Uni Hohenheim hat Professorengewinnung optimiert Uni erhält Gütesiegel für Transparenz

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Mit der Berufung von Professoren können Unis ihre Forschungsprofile und Schwerpunkte verändern. Die Uni Hohenheim hat dieses Verfahren optimiert – notgedrungen. Nun fährt sie die Ernte dafür ein.

Stephan Dabberts Strategie bei den Berufungen hat sich ausgezahlt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Stephan Dabberts Strategie bei den Berufungen hat sich ausgezahlt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Für die Art und Weise, wie die Universität Hohenheim um Professoren wirbt und ihre Professorenstellen besetzt, wird sie am kommenden Mittwoch vom Deutschen Hochschulverband (DHV) ausgezeichnet: Als erste Universität in Baden-Württemberg erhält sie das Gütesiegel für faire und transparente Berufungs­verhandlungen.

Die Besetzung von Professorenstellen gilt als Königsdisziplin im Universitäts­management. Denn solche Berufungen ­ermöglichen den Unis, neue Schwerpunkte zu setzen und Ressourcen neu zu verteilen. „Die Berufung von Professoren ist einer der wichtigsten Prozesse an der Universität mit bedeutenden Folgen für Forschung und Lehre“, betont der Hohenheimer Unirektor Stephan Dabbert. Dass seine Uni beim DHV, der Berufsvertretung der Uniprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland, beim Thema Berufungen überhaupt punkten konnte, verdankt sie, wenn man so will, einer Krise. Und sie verdankt es dem allseits als beherzt gelobten Krisenmanagement Dabberts, der im Frühjahr 2012 neu angetreten war.

Eine Krise brachte die entscheidende Veränderung

Das Problem damals: Das Budget für ­Leistungszulagen an neue Professuren war erschöpft, die Uni im Wettbewerb um die besten Köpfe nicht mehr konkurrenzfähig, laufende Berufungsverhandlungen platzten. Dabberts Lösung: Wenn die Uni nicht mit Zuschlägen locken kann, muss sie mit bestmöglichen Bedingungen überzeugen. Dazu gehört nach Dabberts Überzeugung auch, dass alle an einem Strang ziehen: ­Unileitung, Fakultäten, Senat, Unirat und Verwaltung. Zum Qualitätsmanagement gehört seither ein Berufungsmanager.

Dieser bekam nicht nur den Auftrag, das komplette Berufungsverfahren zu optimieren, sondern auch, die neuen Unimitglieder in die Uni hinein zu begleiten, bis sie arbeitsfähig sind. Zudem sitzt der Berufungsmanager in allen Gremien, vermittelt bei Fragen den direkten Draht ins Rektorat und unterstützt die Neuen bei Verwaltungsdingen. Und: Dabbert ließ den ganzen Prozess digitalisieren. In einem Berufungsportal können sich die Bewerber kontinuierlich über den aktuellen Stand ihres ­Verfahrens informieren.

Die seither berufenen Köpfe sind vom Verfahren angetan

Auch die seither berufenen Professoren sind von dem Verfahren angetan. Die Uni habe ihn von der Bewerbung an „sehr offen und wertschätzend“ begleitet, sagt etwa der Genetiker Martin Hasselmann. Und die Wirtschaftswissenschaftlerin Nadja Dwenger lobt das Hohenheimer Verfahren als „ungewöhnlich zügig“, so habe sie rasch Planungssicherheit gehabt.

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