Landtagswahl Baden-Württemberg Dieser Politiker macht Wahlkampf im Gameboy-Stil

Siegfried Lorek – hier als Pixel-Version. Foto: Screenshot/lorek4landtag.de 10 Bilder
Siegfried Lorek – hier als Pixel-Version. Foto: Screenshot/lorek4landtag.de

Plakate, Flyer und Online-Diskussionen – so sieht der Landtagswahlkampf 2021 fast bei allen Kandidaten aus. Siegfried Lorek (CDU) wirbt zudem mit einem Handyspiel. Wir haben es getestet und waren erstaunt.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Waiblingen - Sigi atmet tief durch, der Lauf seines Lebens steht ihm bevor. Dann sprintet er los, springt über einen im Weg stehenden Leitkegel, schwingt sich auf sein Lastenrad und tritt in die Pedale. Selbst auf dem Gefährt vermag er in die Luft zu hüpfen, denn auf den Straßen Waiblingens wimmelt es nur so vor Hindernissen. Und ganz nebenbei muss der Landtagskandidat Wahlzettel einsammeln.

Der Kandidat, der auf diese Weise auf Stimmenfang geht, besteht nur aus Pixeln. Siegfried Lorek, 43 Jahre alt und seit 2016 Abgeordneter der CDU im baden-württembergischen Landtag, hat für seinen aktuellen Wahlkampf ein Handy- und Computerspiel programmieren lassen. Besonders bei Erstwählern soll das Jump-and-Run-Spiel ihm Punkte bescheren beziehungsweise sie auf seine Webseite locken, damit sie das Programm des Politikers durchlesen können.

Sigi Go – Wahlkampf im Stil eines Game-Boy-Spiels

Doch es ist gut möglich, dass das Spielchen viel eher den ein wenig Älteren gefällt. Denn die Generation der Erstwähler dürfte mit der Gameboy-Color-Optik kaum noch Emotionen verbinden. Zur Erinnerung: Die Geräte, mit denen Spieler einst Helden wie Super-Mario, die Schlümpfe oder die Pokémon durch verpixelte Abenteuer schicken konnten, kamen 1998 auf den Markt. Zu jener Zeit waren die Erstwähler von 2021 erst in Planung – wenn überhaupt.

Lesen Sie hier: So soll der Corona-Wahlkampf funktionieren

Wer auf Daddeleien im Retro-Stil steht, kann mit dem Pixel-Sigi wirklich Spaß haben. Insgesamt acht Levels muss man absolvieren, jedes davon besticht durch seine Details. Markante Gebäude wie Bahnhöfe, Kirchen und Rathäuser der jeweiligen Orte sind eingebaut. Die Hintergrundmusik ist die Württemberg-Hymne „Der reichste Fürst“ – im zum Spiel passenden Dudel-Sound, klar.

Der Wahlkreis ist in acht Level aufgeteilt

In Fellbach hüpft Sigi an den Ablufttürmen des Stadttunnels vorbei. Im Hintergrund erhebt sich die Bauruine des Schwabenlandtowers, um den sogar die stadtbekannten Wanderfalken kreisen. Und in Waiblingen muss der Kandidat einem schwarzhaarigen, wütend gestikulierenden Männchen ausweichen – eine Ähnlichkeit mit Alfonso Fazio, Mitbewerber und streitbarer Waiblinger Stadtrat, kommt nicht von ungefähr.

Auch dass die Hindernisse, die es zu überhüpfen gilt, (Leitkegel, Vögelchen, Bananenschalen und Kothaufen) die Farben SPD-Rot, Bündnis-90-Grün, FDP-Gelb und, nun ja, Braun tragen, ist wohl kein Zufall. Angreifen ist allerdings tabu: Bei „Sigi Go“ bleibt es auch politischen Gegnern gegenüber friedlich.

Spiel für Android, iPhone und den PC

Das Spiel ist auf Smartphone, per Browser oder auf dem PC spielbar. Verantwortlich für das Programmieren war Tobias Schneider aus Schwaikheim – der 43-Jährige ist nicht nur begabt im Programmieren, sondern sitzt auch für die CDU im Gemeinderat und ist Mitglied von Siegfried Loreks Wahlkampfteam. „Das Spiel habe ich zum Großteil abends während des Lockdowns programmiert“, sagt er.

Ob das Spiel wirklich wie geplant Wählerstimmen gewinnt, wird sich zeigen. Zumindest Aufmerksamkeit ist Lorek mit der ungewöhnlichen Aktion gewiss. Allein auf das Game will er sich allerdings nicht verlassen – wie all seine Mitbewerber gibt es von ihm auch Plakate, Flyer und Online-Veranstaltungen. So wie am Dienstag, wenn Lorek um 19 Uhr mit dem Innenminister Thomas Strobl über „Sicherheit und Kommunales“ diskutiert.




Unsere Empfehlung für Sie