Uni Stuttgart als Wärmelieferant Superrechner kann Stadtteil einheizen

Von Konstantin Schwarz 

Die Uni Stuttgart steht mit ihrem Höchstleistungs-Rechenzentrum mit an der Spitze der Republik. Doch der Stromverbrauch ist enorm, heiße Abluft wird größtenteils ungenutzt in die Atmosphäre geblasen.

Die Wärme des im voll verglasten Gebäude untergebrachten Superrechners wird über ein separates Gebäude zur Kühlung (rechts) abgeführt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Wärme des im voll verglasten Gebäude untergebrachten Superrechners wird über ein separates Gebäude zur Kühlung (rechts) abgeführt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Er ist nicht nur bei der Rechenleistung ein ganz großer: Stuttgarts Supercomputer Hawk, Mitte Februar am Höchstleistungsrechenzentrum der Uni Stuttgart in Vaihingen in Betrieb genommen, zählt zu den zehn schnellsten Rechnern weltweit, ­genehmigt sich auch ordentliche Energiemengen – von denen allerdings ein großer Teil als Abwärme über einen Kühlturm an der Nobelstraße in die Atmosphäre geht. Das soll anders werden, forderte die SPD im ­Ausschuss für Klima und Umwelt des ­Gemeinderates.

28 Gigawattstunden Strom zog schon der Vorgänger von Hawk, Hazel Hen, aus dem Netz, den Verbrauch des Neuen (für den Bund und Land 38 Millionen Euro zahlten), so SPD-Fraktionschef Martin Körner, könne man nicht genau beziffern. „Energiepolitisch ist das aber ein Riesenteil, 70 Prozent gehen als Abwärme weg“, so Körner. Tatsächlich braucht Hawk kaum mehr als der Vorgänger, auch wenn er das 3,5-Fache leistet. Im Mai musste er allerdings zunächst pausieren. Er war, wie weitere Superrechner, gehackt worden.

Die elektrische Leistung ist groß

Wie könnte man die Abwärme nutzbar machen? Zurzeit werden neun Kubikmeter Wasser pro Stunde verdampft. Das Rechenzentrum selbst, das auch von der Industrie genutzt wird, wärmt sich an Hawk, bald werde es noch mehr überschüssiger Energie abwerfen, so Jürgen Görres, Leiter der Abteilung Energiewirtschaft im Umweltamt. 2023 und 2027 seien, sofern der Bund sich beteilige, die nächsten Ausbauschritte geplant, die elektrische Leistung steige auf 12,5 und dann 25 Megawatt, 60 Prozent davon stünden als nutzbare Abwärme zur Verfügung. Das sind 15 Megawatt und damit „eine ­Leistung, wie wir sie im Neubaugebiet Neckarpark haben“, so Görres. Dort sollen bis zu 850 Wohnungen gebaut und versorgt ­werden.

Schon vor fünf Jahren hatte sich das Umweltamt für die ungenutzte Wärme interessiert, schließlich gibt es rund um die Uni Wohngebiete und die Patch Baracks der Amerikaner. Mit einem Forschungsantrag beim Bundeswirtschaftsministerium kam man aber nicht durch. Doch auch die Begehrlichkeiten der Universität Vaihingen selbst, die über ein großes Heizkraftwerk und Wärmenetz ihre Gebäude versorgt, sind geweckt. Es gibt einen energetischen Masterplan für einen klimaneutralen Campus. Der bräuchte neben dem heutigen Hoch- auch ein Niedertemperaturnetz, um die Abwärme von Hawk und seinen Nachfolgern sinnvoll zu nutzen.

Fraktionen fordern rasche Lösung

Es sei „schwer verständlich, dass es da niemanden gibt, der das vorantreibt“, monierte Martin Körner, das sei ein Feld für die Stadtwerke. Um die Klimaziele zu erreichen, dürfe man Projekte dieser Größenordnung nicht erst in zehn oder 20 Jahren umsetzen. Man verheddere sich im „Zuständigkeitsgedöns“, kritisierte Matthias Oechsner (FDP), Manfred Zaiß (CDU) schloss sich der Kritik an. Debora Köngeter (Fraktion Puls) und Hannes Rockenbauch (Linksbündnis) lobten den SPD-Antrag: Die Abwärme habe ein „Wahnsinnspotenzial“, so Köngeter. Benjamin Boy (Grüne) riet abzuwarten, was für außerhalb des Unicampus überhaupt an Potenzial übrig bleibe – was bei Oechsner zu Kopfschütteln führte. Man sei im Gespräch, sagte Bau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold (Grüne): „Wenn da was übrig ist, kommen wir als Abnehmer ins Spiel.“

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