Ungewollte Schädlinge Wie erkennt und bekämpft man Bettwanzen?
Bettwanzen sind nicht nur unangenehm, ihre Bisse rufen auch einen starken Juckreiz hervor. Wie kann man sich vor den Schädlingen schützen? Und wie beugt man den Wanzen vor?
Bettwanzen sind nicht nur unangenehm, ihre Bisse rufen auch einen starken Juckreiz hervor. Wie kann man sich vor den Schädlingen schützen? Und wie beugt man den Wanzen vor?
In Paris, von woher entsprechende Videos viral gingen, verbreiten sie Ekel – und auch anderswo möchte man sie nicht haben: Bettwanzen. Die Parasiten sind nur etwa einen halben Zentimeter groß und verbreiten sich überall dort, wo viele Menschen sind. Das können Hotels sein, Hostels und Airbnbs. Wanzen nisten sich unbemerkt in unserer Kleidung ein und werden im Gepäck in die eigene Wohnung überführt. Bemerkbar machen sie sich einige Wochen später, wenn ihre Bisse Hautreaktionen mit starkem Juckreiz auslösen.
Bettwanzen zu erkennen ist gar nicht so einfach. Die Spuren auf der Haut sehen nämlich aus wie jeder andere Insektenbiss. „Man kann sie den Wanzen also nicht direkt zuordnen, zumal nicht jeder gleichermaßen häufig gebissen wird“, sagt Kai Scheffler, der einen Schädlingsbekämpfungsbetrieb in Paderborn leitet. Außerdem sind die Wanzen äußerst lichtscheu. Tagsüber verstecken sie sich unter der Matratze, im Bettkasten oder hinter Möbeln und in Löchern in der Wand. „Man erkennt die Wanzen vor allem an ihren Kotspuren“, sagt Scheffler. „Sie sehen aus wie kleine schwarze Flecken.“
Gesundheitsschädlich sind Bettwanzen nicht. Zwar sind ihre Bisse lästig und können sich leicht entzünden, aber der Speichel der Wanzen enthält keine gefährlichen Erreger. „Entzündungen entstehen erst beim Kratzen“, sagt der Parasitologe Heinz Mehlhorn. „Wenn es zu sehr juckt, sollte man statt mit den Fingern mit einem feuchten Waschlappen über die Stellen fahren“, sagt der Forscher der Universität Düsseldorf. Manche Menschen reagieren allergisch auf die Bisse. Dann kann es sinnvoll sein, einen Arzt aufzusuchen, der die Stellen mit Kortison behandelt.
Da sich die Wanzen vor allem in Hotels und Urlaubsunterkünften verbreiten, sollte man das Zimmer nach den Kotresten der Wanzen inspizieren. Auch sollte man darauf achten, dass die Wanzen nicht in die Kleidung gelangen. „Wenn es möglich ist, sollte man seinen Koffer auf einen Gepäckständer stellen“, sagt Schmolz. Die Wanzen können nicht gut an den glatten Metallbeinen der Ständer hochklettern. Neben dem Bett und an der Wand sollte das Gepäck hingegen nicht stehen.
Das sagt auch Kai Scheffler. Wieder daheim sei es ratsam, den Koffer neben der Waschmaschine auszuräumen, nicht auf dem Bett. Und am besten alle Klamotten waschen, nicht nur die, die man getragen hat. „Bei 60 Grad ist die Wäsche auf jeden Fall frei von den Wanzen“, sagt Scheffler. Reines Auslüften der Kleidung reiche nicht. Die Wanzen überleben etwa ein halbes Jahr.
Wer den Verdacht hat, dass die Wohnung von den Parasiten befallen ist, sollte sich unbedingt an einen Experten wenden. „Man bekommt die Bettwanzen nicht von alleine wieder los“, sagt Erik Schmolz vom Umweltbundesamt in Berlin. „Zuerst muss man die Wohnung durchsuchen, um die Verstecke der Wanzen zu finden“, sagt Kai Scheffler. Erst dann entfernen professionelle Schädlingsbekämpfer die Wanzen – entweder mit Hitze, mit Dampf oder, wenn es sein muss, mit Pestiziden.
In Deutschland ist, anders als Frankreich, die Zahl der Wanzen in der letzten Zeit aber nicht sprunghaft angestiegen. Die Parasiten vermehren sich laut Erik Schmolz zwar, aber vermutlich eher langsam und kontinuierlich. Diese Entwicklung sei auch weltweit zu beobachten. Kai Scheffler sieht keinen Grund zur Panik. Die wenigsten Kunden seiner Schädlingsbekämpfungsfirma sind Privatpersonen. „Wenn man nicht auf Reisen war, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung gering.“ Und wer viel in Frankreich unterwegs sei, könne das Risiko durch die Schutzmaßnahmen deutlich senken.
Kurz erklärt
Erik Schmolz vom Umweltbundesamt in Berlin erklärt die stärkere Verbreitung der Bettwanzen damit, dass die Menschen mehr und günstiger reisen und auch online mehr mit gebrauchten Gegenständen handeln. Zusätzlich dazu würden sich die Wanzen teilweise an die Pestizide anpassen, die zu ihrer Bekämpfung verwendet werden so Schmolz. Kai Scheffler, der einen Schädlingsbekämpfungsbetrieb leitet, nennt noch eine weitere, eigentlich erstrebenswerte Ursache: Er sagt, es würden immer mehr giftige Stoffe verboten. Dadurch könnten mehr Schädlinge überleben, so der Paderborner.