Uni Hohenheim Das erwartet die Studenten zu Coronazeiten im Wintersemester

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Was erwartet Studierende der Uni Hohenheim zu Coronazeiten im Wintersemester? Klarheit soll ein vom Senat beschlossenes Eckpunktepapier bringen. Es sieht neben einer Ausweitung der Vorlesungszeiten eine Weiterführung der digitalen Lehre vor – aber auch Praktika, Seminare und Laborarbeit im Livebetrieb.

Ins Schloss der Uni Hohenheim kommt man in Coronazeiten  nur noch mit Voranmeldung. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Ins Schloss der Uni Hohenheim kommt man in Coronazeiten nur noch mit Voranmeldung. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Das Sommersemester geht, doch Corona bleibt. Was erwartet Studierende der Uni Hohenheim im Wintersemester? Klarheit soll ein vom Unisenat einstimmig beschlossenes Eckpunktepapier bringen. Es sieht neben einer Ausweitung der Vorlesungszeiten eine Weiterführung der digitalen Lehre vor – aber auch Praktika, Seminare und Laborarbeit im Livebetrieb. Bei einer Pressekonferenz erläuterten Rektor Stephan Dabbert und weitere Senatsmitglieder die Hintergründe.

Hygiene hat Vorfahrt

Eine Lockerung der Coronamaßnahmen wie bei Kitas und Schulen hält Dabbert an der Uni nicht für möglich. Noch immer ist der Campus nahezu verwaist, die Mensa geschlossen, Vorlesungen finden digital statt. Aus gutem Grund, wie der Rektor erklärt. „Denn wir haben keine festen Kohorten, sondern eine Durchmischung von Hunderten, in den Hörsälen, Bibliotheken, an Haltestellen. Unsere Leute haben ein weites Einzugsgebiet – viele fahren am Wochenende nach Hause.“ Normalerweise. Doch bei einem regulären Unibetrieb wie in Zeiten vor Corona wäre es unmöglich, Abstände einzuhalten und Infektionsketten zu verfolgen. Wie also soll es im Wintersemester weitergehen? „Es wird eine Kombination sein von Präsenzveranstaltungen und Online-Angeboten“, sagt Korinna Huber, Prorektorin für Lehre. „Am Campus werden wir versuchen, in Kleingruppen so weit wie möglich das forschende Lernen, die Diskussionskultur und die Erkenntnissuche voranzutreiben, aber auch Vorlesungen zum Kennenlernen des klassischen Universitätslehrstils durchführen.“

Einführungswoche für Anfänger

Ganz klar Vorrang haben sollen die Erstsemester. Für sie wolle man möglichst viele Präsenzformate schaffen. Wie sonst sollen sie ihre Kommilitonen und Profs kennenlernen? Sich zu Lerngruppen zusammenfinden? Auch deshalb wird es weiterhin für die Studienanfänger eine Einführungswoche geben. Sie beginnt am 26. Oktober, rechtzeitig vor dem Start des ebenfalls nach hinten verschobenen Wintersemesters am 2. November. Der Rektor will die Neuen per Videokonferenz begrüßen, persönlich kennenlernen dürfen sie einander aber auf dem Campus – natürlich nur in Kleingruppen. Das Forschungsschnuppern werde wohl ausfallen. Ziel sei aber, dass Studierende bis zu 25 Prozent der sonst üblichen Zeit im persönlichen Austausch vor Ort verbringen, betont Dabbert. Denn Studieren habe auch eine soziale Dimension.

Präsenz zeigen bei Praktika

„In vielen Studiengängen sind Praktika verpflichtend, die müssen wir anbieten“, sagt Korinna Huber. Ebenso Laborarbeiten. Aber auch Seminare wolle man im Präsenzformat veranstalten, soweit dies personell und räumlich möglich sei. „Unsere Raumkapazitäten sind sehr beschränkt.“ Hinzu komme, dass die Vorlesungszeiten durch Hygienemaßnahmen wie Tische desinfizieren beschnitten würden. Auch deshalb hat der Senat beschlossen, die Vorlesungszeiten auf einen Zeitraum von 7 bis 21 Uhr an sechs Tagen – einschließlich Samstag – auszuweiten. Notwendig sei das auch, um mehr Spielraum für die Prüfungen zu haben. „Wir denken auch über andere Prüfungsformate nach, zum Beispiel elektronische Hausarbeiten“, so Huber.

Doppelbelastung für Lehrende

„Wir merken, dass die Lehrenden am Ende ihrer Kräfte sind“, berichtet die Prorektorin. „Aber da kommen wir nicht raus.“ Denn im Wintersemester wolle man doppelt fahren und ein flexibles Studium anbieten, das auch internationale Studierende und Risikogruppen berücksichtige und selbst bei einer Verschlechterung der Infektionslage verlässlich durchführbar sei – auch durch asynchron verfügbare digitale Lehrangebote. Sie selber zum Beispiel halte eine Erstsemestervorlesung über Nutztiere, die sie elektronisch aufbereitet habe, gleichzeitig werde sie aber auch Präsenzformate für Gruppen von 20, 40 oder 50 Studierende durchführen, sagt die Tierwissenschaftlerin. Ihre Lehre für die Fünftsemester werde sie vorwiegend online anbieten. Im Wintersemester solle ein verbindlicher Stundenplan erstellt werden, der für die Lehrveranstaltungen angibt, ob sie nur online, nur in Präsenz oder online und in Präsenz angeboten werden.

Studierende wollen Planungssicherheit

„Das Sommersemester war schwierig“, sagt Tobias Burk von der Fachschaft Wirtschaftswissenschaften und studentisches Mitglied im Senat. „Es war geprägt durch unglaubliche Unsicherheit, keiner wusste genau, wie es weitergeht, wann und wie Klausuren laufen.“ Technisch sei die Lehre jedoch erstaunlich problemlos und ohne Crashs vonstatten gegangen, lobt Burk. Auch wenn die Bereitschaft der Dozenten für neue, digitale Lehrformate unterschiedlich groß sei. Dass die Studierenden in die Planungen fürs Wintersemester gut eingebunden sind, begrüßt Burk. Die gelte besonders für die Terminierung der Prüfungen. Von einer Forderung nach einer „Freischussregelung“, wie ihn die Studierenden der Uni Stuttgart verlangen, um mögliche Benachteiligungen durch Corona auszugleichen, auch per Petition, ist in Hohenheim bisher allerdings nicht die Rede.

Corona kostet Geld

Die Uni habe viel Geld in die digitale Lehre investiert. „Wir haben die Technik verstärkt und Videokonferenzsysteme und Server gekauft“, sagt Dabbert. Für mehr Kleinveranstaltungen brauche man auch mehr Personal, nicht nur zum Tische abwischen, auch zur Betreuung. Dafür habe man wissenschaftliche Hilfskräfte eingespannt. Und Messehallen gemietet, um Prüfungen zu machen und Doktoranden zur Aufsicht herangezogen. „Wir werden Investitionen verschieben müssen“, so Dabbert. „Wir gehen aber davon aus, dass das Land den Hochschulen Geld zur Digitalisierung bereitstellen wird.“

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