Uni Hohenheim feiert Otto-Rettenmaier-Audimax Schluss mit Vorlesungen auf der Treppe

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Mit einem Festakt hat die Uni Hohenheim ihren nagelneuen Hörsaal eröffnet. Der dringend benötigte Raum bietet nicht nur 660 Plätze und neueste Technik, sondern begeisterte die Festgäste auch durch seine Eleganz und Funktionalität.

Die Uni Hohenheim hat ihr neues Audimax eröffnet. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Uni Hohenheim hat ihr neues Audimax eröffnet. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - „Braucht man heute noch einen großen Hörsaal?“ Diese Frage meinte der Hohenheimer Unirektor Stephan Dabbert im Zeitalter der Digitalisierung keineswegs nur rhetorisch. Und er beantwortete sie selber mit einem klaren Ja. Am Freitag konnte die Uni die Eröffnung ihres nagelneuen und lange herbeigesehnten Hörsaals feiern: dem nach ihrem Mäzen benannten Otto-Rettenmaier-Audimax.

Seit Jahren hatte die Uni, die in wenigen Jahren von 5000 auf knapp 10 000 Studierende angewachsen ist, dafür gekämpft. Sogar ein Interimszelt sei zeitweise als Hörsaalersatz im Gespräch gewesen, berichtete Sybille Müller, die Leiterin des Unibauamts. Doch nun sei, wie Finanzstaatssekretärin Gisela Splett feststellte, „ein wirklich elegantes Gebäude“ entstanden, mit 660 Plätzen, mitten auf dem Campus, mit Fenstern, die vom Hörsaal den direkten Blick in die gegenüber liegende Mensa erlauben – und mit neuester Medientechnik. So eigne sich der Saal mitsamt Dolmetscherkabine nicht nur für Vorlesungen, sondern auch für Fachkongresse oder Konzerte. Bei Bedarf kann er auch durch eine mobile Trennwand zweigeteilt werden.

Splett lobte das nachhaltige Flächenmanagement, denn der innen wie außen geschwungene Hörsaal sei nicht nur behutsam in die Topografie eingefügt, sondern mit seiner Fotovoltaik-Anlage, der hocheffizienten Wärmerückgewinnung und der LED-Beleuchtung auch „eine innovative Visitenkarte im Zentrum des Campus“.

Der Unternehmer Otto Rettenmaier hat den Hörsaal-Neubau erst ermöglicht

Dass der Bau (Deutzer König und Rimmel Architekten) überhaupt möglich wurde, hat die Uni dem Unternehmer Otto Rettenmaier zu verdanken. Dieser übernahm drei der insgesamt 7,32 Millionen Euro, 1,8 Millionen Euro kamen von der Uni. Der betagte Ehrensenator aus Heilbronn, der sich bereits bei der Sanierung des Hohenheimer Schlosses, des Landwirtschaftsmuseums und der Gärten großzügig gezeigt hatte, ließ es sich nicht nehmen, persönlich ein Grußwort zu sprechen. Die Spende für das Audimax sei „als Dank an die Wissenschaft“ zu verstehen, erklärte Rettenmaier.

Auch Ulrich Steinbach vom Wissenschaftsministerium sieht die Investition in einen Hörsaal in Hohenheim am richtigen Ort, um Exzellenz und Qualität in der Lehre für die Zukunft zu sichern. Schon bisher glänze die Uni durch ihr Renommee und ihre zukunftsfähige Ausrichtung, etwa auf die Bioökonomie. Dem Ehrensenator rief er zu: „Das Land braucht Menschen wie Sie.“ Die Jugend- und Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer ergänzte: Von Rettenmaiers uneigennütziger, großherziger Spende profitiere nicht nur die Uni, sondern auch die Stadt Stuttgart.

Studentische Vertreter bedanken sich beim Ehrensenator für 200 Liter Freibier

Rektor Dabbert sprach von einem „besonderen Festtag“. Er hob hervor: „Die Proportionen dieses Gebäudes sind sehr gelungen.“ Dies habe auch Auswirkungen aufs Lernen, aufs Denken. Rettenmaier habe die Uni aus einem Raumdilemma befreit. Dass das Gebäude nicht nur schön sei, sondern auch so gestaltet, dass es gut funktioniere, liege auch an der planerischen Beteiligung von Studierenden. Diese hatten nicht nur Tageslicht und Beinfreiheit gefordert, sondern auch Steckdosen und Lan. „Schön, dass Sie alle Platz gefunden haben – ein ungewohntes Bild“, sagten studentische Vertreter. Nun sei „endlich Schluss mit Vorlesungen auf der Treppe“. Bei Rettenmaier bedankten sie sich brav für die 200 Liter Freibier.

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