Winfried Hermann hat sich mit Studierenden die Parkplatzsituation an der Uni Hohenheim angesehen. Seine Botschaft: Der Druck, der durch die Gebühren entstanden ist, ist gewollt.

Das seit November 2020 geltende Parkraummanagement an der Universität Hohenheim sei unsozial und wirkungslos. Das erklärten Vertreter des Studierendenparlaments der Hochschule am Dienstag anlässlich eines Rundgangs über den Campus, zu dem die Studenten den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eingeladen hatten.

Hintergrund für den Austausch war die anhaltend angespannte Parkplatzsituation an der Universität sowie die daraus resultierenden Konflikte mit den Anwohnern in den Stadtbezirken Birkach und Plieningen. „Das Studierendenparlament stellt fest, dass die Einführung des Parkraummanagements die gewünschte Lenkungswirkung nicht erzielt hat“, erklärte Hauke Delfs, Mitglied des Arbeitskreises Parkraummanagement der Universität. Angehörige der Hochschule und Studenten würden stattdessen nun verstärkt versuchen, mit ihren Fahrzeugen auf die anliegenden Wohngebiete auszuweichen.

Soziale Härten der Parkgebühren

Zudem kritisierten die Studenten, dass die Parkgebühren, die seit rund zwei Jahren auf dem Campus erhoben werden, zu sozialen Härten führten. Die angespannte Wohnungsmarktsituation und die damit einhergehenden steigenden Mieten verschärften zudem die Situation. Ein Großteil der Hohenheimer Studenten, die traditionell vor allem aus dem ländlichen Umland sowie aus verschiedenen Teilen Baden-Württembergs kämen, seien trotz der Parkgebühren deshalb gezwungen, auch weiterhin mit dem Auto an die Universität zu pendeln.

Den Grund für die flächendeckende Einführung von Gebühren für landeseigene Parkplätze erklärte der Minister mit klimapolitischen Zielen: „Wir müssen künftig Mobilitätskonzepte entwickeln, die nicht so sehr am Auto hängen“, unterstrich Hermann. Die Bewirtschaftung von Parkraum habe in diesem Kontext eine große Bedeutung, so der Minister. „Das kostenlose Parken, das jahrzehntelang in Deutschland üblich war, hat das Autofahren extrem verbilligt.“ Durch die Parkgebühren entstehe nun für alle Beteiligten Druck, klimaverträglichere Lösungen zu entwickeln.

Die Idee von Shuttlebussen

Für die Universität Hohenheim schweben dem Minister von der Nutzung von Mitfahr-Apps bis zum Ausbau eines passgenauen Busverkehrs zahlreiche alternative Möglichkeiten vor. Für die Entlastung der Parkplatzsituation an der Universität bringt Hermann Shuttlebusse ins Spiel, die außerhalb liegende zentrale Parkplätze mit dem Campus verbinden könnten.

Doch genau an dieser Reihenfolge der Maßnahmen entzündet sich auch die Kritik der Studierenden: „Wir brauchen erst eine Lösung für das bestehende Verkehrsproblem, und danach können wir die Parkplätze bewirtschaften“, argumentiert beispielsweise der Student Tobias Lutz, ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis Parkraummanagement. Bis dahin gebe es für viele Studenten vor allem aus ländlichen Gebieten „keine vernünftigen Alternativen zum Auto“, so Senatsmitglied Paul Bumiller. Die mangelhafte Anbindung der Universität Hohenheim an den ÖPNV, sei hierfür mitverantwortlich.

Woran laut Minister kein Weg vorbeiführen wird in Zukunft

Der Verkehrsminister erwartet, dass die Stadt Stuttgart auf die zugeparkten Wohnstraßen in den umliegenden Bezirken Plieningen und Birkach demnächst ebenfalls mit der Einführung einer Parkraumbewirtschaftung reagiert. Wie Hermann betonte, halte er es zudem für unumgänglich, dass Stuttgart nach dem Vorbild von Freiburg oder Tübingen das Anwohnerparken in Zukunft weiter verteuern werde. „Da wird kein Weg daran vorbeiführen“, so der Minister.

Dass Winfried Hermann auf diesem Hintergrund der Forderung der Studentenschaft, die Parkgebühren wieder abzuschaffen, eine Abfuhr erteilt, verwundert nicht: „Ich werde Ihnen da keine Hoffnung machen“, sagte der Verkehrsminister an die Studenten gerichtet. Er stellte die Möglichkeit in Aussicht, zunächst systematisch zu untersuchen, wie die Verkehrssituation an der Universität mit anderen Mitteln verbessert werden könnte. Hermann kündigte an, sich hierzu auch mit der Wissenschaftsministerin auszutauschen.