Unglück im Tunnel DRK-Kräfte sind für Katastropheneinsatz gut gerüstet
In Leonberg wurde einen Tag lang für den Ernstfall geübt. Mehr als 140 Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis waren im Einsatz.
In Leonberg wurde einen Tag lang für den Ernstfall geübt. Mehr als 140 Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis waren im Einsatz.
Sowohl der Böblinger Kreisbrandmeister Martin Amler als auch der DRK-Kreisbereitschaftsleiter Sascha Gössel waren am Ende der jüngsten Großübung der vier Katastrophenschutzeinheiten „Sanität und Betreuung“ in Leonberg voll des Lobes: „Ich bin sehr beeindruckt davon, was wir hier im Landkreis leisten“, fasste Gössel seinen Eindruck vom Übungstag in aller Kürze zusammen. Und Amler attestierte: „Das, was ich hier gesehen habe, war große Klasse.“
Bei der Katastrophenschutzübung, an der mehr als 130 Einsatzkräfte sowie drei Dutzend Mimen der DRK-Notfalldarstellung beteiligt gewesen sind, war am Samstag beim Kreisberufsschulzentrum in Leonberg ein Großeinsatz nachgestellt worden, bei dem zahlreiche verletzte Personen betreut, behandelt und anschließend zur weiteren Behandlung in die Kliniken gebracht werden mussten. So zumindest die Übungsannahme. Dabei ging es primär darum, die notfallmedizinische Erstversorgung der Opfer zu üben – von der Sichtung der Verletzungen über deren Einteilung in Patientengruppen nach Verletzungsschwere bis hin zur Organisation des Patiententransports in umliegende Kliniken zur Weiterbehandlung.
Um den DRK-Kräften ein möglichst realitätsnahes Szenario zu bieten, hatten Annette und Rainer Kreh vom Jugendrotkreuz des DRK-Kreisverbands Böblingen mit mehr als 30 geschminkten Mimen des Bereichs Notfalldarstellung die Katastrophenopfer so vorbereitet, dass die Einsatzkräfte mit einer Vielzahl von Verletzungen konfrontiert waren. Diese reichten von blutenden Schnitt- und Schürfwunden über Brüche und Prellungen bis hin zu Verbrennungen.
Angenommen hatte man ein größeres Unglück in einem Tunnel. An zwei Behandlungsplätzen wurden die Opfer, die sich laut Übungsannahme häufig Mehrfachverletzungen zugezogen hatten, von den DRK-Einsatzkräften erst gesichtet, dann nach der Schwere der Verletzungen bestimmen Behandlungsbereichen zugeteilt. Dort wurden sie schließlich notfallmedizinisch versorgt – von der Puls- und Blutdruckmessung bis hin zur Kreislaufstabilisierung.
Dafür hatten die vier Einsatzeinheiten einerseits einen stationären Behandlungsplatz mit Zelten errichtet, andererseits auch einen mobilen Behandlungsplatz direkt an der Straße geschaffen: „Ein solcher ist im Ernstfall viel schneller verfügbar“, erklärt Bertram Schier. Der Zugführer der ersten Einsatzeinheit „Sanität und Betreuung“ im Landkreis Böblingen hatte die Übung geplant, maßgeblich vorbereitet und als Übungsleiter begleitet. Dabei stand er den Zugführern als Ansprechpartner zur Verfügung und beobachtete das Geschehen.
„Wir hatten vor Corona im Jahr 2019 die letzte große Übung in einer solchen Dimension“, sagt Bertram Schier. In kleineren Einheiten sei zwar immer wieder für den Ernstfall geübt worden, „am Schluss müssen aber ja auch die vier Einheiten miteinander arbeiten können“, so Schier zum Hintergrund der Übung. Dass ausschließlich DRK-Ehrenamtliche beteiligt gewesen sind, habe den Hintergrund, dass man die Abläufe in den Einsatzgruppen optimieren wollte. Und sowieso seien „99 Prozent aller ehrenamtlichen Kräfte der ‚weißen Seite’ im Kreis Böblingen“ beim DRK organisiert.
Der Übungstag forderte die Mitstreiter dabei in doppelter Hinsicht: Während am Morgen zunächst ein Probelauf ohne Patienten stattfand, galt es am Nachmittag den Ernstfall möglichst nah an der Realität zu proben – von der Anfahrt der mehr als 30 Einsatzfahrzeuge über den Aufbau der Behandlungsplätze mit aufblasbaren Zelten bis hin zur Wundversorgung.
Der mobile Behandlungsplatz sei bereits nach wenigen Minuten bereit gewesen, sagte Schier zufrieden. Auch der mit Zelten organisierte Bereich habe am Nachmittag schneller als am Morgen bereitgestanden. Nur knapp mehr als eine halbe Stunde hätten die Einsatzkräfte für den Aufbau benötigt.
Auch für Max Beck von der Einsatzeinheit aus dem Bereich Herrenberg hat alles „sehr gut funktioniert“. „Ich habe die Übung sehr positiv erlebt“, so Beck, der sich mit seiner Gruppe zum Abschluss des teils schweißtreibenden Übungstages zur Belohnung noch am Standort Herrenberg ein Eis gönnte.
„Wir hatten vor Corona im Jahr 2019 die letzte große Übung in einer solchen Dimension.“
Bertram Schier, Zugführer einer Einsatzeinheit
Auch Kreisbrandmeister Martin Amler betonte: Selbst wenn es an der einen oder anderen Stelle noch Verbesserungsbedarf in den Abläufen gebe, so habe die Katastrophenschutzübung doch eindrucksvoll gezeigt, dass die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des DRK auf alle Eventualitäten vorbereitet seien. Ammler war nach eigenen Worten nur als Beobachter vor Ort, „um zu sehen und zu lernen, was ihr könnt und was wir im Kreis können“, so der Kreisbrandmeister.
Dass er die Einsatzkräfte während der Übung mitunter „vielleicht mit seltsamen Fragen“ konfrontiert habe, sei dem Umstand geschuldet gewesen, „dass ich vieles im Detail nicht gewusst habe.“ Er selbst habe somit Wissenslücken geschlossen. Aber auch, dass die eine oder andere Lücke im Ablauf des groß angelegten Notfalleinsatzes im aktiven Tun entdeckt worden sei, dafür sei er dankbar. Diese Lücken könnten nun Stück um Stück geschlossen werden. Und mit Blick auf das Gesamtgeschehen habe „alles sehr gut funktioniert“, so Amler.