Uni Hohenheim in Stuttgart Professorinnen knacken 30-Prozent-Marke

Die  Parasitologin Ute Mackenstedt treibt die Gleichstellung an der Uni Hohenheim erfolgreich voran. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die Parasitologin Ute Mackenstedt treibt die Gleichstellung an der Uni Hohenheim erfolgreich voran. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Frauen auf dem Vormarsch: Mittels ausgetüftelter Fördermaßnahmen hat die Uni Hohenheim ihren weiblichen Anteil erhöht. In der Professorenschaft toppt sie damit sowohl den Landes- als auch den Bundesdurchschnitt. Dennoch gibt es auch Nachholbedarf.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Stuttgart - Erstmals ist es der Uni Hohenheim gelungen, den Anteil der Professorinnen auf mehr als 30 Prozent zu steigern. Genaugenommen sind es 30,1 Prozent – im Jahr zuvor waren es noch 26 Prozent. Damit liege die Uni deutlich sowohl über dem Landesdurchschnitt (22,2 Prozent) als auch dem Bundesdurchschnitt (24,7 Prozent) – Stand 2018. „Wir könnten ein Feuerwerk zünden“, sagte die Hohenheimer Gleichstellungsbeauftragte Ute Mackenstedt, als sie das Ergebnis aus dem Jahr 2019 dem Senat und Unirat präsentierte – wegen Corona trafen sich die Gremien nur virtuell. Die Uni Stuttgart gibt ihre Zahlen zur Gleichstellung erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt.

Die Hohenheimer Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Fachgebiets Parasitologie erklärte: „Unsere Fördermaßnahmen zeitigen Erfolg. In den letzten Jahren konnten regelmäßig etwa 50 Prozent der ausgeschriebenen Professuren mit Wissenschaftlerinnen besetzt werden.“ Und das kam nicht von allein. „Seit 2009 haben wir einen kontinuierlichen Anstieg des Professorinnenanteils“, berichtete die Gleichstellungsbeauftragte. Bis dahin dümpelte die Zahl im einstelligen Prozentbereich.

Vielversprechende Wissenschaftlerinnen müssen zur Bewerbung aufgefordert werden

Besonders erfreulich findet Mackenstedt, dass die neuerliche Entwicklung auch auf Fakultätsebene zu beobachten sei. So gelte der Professorinnenanteil von rund 30 Prozent für alle drei Fakultäten. Grund dafür sei die aktive Rekrutierung. Das bedeutet, dass bei jeder Berufung die Berufungskommission nachweisen muss, dass sie vielversprechende Wissenschaftlerinnen zur Bewerbung aufgefordert hat.

Aus dem Ruder gelaufen ist in Hohenheim das Geschlechterverhältnis im Senat: So befindet sich unter den 18 Mitgliedern der Professorenschaft nur eine Frau. Dazu Mackenstedts Kommentar: „Das entspricht einem Anteil von 5,5 Prozent – das kann eigentlich nicht sein, das sollte man dringend ändern.“ Zudem missfällt der Gleichstellungsbeauftragten, dass auch die dreiköpfige Vertretung des sonstigen Personals im Senat „keine Frau ins Rennen geschickt“ habe. Auch in allen Fakultätsvorständen seien Frauen deutlich unterrepräsentiert. Keine der drei Fakultäten werde von einer Dekanin geleitet. Im elfköpfigen Unirat hingegen habe der Frauenanteil erstmals die 50-Prozent-Marke überschritten.

Bei den Studierenden haben in Hohenheim ohnehin die Frauen die Oberhand – jedenfalls in den Naturwissenschaften, wo ihr Anteil bei mehr als 70 Prozent liegt, bei den Agrar- sowie den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften liegt er um 50 Prozent. Insgesamt sei auch die Zahl der abgeschlossenen Promotionen bei Männern (51,9 Prozent) und Frauen (48,1 Prozent) fast noch gleich hoch: „Die Schere öffnet sich erst nach der Promotion“, so Mackenstedt. Hier entschieden sich deutlich weniger Frauen als Männer für eine Wissenschaftskarriere.

Ein Fonds für Ausfallzeiten soll Forschungskontinuität trotz Schwangerschaft ermöglichen

Dies soll sich mittels des Professorinnenprogramms III ändern. Neu berufene Professorinnen sollen eine zusätzliche halbe Stelle erhalten, die mit einer Nachwuchswissenschaftlerin besetzt werden müsse. Ein Fonds für Ausfallzeiten soll gewährleisten, dass Forschungsprojekte trotz Schwangerschaften kontinuierlich weiterlaufen könnten, auch wenn Wissenschaftlerinnen ihre Präsenz im Labor verringern müssten.

Auch Corona-bedingten Härtefällen springt die Uni kurzfristig zur Seite: Speziell Doktorandinnen, die in der Endphase ihrer Promotion seien und Kinder zuhause betreuen mussten, erhalten aus einem Fonds Geld zur Verlängerung. „Wir haben dafür Gelder aus dem Professorinnenprogramm umgewidmet“, so Mackenstedt. Deshalb, so erklärt sie auf den Einwurf ihres Kollegen Hans-Peter Burghof, könnten damit auch keine Männer unterstützt werden.




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