Uni Stuttgart Eimer bei Regen und Engpässe in den Labors

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Eimer bei Regen, Engpässe in den Labors: Aufgrund des Sanierungsstaus in Höhe von einer Milliarde Euro und dem Zuwachs auf 27 000 Studenten sieht der Rektor Wolfram der Uni Stuttgart Handlungsbedarf.

Viele Gebäude auf dem Vaihinger Campus sind erneuerungsbedürftig. Foto: factum/Weise
Viele Gebäude auf dem Vaihinger Campus sind erneuerungsbedürftig. Foto: factum/Weise

Stuttgart - Im Gebäude der Luft- und Raumfahrttechnik müssen bei Regen Eimer das eindringende Wasser auffangen, das Naturwissenschaftliche Zentrum mit seinen Labors sei „technisch am Ende“. „Wir bewegen uns in einem Sanierungsstau von etwa einer Milliarde Euro“, berichtet der Rekor der Uni Stuttgart, Wolfram Ressel. Zugleich aber hätten sich so viele Studierende eingeschrieben wie noch nie: mehr als 27 000 – 600 mehr als vor einem Jahr und über 7000 mehr als vor sechs Jahren. Aber die Hörsäle, Labors, Mensen und der Personalkörper sind nicht mitgewachsen.

Rektor Ressel: Wir sind am Anschlag

„Wir sind am Anschlag“, sagt Ressel – das hatte der Rektor allerdings vor drei Jahren auch schon verkündet. Das gelte nicht nur für Räume, sondern auch für die Verwaltung. Schon die aus Konkurrenzgründen möglichst rasche Bearbeitung der Bewerbungen und Zulassungen bedeute einen „enormen Verwaltungsaufwand: Wir müssen unser Personal dafür verdreifachen“. Praktisch werde in dieser Zeit der Senatssaal belegt. So sei innerhalb der letzten sechs Jahre die Zahl der Online-Bewerbungen von 14 200 auf 24 000 hochgeschnellt, bei den schriftlichen Bewerbungen verzeichne man einen Anstieg von 11 500 auf 18 000. Meist seien es Mehrfachbewerbungen. „Die Bewerber schreiben sich ein und dann wieder aus, das ist kein Einzelfall“, sagt Ressel. Er ist stolz darauf, dass seine Uni nun zu den schnellsten gehöre und alles geräuschlos vonstatten gehe. Tatsächlich hört man von studentischer Seite auch auf Nachfrage keinerlei Klagen. Das gilt auch für die Vorlesungen.

Prüfungen finden am Samstag in der Sporthalle statt

Das Hörsaalproblem habe man durch einen Manager gelöst, den man zum doppelten Abitursjahrgang vor zwei Jahren eingestellt habe, berichtet der Rektor. „Nun müssen sich eben auch die Lehrenden mal in die S-Bahn setzen und zu den Studierenden kommen statt umgekehrt.“ Außerdem habe man die Vorlesungszeiten erweitert. Von 7.30 bis 20 Uhr würden die Räume belegt, manchmal auch noch später oder samstags. „Prüfungen finden am Samstag statt, da gehen wir in die Sporthalle des sportwissenschaftlichen Zentrums.“

Hier habe sich der Aufwand praktisch verzehnfacht. „Zu Diplomzeiten hatten wir 30 verschiedene Prüfungsordnungsversionen, heute haben wir 300.“ Und auch die Zahl der Prüfungen sei von 100 auf 1000 pro Semester gestiegen. Eine besondere Herausforderung sei es, die mit 1200 Teilnehmern größten Prüfungen in der Höheren Mathematik zu organisieren. „Wir brauchen dafür bis zu 40 Räume gleichzeitig“, so Ressel. Ein Engpass seien auch die Labors, deshalb habe man die Zulassung für Studiengänge wie die Technische Biologie mit 60 Plätzen deutlich beschränkt.

Zuwachs an Studierenden hat Betreuung verschlechtert

Dennoch sei es trotz der Ausbauprogramme kaum möglich, den Zuwachs an Studierenden insgesamt in der Lehre zu kompensieren. „Das Betreuungsverhältnis ist immer noch schlecht“, räumt Ressel ein. Schwächere Studenten würden durch Studienlotsen unterstützt. Ein Forschungslehrprojekt für engagierte Bachelorstudenten wie an der Uni Hohenheim gibt es in Stuttgart nicht. „Bei uns kann jeder Student, der will, in den Drittmittel-Projekten mitarbeiten“, sagt Ressel. „Ein bisschen Eigeninitiative der Studierenden ist schon nötig – aber das wollen wir auch.“

Ausbaufähig ist aus Sicht des Rektors das Engagement der Studierenden in den Gremien und der Selbstverwaltung. Dass es mit der Selbstständigkeit der jungen Leute oft nicht mehr allzu weit her ist, werde auch daran deutlich, dass sich zunehmend Eltern für ihre Kinder beraten ließen. „Andere Unis bieten schon Elternsprechstunden an“, sagt Ressel. „Wir wehren uns noch ein bisschen dagegen. Unser Adressat muss der Student sein und nicht ein Elternteil.“

„Haus der Studierenden“ auf Vaihinger Campus geplant

Dieses Ansinnen spiegelt nun auch ein Bauvorhaben: Bis Ende 2016 soll in Nachbarschaft zu der S-Bahn-Haltestelle „Universität“ auf dem Vaihinger Campus ein „Haus der Studierenden“ stehen: sieben Stockwerke hoch, mit Seminar- und Arbeitsräumen, aber auch Prüfungsamt und Studienberatung. „Die ganze Studienverwaltung zieht von der Stadtmitte nach oben“, berichtet Ressel. Die Kosten – 10,8 Millionen Euro – übernehme zu mehr als der Hälfte die Uni, den Rest zahle das Land.




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