Ungewöhnliche Messe in Ostfildern Kleiner Flugsaurier für 45.000 Euro: So war es auf der Fossilien-Börse

, aktualisiert am 13.04.2026 - 16:15 Uhr
Der Händler Christoph Leins präsentiert ein sehr seltenes Exponat: Das Skelett eines kleinen Langschwanzflugsauriers – die Seltenheit hat ihren Preis. Foto: Elke Hauptmann

Ein so ungewöhnliches wie spannendes Erlebnis: Am Wochenende fand in Ostfildern (Kreis Esslingen) eine der größten europäischen Fachbörsen für Fossilien statt.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Tisch an Tisch reihen sich gut 100 Aussteller bei der Fossilienbörse im Ostfilderner Kubino aneinander – die reise in die Urzeit beginnt. Was die Experten dort voller Stolz präsentieren, sind auch für die überwiegend fachkundigen Besucher mehr als nur hübsche, versteinerte Überreste von Pflanzen und Tieren.

 

„Fossilien sind deshalb so faszinierend, weil sie Zeugen eines Lebens vor Hunderten Millionen Jahren sind und uns viel darüber verraten, wie sich die Evolution auf unserem Planeten vollzogen hat“, sagt Veranstalter Heiko Sonntag. Seit vielen Jahren schon organisiert der Hobbypaläontologe aus Mecklenburg-Vorpommern im schwäbischen Ostfildern-Nellingen „eine der größten europäischen Fachbörsen, die sich ausschließlich Fossilien widmet“.

Mit dabei in Ostfildern: Eine Fossilien-Ikone

Die Händler bieten Trilobiten mit ihren filigranen Segmenten, schneckenförmige Ammoniten und seltene Funde von Dinosaurierskeletten an. Einer von ihnen ist Christoph Leins aus Tübingen, der eine „Fossilien-Ikone“ mitgebracht hat. „Das ist ein Rhamphorhynchoidea, ein Langschwanzflugsaurier“, sagt Leins und zeigt auf ein kleines, versteinertes Skelett, eingebettet in Solnhofener Plattenkalk. Der Ort im Altmühltal ist als weltweit bedeutende Fundstelle für Fossilien aus der Zeit des Oberen Jura bekannt.

Der Rhamphorhynchus lebte vor mehr als 150 Millionen Jahren und war vermutlich der „Seevogel“ dieser Zeit. Als hoch spezialisierter Jäger beherrschte er den Luftraum über den jurassischen Lagunen. Der flinke Flieger fischte mit seinem markanten Schädel und den spitzen Zähnen seine Beute aus dem Wasser.

Der kleine Flugsaurier mit lückenloser Provenienz kostet 45 000 Euro

Der Diplom-Geologe bietet den spektakulären Flugsaurier einer kleinwüchsigen Art mit lückenlosem Herkunftsnachweis im Kundenauftrag zum Kauf an – für stolze 45 000 Euro. Aus Sicht eines Laien mag das viel Geld sein für ein gerade mal 20 Zentimeter großes Fossil. Leins aber ist davon überzeugt, dass sich ein Interessent dafür begeistern wird. „Es gibt Sammler, die bereit sind, für seltene, gut erhaltene und wissenschaftlich bedeutsame Stücke einen entsprechenden Preis zu bezahlen.“

Fossilienbegeisterte stöbern in den Kisten nach fossilen Urzeit-Schätzen. Foto: Elke Hauptmann

Natürlich gibt es auch preiswerte Urzeit-Schätze. Kleine Brachiopoden sind schon ab zwei Euro erhältlich, Dinosaurierzähne ab fünf Euro. Je größer das Exemplar, um so teurer ist es. Für einen faustgroßen, versteinerten Seeigel etwa haben Julijka und Jan 100 Euro bezahlt. Nein, sie seien keine Fossiliensammler, räumen die beiden Stuttgarter ein. „Wir haben einfach nur ein besonderes Deko-Stück für unser Wohnzimmer gesucht.“

Paläontologie ist heute wichtiger denn je

Es gehe hier nicht nur ums Geld, betont Heiko Sonntag. „Das ist mehr als eine reine Verkaufsveranstaltung.“ Die Fossilienbörse sei „ein Treffpunkt für Hobby- und Berufspaläontologen, ein Ort des Austausches für Fossilienfreunde“. Günter Schweigert vom Förderverein des Stuttgarter Naturkundemuseums kann das nur bestätigen. „Wir machen hier keine Geschäfte.“ Er und seine Mitstreiter seien vor Ort, weil sie gern mit Interessierten über ihr Lieblingsthema reden. „Wir bieten qualifizierte Fachberatung sowie Hilfe bei der Fossilien-Bestimmung an“, sagt Schweigert.

Auch die Paläontologische Gesellschaft ist mit einem Infostand vertreten. Aus gutem Grund: Wie Joachim Haug vom Vorstand des Vereins hervorhebt, sei es „wichtiger denn je“, das Thema einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln – „gerade jetzt, wo um uns herum die Biodiversität zerstört wird“. Die Paläontologie, die Wissenschaft des vergangenen Lebens, sei mit den Fakten und Mechanismen von Artensterben vertraut. Die Erforschung uralter Fossilien gewinne so wieder aktuelle Bedeutung.

Fossilien faszinieren aufgrund ihrer großen Vielfalt Berufs- und Hobbypaläontologen. Foto: Elke Hauptmann

Angefangen hat alles mit kindlicher Faszination

Der Vermittlung von Neuigkeiten aus dem Fachgebiet hat sich auch Sönke Simonsen verschrieben. Der Hobbypaläontologe gibt die Zeitschrift „Der Steinkern“ heraus und betreibt die gleichnamige Webseite. Bei ihm habe es angefangen, wie bei vielen anderen Kindern, erzählt er lachend. Als er sieben Jahre alt war, habe er in einem Steinbruch bei Bielefeld Bruchstücke von Ammoniten gefunden. Die Faszination, etwas entdeckt zu haben, das vor ihm noch kein Mensch gesehen hat, habe ihn seither nicht mehr losgelassen.

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