Uni Hohenheim Forscher suchen den Zukunftsbaum

Die Robinie stammt aus Amerika. Sie hat sich hierzulande  stark ausgebreitet  – auf Kosten anderer, heimischer Arten. Foto: picture alliance / Patrick Pleul
Die Robinie stammt aus Amerika. Sie hat sich hierzulande stark ausgebreitet – auf Kosten anderer, heimischer Arten. Foto: picture alliance / Patrick Pleul

Wissenschaftler der Uni Hohenheim testen, welche Stadtbäume mit dem Klimawandel zurecht kommen. Fremdländische Arten aus heißen, trockenen Regionen bergen dabei viele Chancen – aber auch Risiken.

Filder-Zeitung: Leonie Schüler (lem)
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Hohenheim - Unser Klima wandelt sich, die Sommer werden tendenziell heißer und trockener. „Viele Baumarten leiden darunter, weil sie es nicht gewohnt sind aus den vorigen Jahrhunderten“, sagt Robert Gliniars von der Universität Hohenheim. Seine Prognose: Einige heimische Baumarten werden das überleben, andere nicht.

Um herauszufinden, welche Bäume den Wandel überstehen werden, nimmt eine Forschergruppe rund um Gliniars seit 2013 in einem Versuchsfeld 80 verschiedene Baumarten und -sorten unter die Lupe. „Zukunftsbäume“ heißen sie im Sprachgebrauch der Forscher, schließlich geht es um die Frage: Welche Baumart hat eine Zukunft? Im Fokus stehen bei dem Projekt keine Forst-, sondern Stadtbäume, die umgeben von Schademissionen, heißem Beton, Streusalz, engem Wurzelraum und wenig Luftzirkulation besonders schwere Bedingungen haben, gleichwohl für das Stadtklima von wichtiger Bedeutung sind. Wöchentlich protokollieren die Wissenschaftler, wie die Bäume dastehen.

Fremdländische Arten bergen viele Chancen

Viele Baumarten des Hohenheimer Forschungsexperiments sind nicht heimisch, sondern stammen ursprünglich aus Gegenden in Südosteuropa, Nordamerika oder Asien, die ebenfalls heiß und trocken sind. „Daher erwartet man, dass sie auch hier gut zurechtkommen“, sagt Gliniars. Zwar spreche auch viel dafür, heimische Arten auszulesen, das habe aber den Nachteil, dass verlässliche Antworten Jahre oder Jahrzehnte auf sich waren ließen. „Wenn wir fremdländische Arten übernehmen, ist das eine Maßnahme, um Zeit zu sparen“, erklärt Gliniars.

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Allerdings hätten die exotischen Bäume so ihre Tücken. „Ein Problem ist, dass sie heimische Baumarten verdrängen können“, sagt der Botaniker. Er selbst halte es daher für sinnvoll, Baumarten aus angrenzenden Ländern Mitteleuropas anzusiedeln. „Das ist aus ökologischer Sicht eher vertretbar, denn sie würden potenziell den Schritt auch alleine hierher schaffen.“

Unerwünscht ist massenhafte Ausbreitung

Gliniars nennt Beispiele für fremdländische Baumarten, die sich hierzulande bereits breit gemacht haben und Probleme bereiten. Zum einen ist da der Götterbaum, der aus Asien stammt. Mittlerweile wächst er auch in Stuttgart. „Er ist sehr anspruchslos und keimt in jeder Ritze“, sagt Gliniars. Als Stadtbaum sei er also eigentlich perfekt geeignet, allerdings breite er sich derart massenhaft aus, dass er unkontrollierbar geworden sei. In Städten sei er inzwischen unerwünscht, da seine Wurzeln häufig Straßenschäden herbeiführten.

Ein anderes Beispiel ist die Robinie, die im 18. Jahrhundert aus Nordamerika hier eingebracht wurde und mittlerweile nicht mehr eingedämmt werden kann. Ihr Vorteil: Sie hat gutes, hartes Holz, wächst schnell und wird daher gerne in der Forstwirtschaft genutzt, außerdem bestäuben Honigbienen ihre Blüten, woraus Akazienhonig gewonnen wird. Die Robinie ist anspruchslos: Sie kann auf sehr mageren Böden wachsen, da sie imstande ist, Stickstoff herzustellen. Sie düngt sich ihren Boden sozusagen selbst und hilft, dass magere Standorte immer fetter werden. Das Problem daran: „Die Flora, die da bisher drauf ist und angepasst ist an magere Standorte, kann verdrängt werden“, so Gliniars. Verkümmern diese Pflanzen, geraten auch Insekten und Vögel in Not, die in Symbiose mit ihnen gelebt haben. Das müsse man stets im Hinterkopf haben, wenn man fremdländische Arten ansiedele, betont der Wissenschaftler. „Bei der Auswahl neuer Baumarten muss man immer bedenken, dass sie sich etablieren können. Das ganze Ökosystem kommt dadurch durcheinander.“ Das Einbringen neuer Arten sei daher immer ein Abwägen.

Pilze und Schädlinge greifen gestresste Bäume an

Deshalb schauten Botaniker parallel immer auch nach heimischen Arten, die als Zukunftsbäume in Frage kommen. Als widerstandsfähig würden sich nach jetzigem Stand zum Beispiel der Feld- oder der Spitzahorn erweisen. „Viele heimische Arten haben aber durch die Klimaveränderung mit Pilzen und Schädlingen zu tun“, sagt Gliniars. So gebe es beispielsweise einen Schädling, der bei Ulmen und Eschen für Triebsterben sorge. Im Hohenheimer Forschungsexperiment pflanzten die Wissenschaftler deshalb Ulmen- und Eschensorten, die aus heimischen Arten stammen und mit ausländischen Arten, die resistent sind gegen jene Schädlinge, gekreuzt wurden. Ein Versuch, der offensichtlich funktioniert: „Bisher scheint diese Züchtung keine Probleme mit Schaderregern zu haben“, sagt Gliniars. Gelingt dies dauerhaft, lässt sich damit das Gute aus zwei Welten miteinander vereinen: Eine heimische Art bleibt erhalten, die mit den neuen Bedingungen zurechtkommt.




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