Uni Stuttgart kooperiert mit Wirtschaft Eine Forschungsfabrik auf dem Campus

Von  

Mit einem intelligent gefertigten Leichtbau-Auto wollen Wissenschaftler der Uni Stuttgart und aus Unternehmen der Autobranche die Konkurrenz hinter sich lassen. Das Land hat zugesagt, eine Forschungsfabrik auf dem Campus in Vaihingen zu bauen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffent am Dienstag mit einem Festakt das Projekt „Arena 2036“. Foto: dpa
Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffent am Dienstag mit einem Festakt das Projekt „Arena 2036“. Foto: dpa

Stuttgart - Es ist leicht, nachhaltig und vor allem intelligent gefertigt: das Auto der Zukunft. Die Entwicklung des konkurrenzfähigen „Wundergeräts“ für den Automobilmarkt, aber auch auf dem Gebiet der flexiblen Serienfertigung verfolgen Wissenschaftler der Universität Stuttgart und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen gemeinsam mit den Mitarbeitern aus der Auto- und Zulieferbranche auf dem Vaihinger Campus. Das vor knapp zwei Jahren vom Bundesforschungsministerium bewilligte Ausnahmeprojekt namens Arena 2036 soll am Dienstag im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) offiziell mit einem Festakt eröffnet werden.

An dem Vorhaben beteiligt sind – neben der Uni Stuttgart als federführende Antragstellerin im damaligen Bundeswettbewerb –die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Fraunhofer-Gesellschaft, BASF, Daimler und Bosch. Partner in den Startprojekten sind Artur Bär Maschinenbau und das Softwareunternehmen Dynamore. „Gemeinsam mit Herstellern und Zulieferern wollen wir den Leichtbau fit machen für die Serienproduktion“, hatte der Stuttgarter Unirektor Wolfram Ressel nach der Bekanntgabe des Zuschlags in dem bundesweiten Wettbewerb erklärt. Bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr habe das Bundesforschungsministerium auf fünf Jahre zugesagt, Ressel rechnet jedoch mit einer Verlängerung auf insgesamt 15 Jahre und somit Fördermitteln von 30 Millionen Euro – bei positiver Evaluierung. Die Uni Stuttgart hatte sich bei dem Wettbewerb mit insgesamt 96 Bewerbern durchgesetzt. Mit diesem Erfolg kann sie wenigstens zum Teil die Scharte auswetzen, die sie davontrug, als die Uni mit ihrer Idee des Forschungscampus bei der bundesweiten Exzellenzinitiative im Jahr 2010 nicht punktete – und somit auch nicht den Titel Exzellenz-Uni bekam.

Land finanziert eine Forschungsfabrik zur Hälfte mit

Zutrauen in das Projekt, in dem die gemeinsame Grundlagenforschung von öffentlichen und kommerziellen Einrichtungen die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungs- und Wirtschaftsstandortes voranbringen soll, hat offensichtlich auch das Land Baden-Württemberg. Es habe zugesagt, eine Forschungsfabrik auf dem Vaihinger Campus zu bauen, berichtete der Uni-Pressesprecher Hans-Herwig Geyer.

Das 8000 Quadratmeter große Gebäude soll neben Labors und Büros auch Produktionsflächen bieten – und Platz für 160 Wissenschaftler. Die für den Neubau veranschlagten 30 Millionen Euro sollen je hälftig vom und aus Rückstellungen von Drittmitteln finanziert werden, die die Uni selbst eingeworben hat. Somit muss diesmal nicht, wie sonst üblich, der für Forschung und Lehre vorgesehene Unihaushalt angegriffen werden. Doch ein wenig gedulden müssen sich die Forscher noch. Denn Spatenstich für den Neubau soll erst Anfang 2015 sein, der Einzug ist für das Jahr 2016 geplant.Rund 30 Wissenschaftler, je zur Hälfte aus Forschung und Wirtschaft, arbeiten bereits seit knapp einem Jahr an vier Startprojekten von Arena 2036. Sie sind derzeit noch im Verfügungsgebäude der Uni in Vaihingen untergebracht und arbeiten an Detailfragen. Doch Ziel sei, dass nachher, bei der kompletten Produktionslinie, jedes Rädchen ins nächste greife – „dafür brauchen wir richtig viele Quadratmeter“, sagt Peter Fröschle, der Geschäftsführer von Arena 2036. Und genau passende Partner. Aber bisher passe alles, „wir liegen voll im Zeitplan“. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 werden auf dem Vaihinger Campus die Produktionsmethoden der Zukunft entwickelt. „Wir wollen uns durch eine hohe Intelligenz in der Produktion abheben von Märkten, die nur produzieren“, sagt Fröschle. Die Ergebnisse nutzten dann nicht nur der Autoindustrie.

Sonderthemen