InterviewUngewöhnliche Fotoserie So haben Sie den Stuttgarter Weihnachtsmarkt noch nie gesehen

Von Sabrina Höbel 

Auf den Bildern des Fotografen Torsten Köster sieht der Stuttgarter Weihnachtsmarkt aus wie eine Geisterbahn. Warum er sich für diese düstere Darstellung entschieden hat und welcher Appell hinter den Bildern steckt, verrät der Stuttgarter hier.

In seiner Serie „Merry X-Mess“ zeigt Fotograf Torsten Köster den Stuttgarter Weihnachtsmarkt von einer anderen Seite. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie für weitere Fotos. Foto: Torsten Köster 10 Bilder
In seiner Serie „Merry X-Mess“ zeigt Fotograf Torsten Köster den Stuttgarter Weihnachtsmarkt von einer anderen Seite. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie für weitere Fotos. Foto: Torsten Köster

Stuttgart - Alle Jahre wieder zieht der große Weihnachtsmarkt in die Stuttgarter Innenstadt. Vorweihnachtliche Stimmung soll er verbreiten mit funkelndem Lichterschmuck und Dekoration soweit das Auge reicht. Auf den Fotos des Stuttgarter Fotografen Torsten Köster wirkt der Weihnachtmarkt allerdings eher wie ein Gruselkabinett. Das ist nicht nur optisch aufrüttelnd, sondern soll auch ein Weckruf für die Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarkts sein.

Herr Köster, auf den meisten Fotos wird der Stuttgarter Weihnachtsmarkt als ein bunter, fröhlicher Ort gezeigt. Warum haben Sie sich in Ihrer Reihe „Merry X-Mess“ gegen solch eine Darstellung entschieden?

Es gibt schon so viele romantische Fotos vom Weihnachtsmarkt. Ich wollte einen Kontrast dazu herstellen, abseits der Besinnlichkeit. Für mich ist der Weihnachtsmarkt inzwischen genauso eventisiert wie das Weindorf oder der Cannstatter Wasen. Alles wird immer mehr zur Party. Vor allem, wenn ich sehe, dass die Leute sich dort einen Glühwein nach dem anderen genehmigen. Das erinnert schon fast an die Besucher, die auf dem Wasen aus den Bierzelten wanken. Meine Bilder wirken teilweise wie aus der Geisterbahn und verdeutlichen, wie absurd das ganze Treiben eigentlich ist.

Welche Techniken haben Sie benutzt um diesen Look zu erreichen?

Ich habe entfesselt geblitzt, das heißt, die Kamera in der einen und den Blitz in der anderen Hand. So konnte ich von verschiedenen Seiten aus blitzen. Dadurch entstehen besondere Lichtsituationen, mit abstrakten Motiven und viel Kontrast. Das ist dann ein völlig anderes Bild der Szenerie als wenn man einfach so durch die Gassen läuft.

Haben die Leute sich nicht beschwert, als sie angeblitzt wurden?

Zunächst einmal fiel es mir nicht so leicht, mitten in der Menge umher zu blitzen. Aber nach ein paar Glühwein ging’s. Die Leute haben anfangs tatsächlich gar nicht reagiert. In solchen Menschenmassen wirkt auffälliges Verhalten wohl eher unauffällig. Nach mehreren Runden habe ich dann aber schon das eine oder andere Murren gehört.

Gehen Sie trotzdem privat gerne mal auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt?

Nein, eigentlich nicht. Ich schlendere schon mal drüber um zu fotografieren oder einen Glühwein zu trinken. Aber ich fühle mich auf dem Weihnachtsmarkt nicht wirklich wohl. Ich bin nämlich gar kein Freund von solchen Menschenmassen, obwohl ich Streetfotograf bin.

Torsten Köster fotografiert seit seiner Kindheit. Später machte er eine Ausbildung zum Fotolaboranten, ist heute allerdings in der IT tätig. Seit 2000 ist er als Streetfotograf vor allem in Stuttgart unterwegs. Seine Fotos waren bereits ein einigen Ausstellungen sowie in einem Bildband zu sehen. Hier geht es zu Torsten Kösters Website.

Sonderthemen