Ungedeckte Pandemiekosten Diakonie Stetten schlägt Alarm

Im Kampf gegen die Infektionen bleibt die Diakonie Stetten derzeit auch noch auf massiv gestiegenen Kosten sitzen. Foto: /Gottfried Stoppel

Mehr als 500 Infizierte, über 20 Tote – die Diakonie Stetten wird schwer gebeutelt. Aber auch wegen nicht ersetzter Kosten bei der Eingliederungshilfe schlägt die Einrichtung jetzt Alarm.

Kernen - Die Corona-Pandemie trifft die Einrichtungen der Diakonie Stetten in allen Kreisen der Region und der Stadt Stuttgart extrem hart. „Es wird bei uns viel getrauert“, berichtete der Vorstandsvorsitzende der Sozialeinrichtung, Rainer Hinzen, angesichts der bislang 521 infizierten Mitarbeiter und Klienten sowie der 22 Todesfälle.

 

Kein Kostenersatz wie bei der Altenhilfe

Die Corona-Krise führt speziell bei Trägern der Eingliederungshilfe – wie der Diakonie Stetten – aber auch zu erheblichen finanziellen Belastungen in Form von Mehrkosten und Mindereinnahmen. Dies berichtete der kaufmännische Vorstand der Diakonie Stetten, Dietmar Prexl, bei einer eigens zum Thema ungedeckte Kosten einberufenen Videopressekonferenz. Ein Kostenersatz seitens der zuständigen Landkreise, ähnlich wie in der Altenhilfe über das Krankenhausentlastungsgesetz, sei hier bislang nicht in Sicht. „Wir reden hier auch über ein Gerechtigkeitsproblem“, sagte Hinzen. „Es gibt keine Berechtigung dafür, dass Einrichtungen für behinderte Menschen so viel schlechter behandelt werden.“

Einrichtungsträger wie die Diakonie Stetten, so die Zwischenbilanz zum Ende des ersten Corona-Jahres, leiden deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht unter den Belastungen der Pandemie-Krise. Neben den vielfältigen Belastungen für Klienten und Mitarbeitende im Zusammenhang mit den Infektionen und mit den Einschränkungen des Alltags machten sich zunehmend auch die massiven finanziellen Belastungen bemerkbar.

Massiv erhöhter Personalaufwand

Zum Schutz der Gesundheit von Klienten und Mitarbeitern und zur Umsetzung der zahlreichen Corona-Verordnungen des Landes seien umfangreiche Hygiene- und Schutzmaßnahmen notwendig. Die hohe Zahl an Infektionen unter Klienten und Mitarbeitenden führten zu mehrwöchigen Quarantänesituationen und Betreuungsengpässen durch Mitarbeiterausfälle. Positiv getestete Personen oder Kontaktpersonen unter der Belegschaft fielen oft für längere Zeit in der Betreuung aus und müssen durch zusätzlich eingesetztes Personal ersetzt werden.

Andererseits müssten für die infizierten Bewohner der Einrichtungen zusätzliche Isolier-Stationen mit eigener Rund-um-die-Uhr-Betreuung eingerichtet werden. Für die Fallbearbeitung, die Kontaktpersonennachverfolgung, für Tests, aber auch für den gestiegenen Bedarf an Reinigung müsse zusätzliches Personal eingesetzt werden. Auch die weiter bestehenden Betreuungsangebote müssten kosten- und personalintensiv umorganisiert werden. So wurden, berichtete Prexl, zum Beispiel die Arbeitsplätze für die Mitarbeiter mit Behinderung in den Werkstätten komplett neu eingerichtet und mit Trennscheiben aus Plexiglas ausgestattet. Die Betreuer benötigen täglich neue Schutzausrüstung in großen Mengen, um sich und andere vor Infektionen zu schützen – bei derzeit steigendem Bedarf.

Neben diesen Corona-bedingten Mehrkosten, so der Überblick über die gesamten finanziellen Auswirkungen der aktuellen Krise, gebe es zudem erhebliche Einnahmeeinbußen. Unter anderem, weil Produktionsaufträge von Firmen in den zeitweise geschlossenen Werkstätten nicht bearbeitet und freie Wohnplätze in den Wohneinrichtungen zeitweise nicht wieder belegt werden konnten.

„Wir haben ermittelt und können nachweisen, dass sich diese Corona-bedingten Mehrbelastungen allein im Bereich der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung auf bislang mehr als acht Millionen Euro summieren“, erklärte Prexl. Die Tendenz sei ansteigend, weil in den kommenden Monaten noch nicht mit einer spürbaren Entspannung der Risikosituation zu rechnen sei. „Das ist kein Pappenstiel“, bestätigte Hinzen. „Für uns als gemeinnützige soziale Einrichtung sind das erhebliche Summen, die wir nicht einfach kompensieren können.“

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