Ungewöhnlicher Streit in Filderstadt Baum soll Risse in Haus verursacht haben

Zweige einer Atlas-Zeder: Ein solches Gewächs steht im Zentrum eines Nachbarschaftsstreits in Filderstadt-Plattenhardt. Foto: ldelfoto/Stock Adobe

Ein nicht alltäglicher Streit in Filderstadt beschäftigt die Gerichte. Es geht um Risse in einem Haus und die Frage, wer haftet. Eine Seite sagt: Der Baum der Nachbarin sei schuld. Laut dem Anwalt sei der Zwist für beide Parteien „existenzbedrohend“.

Plattenhardt - Ursula Pfeffer wirkt aufgewühlt. Mit fahrigen Bewegungen streift sich die 81-Jährige immer wieder durchs Haar. Ihre Hände kneten unaufhörlich. „Denken Sie mal“, sagt sie immer wieder. Die Seniorin lebt in einem Reiheneckhaus in Filderstadt-Plattenhardt, und dort hängt seit geraumer Zeit der Haussegen schief. Grund ist ein Nachbarschaftsstreit mit den Bewohnern nebenan.

 

Im Mittelpunkt der laut der Rentnerin seit 2015 schwelenden Auseinandersetzung steht ein Baum. Beziehungsweise: stand. Die Atlas-Zeder, ein kapitales Kieferngewächs im Pfeffer’schen Garten, ist vor einigen Jahren nach einem gerichtlichen Vergleich gefällt worden und mit ihr andere Bäume auf dem kleinen Grundstück.

Massive Risse innen und außen am Haus?

Der große Baum, den Ursula Pfeffer und ihr mittlerweile verstorbener Mann vor Jahrzehnten gepflanzt haben, soll dem Boden derart viel Wasser entzogen haben, dass sich das Reihenhaus unmittelbar daneben gesetzt habe. Dabei seien innen und außen an dem Haus massive Risse entstanden. Ein unabhängiger Sachverständiger hat diese Sicht der Dinge bestätigt.

Die betagte Witwe wiederum will das nicht glauben. „Bei mir sind keine Senkungen und Risse“, stellt sie klar, auch der Gehweg nahe der Atlas-Zeder, die heute nur noch ein Stumpf ist, sei intakt. Was auf Ursula Pfeffers Terrasse lediglich für den Laien erkennbar ist, sind Hebungen in den Bodenplatten. Die seien aber schon immer da gewesen, sagt sie. Vielmehr vermutet sie, dass andere Dinge zur Misere geführt haben. So will sie von Umbauarbeiten im Reihenhaus des Nachbars wissen, auch von Wasserrohrbrüchen spricht sie. Ursula Pfeffer hat ihrerseits ein Gutachten anfertigen lassen. Laut ihrem Anwalt Christoph Wüterich werden darin andere Ursachen für die Schäden in Betracht gezogen.

55 000 Euro an Anwalts- und Gutachterkosten

Der Rechtsstreit hat Ursula Pfeffer nach eigenen Angaben bereits 55 000 Euro an Anwalts- und Gutachterkosten beschert. Mehrere Gerichtsverhandlungen hat sie schon bestritten. Der Aktenstapel, der von dem skurrilen Zwist erzählt, ist heute zwölf Zentimeter dick. „Meine Altersvorsorge ist schon aufgebraucht“, sagt sie. Nun aber könnte es noch deutlich teurer für die Seniorin werden. Die Nachbarn fordern Schadensersatz. Mehr als 100 000 Euro stehen im Raum. „Denken Sie mal“, sagt sie wieder. Wo solle sie so viel Geld herbringen? „Ich muss mein Haus verkaufen“, sagt sie. Das Verhältnis mit den Leuten nebenan scheint längst zerrüttet zu sein. Dabei habe man ehemals gut miteinander gelebt. „Da hat’s Pralinen und Sekt gegeben“, sagt die Seniorin.

Der klagende Nachbar, ein höflicher Mann mittleren Alters, möchte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zur Sache äußern. Er verweist aufs laufende Verfahren. Wenige Meter neben seiner Haustür, genau dort, wo das dritte Haus in der Reihe beginnt, ist vom Boden bis zum Dach ein deutlicher vertikaler Riss zu sehen. Wer für eine mögliche Sanierung aufkommt, das muss in Kürze das Landgericht Stuttgart entscheiden. Am 31. Mai werden sich die Parteien erneut gegenüberstehen.

Der Jurist Christoph Wüterich stellt klar, dass für beide Seiten viel auf dem Spiel steht. „Das ist alles ziemlich existenzbedrohend“, sagt er. Er will bei dem Termin nochmals den Gerichtsgutachter hören, auch zieht er in Zweifel, ob seine Mandantin überhaupt für den Schaden, sollte der Baum ihn tatsächlich verursacht haben, haftbar gemacht werden kann. „Wo endet die Haftung, und wo beginnt das Pech?“, sagt er. Eine Entscheidung des Gerichts erwartet der Anwalt für den 31. Mai noch nicht.

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