Uni Hohenheim Studierende beklagen katastrophale Zustände in einem Wohnheim

Das Wohnheim an der Schwerzstraße 1 in Hohenheim ist in den 1960er Jahren gebaut worden und gilt mittlerweile als marode. Foto: Torsten Schöll

Ratten und Insekten im Haus, Schimmel an Decken und Wänden und tagelang kein Wasser. Die Vorwürfe gegen das Studierendenwerk wiegen schwer.

Im Treppenhaus sprudelt Wasser über die Stufen. Aus einem schadhaften Rohr schießt eine Wasserfontäne. In Duschen und an Decken wuchert der Schimmel. Zu sehen ist das alles auf Fotos und in Videos, mit denen Studenten der Universität Hohenheim die Zustände in den älteren Wohnheimen an der Schwerzstraße und im Chausseefeld dokumentiert haben.

 

Weil sie sich vom zuständigen Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim alleingelassen fühlen, haben sich einige Studenten jetzt an die Presse gewandt. Was sie erzählen, ist alarmierend: „Es ist wirklich unmenschlich. Man fühlt sich hier wie in einem Loch untergebracht“, klagt eine Studentin, die im Wohnheim Schwerzstraße 1 an der Ortsgrenze zu Birkach ein Zimmer bewohnt. Der Name der 23-Jährigen soll ungenannt bleiben. Erik Schwahn, ein Mitbewohner im Ende der 1960er Jahre gebauten Wohnheim, stößt ins selbe Horn: „Man vegetiert hier“, sagt er. Was auf den Aufnahmen aus der Schwerzstraße nicht zu sehen ist, sind die Ratten und die Insekten. Auch die gibt es in den Häusern, versichern die beiden Studierenden.

„Man vegetiert hier“, sagt der Student Erik Schwahn. Foto: Torsten Schöll

Die Folge der ständigen Schäden an Sanitäranlagen und Rohren sind mitunter tagelange Wasserausfälle. Repariert werde nur zögerlich, sagen die Studenten. „Und wenn, dann geht nach ein paar Tagen wieder etwas kaputt“, so die 23-jährige Agrarwissenschaftlerin. Besonders fatal sei, dass der für solche Fälle in den Wohnheimen zur Verfügung stehende telefonische Notdienst des Studierendenwerks nicht immer erreichbar sei. Zudem träfen die ausländischen Studenten des internationalen Wohnheims dort nicht immer auf Gesprächspartner, die Englisch sprechen.

Besonders schlimm seien die Zustände am langen Wochenende nach dem 18. Mai gewesen, erzählen die Betroffenen. Damals habe sich in der Schwerzstraße 1 heißes Wasser, das auf einem Video zu sehen ist, aus einem Leck ins Treppenhaus ergossen. Da der Notruf des Studierendenwerks nicht zu erreichen war, alarmierten die Bewohner die Feuerwehr. Doch damit nicht genug: Weil in der Folge die Wasserversorgung unterbrochen war, hatten die Studenten gleich mehrerer Häuser an der Schwerzstraße tagelang kein Wasser mehr: für Dusche, Küche – und Toiletten. Die Mutter einer Studentin sah sich gezwungen, auf eigene Rechnung zwei mobile Toilettenhäuschen zu ordern. Die Rechnung hierfür über knapp 500 Euro habe das Studierendenwerk auch nach einem Monat noch nicht übernommen, erzählen die Studenten. Inzwischen sei ein Anwalt eingeschaltet, der zudem eine Mietminderung durchsetzen will.

Das sagt das Studierendenwerk zu den Vorwürfen

Konfrontiert mit den Vorwürfen, räumt der Eigentümer der Wohnheime, das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim, ein, sich der „schwierigen Situation“ bewusst zu sein. Im Mai sei die Generalsanierung des Wohnheims Schwerzstraße 2 abgeschlossen worden, die Sanierung der Schwerzstraße 3 dauere an, heißt es in einer Stellungnahme.

„Bedauerlicherweise lassen sich nicht alle Projekte gleichzeitig durchführen, und es kann gelegentlich zu technischen Problemen kommen, die die Bewohner beeinträchtigen“, erklärt auf Anfrage der Justiziar des Studierendenwerks, Tilmann Beetz.

In der Schwerzstraße 1 sei demnach die Wasserversorgung durch die Generalsanierung der Gebäude Schwerzstraße 2 sowie durch die Arbeiten am Wohnheim Schwerzstraße 3, „nicht zu jedem Zeitpunkt gewährleistet“. Beetz bestätigt auch die massiven Probleme um den 18. Mai. Damals sei es „zu einer längeren Unterbrechung der gesamten Wasserversorgung übers Wochenende“ gekommen, die auch die Toiletten betrafen.

Eine Studentin bestellte Dixie-Toiletten

Zu den Verhandlungen mit der Studentin, die sich gezwungen sah, Dixie-Toiletten zu bestellen, erklärt der Justiziar, dass das Studierendenwerk sich bereit erklärt habe, „unter Umständen entstandene Kosten zu übernehmen“. An den technischen Problemen werde im Übrigen „mit Hochdruck“ gearbeitet.

Darüber hinaus räumt das Studierendenwerk Probleme mit dem Dienstleister des Notfalltelefons ein. „Seit dieser Woche gibt es eine neue Notfallnummer“, so Beetz. Die Mitarbeiter würden demnach jetzt „größtenteils Englisch sprechen“. Überdies würden Übersetzungshilfen installiert.

Zum Schimmelbefall in den Wohnheimen, heißt es, dass dieser „immer kurzfristig behandelt und behoben“ werde. Meldungen der Bewohner seien hierbei aber unerlässlich. Beetz betont, dass wegen der Anfrage unserer Zeitung nun eine Abfrage bei den Bewohnern zum Thema Schimmelbefall gestartet werde. Zur Frage einer Mietminderung machte der Justiziar keine Angaben.

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