Uni Hohenheim Hohenheimer Rektor will Bürokratieabbau

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Der Hohenheimer Unirektor Stephan Dabbert will die neue Hochschulfinanzierung zu einer Reform nutzen. Ziel sind mehr Dauerstellen, ausfinanzierte Lehrstühle und weniger Bürokratie.

Ein Schloss zu heizen  ist teuer. Künftig muss die Uni Hohenheim ihre gestiegenen Energiekosten nicht mehr aus dem Etat für Forschung und Lehre bezahlen. Foto: Stollberg
Ein Schloss zu heizen ist teuer. Künftig muss die Uni Hohenheim ihre gestiegenen Energiekosten nicht mehr aus dem Etat für Forschung und Lehre bezahlen. Foto: Stollberg

Stuttgart - Die Ressourcen, die die Uni Hohenheim aus dem Nachtragshaushalt des Landes erwartet, hat Rektor Stephan Dabbert bereits fest verplant: für eine grundlegende Reform. Deren Kernpunkte sind eine Vereinfachung der Finanzströme und somit eine große Ersparnis von Zeit und Bürokratie, aber auch die Umwandlung von befristeten in Dauerstellen und der Verzicht auf Stellensperrungen. Insgesamt sollen 67,5 neue Stellen entstehen. Grundlage für das Vorhaben ist der im Januar geschlossene Hochschulfinanzierungsvertrag zwischen dem Land und seinen Hochschulen.

Kernpunkte dieses Vertrages sind die stufenweise Umwandlung von sogenannten Programm- und Qualitätssicherungsmitteln in die Grundfinanzierung der Uni, die damit verbundene Steigerung des Unihaushalts um drei Prozent pro Jahr und die Möglichkeit, diese Mittel in Dauerstellen umzuwandeln. Im Gegenzug wolle Hohenheim Ausgleichsmittel für die Lehre ausweisen und nach einer Formel verteilen. „Das ist eine neue Chance“, so Dabbert.

Rektor will Dauerstellen für Daueraufgaben einrichten

Bisher habe man neue Daueraufgaben, etwa durch gestiegene Auflagen beim Datenschutz, Arbeitsschutz sowie durch die starke Zunahme bei den Studienbewerbern und die Digitalisierung nur durch temporär Beschäftigte auffangen können – „nur deshalb ist der Laden nicht zusammengebrochen“, erklärt der Rektor. „Zu Ende gedacht, wären wir schließlich vor der Entscheidung gestanden, ob wir das Internet abstellen oder Unterlagen für ausländische Studierende nicht mehr übersetzen, weil das inzwischen Daueraufgaben geworden sind, die wir nicht mehr befristet vergeben dürfen.“ Nun zeigt sich Dabbert hocherfreut, dass die Uni für Daueraufgaben künftig tatsächlich Dauerstellen einrichten können soll.

Ausfinanzierte Stellen für alle Professoren geplant

Konkret sollen von den 3,4 Millionen Euro an verfügbaren Qualitätssicherungsmitteln 1,5 Millionen Euro für die Entfristung vorhandener Stellen für Daueraufgaben im nicht wissenschaftlichen Bereich verwendet werden. Mit 700 000 Euro werden neue Stellen für Studium, Lehre und Fakultäten geschaffen. Mit einer halben Million Euro sollen Stellen für die strategische Weiterentwicklung geschaffen werden, etwa für eine Graduiertenakademie, mit der Doktoranden besser unterstützt werden sollen. 300 000 Euro seien für Stellen in einem Strategiefonds gedacht. Und 400 000 Euro sollen dazu verwendet werden, die Zweiklassengesellschaft bei den Professoren zu beenden – nach und nach. So sollen die 18 Professuren aus den Ausbauprogrammen in reguläre Lehrstühle umgewandelt werden. Das bedeutet, sie erhalten wie ihre Kollegen eine reguläre Grundzuweisung und nicht, wie bisher, ein festes Budget, das trotz steigender Lohnkosten über die Jahre gleich bleibt. „Das heißt, wir können allen Professoren eine Perspektive eröffnen, dass ihre Stellen ausfinanziert sind – das wird aber erst 2020 der Fall sein“, so Dabbert.

Uni hofft auf Ausgleich für gestiegene Energiekosten

Als wirkliches „Schmiermittel“ für den Motor seiner Reform bezeichnet der Rektor den Ausgleich, den die Uni für die gestiegenen Energiekosten vom Land erhalten soll. Es geht um rund 2,5 Millionen Euro. Bisher habe man diese Zusatzkosten aus dem Etat für Forschung und Lehre bezahlen müssen und ihn über Stellenbesetzungssperren finanziert. Doch damit soll von Januar 2016 an Schluss sein, denn dies sei weder der Qualität von Forschung und Lehre noch der Motivation der Mitarbeiter zuträglich. Hinzu kam, dass die Uni nur 75 Prozent der dadurch eingesparten Personalkosten behalten und selber verwenden durfte. 25 Prozent habe das Finanzministerium kassiert. Diesen „Schöpfungsverlust“ werde die Uni künftig nicht mehr haben.

Der ganze Geldfluss soll einfacher gestaltet werden

Doch auch insgesamt soll der Geldfluss uniintern einfacher gestaltet werden. So sollen Lehrstühle, Fakultäten und andere Einrichtungen künftig das Geld in einer einzigen Grundzuweisung bekommen. „Wir verteilen das Geld schon im Januar“, kündigt Dabbert an.

Insgesamt meint der Rektor: „Wir sparen Bürokratie und Kommissionssitzungen – das sind große Vorteile. Und wir werden mehr Kontinuität bei den Mitarbeitern haben.“ Von den Vorteilen seiner Reform habe er inzwischen auch Personalrat, Unirat und Senat überzeugt.

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