Ungeheuer von Loch Ness Nessie ist zurück

Von , London 

Das Fabelwesen Nessie wurde mehrfach gesichtet – und prompt sind Wetten um das berühmte Tier in Schottland hoch im Kurs.

Bloß ein Schatten oder doch ein Ungeheuer? Nessie macht schon lange Furore. Foto: UPI
Bloß ein Schatten oder doch ein Ungeheuer? Nessie macht schon lange Furore. Foto: UPI

London - Ein paar Jahre lang war es verdächtig still geworden um Nessie, das altbekannte Monster von Loch Ness. Viele Schotten fragten sich schon bang, ob etwas nicht stimme mit ihrem berühmten Fabelwesen. Jetzt aber schlägt, zum Glück, das legendäre Untier wieder kräftige Wellen. Gleich viermal ist es in den vergangenen neun Monaten gesichtet worden. Die Anwohner des Sees sowie Urlauber berichten von wunderlichen Dingen, die sie beobachtet haben wollen.

Von langen Hälsen, bizarren Schatten und jeder Menge schwarzer Buckel ist die aufgeregte Rede. Ein Fährkapitän will Nessie als weiße Sonarlinie unter seinem Boot, in 23 Meter Tiefe, identifiziert haben. Leser des „Inverness Courier“ sind eingeladen, mittels einer Online-Abstimmung bis März für die überzeugendste der jüngsten Nessie-Meldungen zu stimmen. Das Wettbüro William Hill hat, in Zusammenarbeit mit der Zeitung, als Preisgeld großzügig 1000 Pfund ausgesetzt. Es lädt zugleich zu einer Wette darüber ein, dass das Naturhistorische Museum in London bis Ende dieses Jahres Nessies Existenz endlich in aller Form anerkannt haben wird. Wer zehn Pfund einsetzt, kann bei dieser Wette 1000 gewinnen – solange nur das Museum seinem Herzen einen wissenschaftlichen Stoß gibt.

Die Sonaraufnahme ist „der beste Beweis seit Jahren“

Das sollte es nun wirklich, findet jedenfalls Steve Feltham, den sie in Inverness den Nessie-Jäger nennen. Allein schon die Sonaraufnahme des Fährkapitäns zeige ja eine „massige“ Gestalt unter Wasser. Dies sei „der beste Beweis seit Jahren“ für das weitere Vorhandensein des Ungeheuers.

Feltham, der vor 20 Jahren den Job, das Haus und die Freundin im Süden Englands aufgab und sich am Loch Ness ansiedelte, um seinem geliebten Seewesen näher zu sein, ist zwar selbst nur ein einziges Mal, gleich zu Beginn seiner Zeit in Schottland, auf Nessie gestoßen. Damals habe er die Gute „wie ein Torpedo“ durch die Wellen schießen sehen, erzählt er. Bei der Gelegenheit hatte er aber seinen Fotoapparat nicht dabei. Seither trägt er ihn immer bei sich – Nessie hat er bisher aber nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Feltham ist nicht der Einzige, in dessen Universum Nessie der Fixstern ist. Fanclubs kreisen um die scheue Riesin, Internetblogger, „offizielle Nessie-Experten“ und Kryptozoologen halten, weit über Inverness hinaus, den Glauben an die Existenz des letzten Plesiosauriers der Erde am Leben. Filme und Fernsehprogramme haben Nessie zum vertrautesten Ungeheuer der Welt gemacht. Die Tourismusindustrie und schottische Werbeagenturen kommen ohne sie längst nicht mehr aus.

Eine Theorie besagt, dass Nessie die Vogelgrippe hat

Wehren müssen sich ihre Fans freilich gegen die Zweifler, die „ewig Negativen“, auch in Großbritannien. Seit vor acht Jahren ein BBC-Team den See systematisch durchkämmte und zum Schluss kam, dass es in Loch Ness „keine Spur von einem Monster“ gäbe, ist es ihnen immer schwerer gefallen, ihre geliebte Nessie erneut ans Tageslicht zu locken.

Dass das Tier gekränkt sei von all den Spekulationen, dass ihre Erscheinung letztlich nur Gasblasen aus verrottenden Baustümpfen im See zu verdanken sei, ist indes eine Theorie der Einheimischen. Eine andere ist, dass der Klimawandel ihr zugesetzt habe. Oder dass sie sich, durch weggeworfene Hühnchenstullen, irgendwann mit Vogelgrippe angesteckt habe und ihr gar nicht wohl zumute sei.

Angst um Nessie hatte immerhin vor über 70 Jahren schon die örtliche Polizei, wie sich neuerdings herausstellte. Dokumente, die das schottische Nationalarchiv inzwischen veröffentlicht hat, zitieren den Polizeipräsidenten von Inverness-shire aus dem Jahr 1938 mit einem Appell an das Schottlandministerium in London, dem Monster doch um Himmels willen staatlichen Schutz zu gewähren.

Auch ein Ufo soll über Loch Ness aufgetaucht sein

Eine Gruppe wild gewordener Jäger wolle Nessie mit Harpunen erlegen, warnte damals der Polizeichef William Fraser: „Die sind entschlossen, das Monster tot oder lebendig zu fangen.“ Es stehe ja nun „zweifelsfrei fest, dass irgendeine seltsame Kreatur sich im See befindet“, betonte Fraser. Leider habe die Polizei vor Ort zu wenig Befugnisse, um Nessie wirkungsvoll zu schützen, hieß es weiter.

Mittlerweile scheint die Sorge um Nessie weiter denn je zu reichen. Am 8. Januar dieses Jahres, berichten einschlägige Beobachter, soll ein Ufo über Loch Ness aufgetaucht und mit seinen gleißenden Lichtern nahe dem See gelandet sein. Vielleicht haben die Außerirdischen ja beschlossen, dass Nessie bei ihnen sicherer aufgehoben wäre als in Schottland. William Hill sollte sich schon einmal neue Wetten überlegen.