälle mit Fahrrädern registriert worden waren. Bei Pedelecs fiel der Anstieg höher aus: Um 13 Prozent stiegen hier die Zahlen, und knackten so mit 208 Fällen zum ersten Mal die 200-er Marke. Entsprechend wurden auch mit 174 Personen so viele Pedelec-Nutzende verletzt wie nie zuvor, 23 wurden schwer verletzt. Wenn andere Verkehrsteilnehmende die Unfälle verursachen, dann sind es Fehler beim Abbiegen, das Missachten der Vorfahrt der Radfahrenden, und immer wieder auch das unvorsichtige Öffnen der Autotüren am Fahrbahnrand – durch einen Blick über die Schulter könnten hier viele Stürze vermieden werden.

Örtliche Unfallschwerpunkte sind beim Radverkehr nicht auszumachen

Anders als beim motorisierten Verkehr kann die Polizei keine örtlichen Unfallschwerpunkte festmachen, wenn es um Radunfälle geht. „Manchmal kommen Hinweise, aber bei ein bis drei Unfällen können wir da noch keinen Schwerpunkt erkennen“, sagt Michael Saur. Allerdings wundert er sich, dass an manchen neuralgischen Stellen nicht mehr passiert. Das ist zum einen der Bereich an der Hauptstätter Straße zwischen Sporerstraße und Dorotheenstraße. Dort ist die Ausfahrt des Parkhauses im Dorotheenquartier, die zuerst über den Gehweg und dann über den Radweg führt, und dann noch die Einmündung der Dorotheenstraße, die wegen der Sichtverhältnisse für Autofahrende als gefährlich gilt – und nun umgestaltet wird. „Da hört man viel über brenzlige Situationen“, so Saur. Unfälle würden aber nicht gemeldet. Zum anderen sei das der Ferdinand-Leitner-Steg im Schlossgarten über die Schillerstraße, wo Fuß- und Radverkehr teilweise getrennt geführt werden. „Da halten sich auf beiden Seiten nicht alle dran.“ Vielleicht passiere an beiden Stellen auch mehr, was nicht gemeldet werde. „Wir kennen die Dunkelziffer nicht“, sagt Saur. Eine Ecke weiter, am Steg über die S-21-Baustelle, hat es just am Montag gekracht: Zwei Radfahrende stießen zusammen, eine 42-jährige Frau wurde dabei schwer verletzt.

An der Eberhardstraße kommt es zu vielen Konflikten

Was definitiv nicht vorkomme in der Statistik für das zurückliegende Jahr seien Unfälle zwischen zu Fußgängern und Radfahrenden. „Hier haben wir zwar die meisten Konflikte und es wird gegenseitig viel geschimpft, aber passiert ist nichts“, sagt Saur. Welche Konflikte das sein können, das könne man an der als Fahrradstraße ausgewiesenen Eber-hardstraße beobachten. Dort würden zu Fußgänger „überall, nicht nur an den Überwegen“ über die Straße gehen, zudem seien die Radfahren-den sehr flott unterwegs.

Die Polizei achte bei der Verkehrsüberwachung „auf alle Verkehrsarten“, betont Saur. So stimme der Eindruck der Fußgänger, dass man Verstöße der Radfahrenden nicht ahnde – 662 Rad- und Escooterfahrende wurden wegen Rotlichtverstößen gestoppt. Auch auf die Sicherheit der Radfahrenden werde geachtet: 400 Autofahrende wurden erwischt, die den Abstand von 1,50 Metern beim Überholen nicht einhielten.