Uni Stuttgart Unirektor kritisiert hohen Ausländeranteil

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Auf den rasanten Zuwachs auf bald 28 000 Studierende ist die Infrastruktur der Uni Stuttgart nach Aussage von Rektor Wolfram Ressel nicht ausgelegt. Jeder fünfte Student ist Ausländer. „Zu viel“, sagt Ressel. Besonders chinesische Studierende sind ihm ein Dorn im Auge.

Das Studium an der Uni Stuttgart ist begehrt, die Vorlesungen sind übervoll. Foto: Kraufmann
Das Studium an der Uni Stuttgart ist begehrt, die Vorlesungen sind übervoll. Foto: Kraufmann

Stuttgart - Der große Zulauf an Studierenden macht der Uni Stuttgart zu schaffen. „Wir wachsen immer noch, bald auf 28 000 – das macht uns enorme Probleme, denn Infrastruktur und Betreuungssituation sind nicht darauf ausgelegt“, sagte Unirektor Wolfram Ressel bei seinem Jahresbericht in der Sitzung von Unirat und Senat. Dass 21,2 Prozent aller Studierenden Ausländer seien – „das ist zu viel, um ehrlich zu sein“, sagte Ressel, der sich in dem Bericht ansonsten auf die bereits bekannten Erfolge der Uni bei Drittmitteln und Forschung konzentrierte.

Insbesondere die mit 1300 chinesischen Studierenden größte Gruppe unter den Ausländern sehe er als problematisch an, so der Rektor: „Sie neigen zur Ghettobildung, bleiben unter sich, das wirkt sich auf die Sprachqualität aus.“ Das mache nicht nur bei schriftlichen Arbeiten Probleme, sondern auch beim Wohnen. Es sei „ein gewisses Masseproblem“.

Laut Studiendezernat ist hoher Ausländeranteil gewollt

Holger Bauknecht, Leiter des Dezernats Studium und Promotion, bestätigt den „traditionell hohen Ausländeranteil mit den Chinesen als größter Gruppe“. Im Unterschied zu Ressel betont Bauknecht aber: „Das ist auch gewollt. Wir wollen echte Ausländer, wenn sie gut sind, nach Stuttgart bekommen.“ Das gehöre zur internationalen Ausrichtung der Uni. „Wir wollen generell die besten Köpfe anziehen.“

Eine Limitierung der ausländischen Studierenden gebe es in den Studiengängen mit Numerus clausus. Dort würden nur acht bis zehn Prozent der Plätze an Ausländer vergeben, so Bauknecht. Allerdings gebe es auch einige große Studiengänge ohne NC, etwa Bauingenieurwesen oder Elektro- und Informationstechnik. So erklärt sich, weshalb der Ausländeranteil trotz vieler NC-Studiengänge 21,2 Prozent beträgt.

Uni hat ihre Werbung in China zurückgefahren

Kann die Uni ihre Ausländerquote selbst steuern? „Wir stecken viel Arbeit rein, um das Zulassungsprozedere so schnell wie möglich zu gestalten“, erklärt Bauknecht. „Wir gestalten unsere Bescheide für die Ausländer so, dass die Botschaft möglichst schnell ein Visum erteilt.“ Bis vor ein paar Jahren habe die Uni „noch Werbung gemacht in China, aber das haben wir zurückgefahren“. Beim Sprachniveau seien die Studienvoraussetzungen standardisiert: „Die müssen ordentlich deutsch können“, so Bauknecht.

Beim Studierendenwerk Stuttgart macht man in punkto Wohnen „mit ausländischen Studierenden gleich welcher Nationalität dieselben Erfahrungen wie mit deutschen Studierenden“, sagt dessen Sprecherin Simone Hübener auf Anfrage. „Auch im Hinblick auf den Zustand der Küchen in unseren Wohngebäuden gibt es keine Unterschiede.“ Sie ergänzt aber: „Chinesische Studierende sind dort höchstens häufiger anzutreffen, da sie noch sehr viel selbst kochen und keine Fertiggerichte kaufen.“ Bei gemeinsamer Nutzung könne es aufgrund der unterschiedlichen Gewohnheiten zu Konflikten kommen. Werde die Küche nicht regelmäßig aufgeräumt und geputzt, setze man eine Frist und lege, falls nichts geschehe, die Kosten für die Reinigung auf alle um.

Auch bei Belegung und Zustand der Zimmer gebe es keine Unterschiede, so Hübener. Aufgrund der Wohnraumengpässe stellten deshalb zu Semesterbeginn „vereinzelte Studierende“ auch eine Übernachtungsmöglichkeit im eigenen Zimmer bereit, um ihren Kommilitonen zu helfen. Eine Quotierung nach Nationalitäten gebe es bei der Vergabe nicht.

Chinesische Studierende engagieren sich nicht in studentischer Selbstverwaltung

In der Studierendenvertretung der Uni Stuttgart seien kaum Ausländer aktiv, berichtet deren Vorstandsvorsitzender Felix Wolff. „Zentral haben wir keinen chinesischen Studierenden, der sich einbringt in die studentische Selbstverwaltung.“ Man habe einer chinesischen Studentengruppe zwar Räume zur Verfügung gestellt, „aber sie agieren nicht wirklich mit uns“. Deren Website ist auf Chinesisch. Telefonkontakt fehlt, die angegebene E-Mail kommt als unzustellbar zurück, wie ein Versuch zeigt.




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