Unibibliothek Freiburg Das Gedächtnis wird aufgefrischt

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Die neue Universitätsbibliothek Freiburg setzt Akzente. Das Bauwerk des Basler Architekten Degelo wird rund um die Uhr geöffnet sein.

Die Bibliothek der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität wird umgebaut und saniert. Foto: dpa 2 Bilder
Die Bibliothek der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität wird umgebaut und saniert. Foto: dpa
Stuttgart - Die Bibliothek der Universität Freiburg wird umgebaut und so neu gestaltet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sein wird. Der gerade einmal 32 Jahre alte, sperrige Betonklotz neben dem Stadttheater wird bereits seit zwei Jahren ausgeräumt und ausgebeint, die Fensterscheiben sind herausgeschlagen, von den Betonplatten blättert die Farbe ab, es sieht fast ein wenig aus wie vor Jahren beim langen Sterben des Palasts der DDR-Republik in Ostberlin.

Noch in diesem Monat sollen alle oberirdischen Gebäudeteile der UB zurückgebaut, also abgerissen werden - bis auf die "statisch gesunde, ökonomische Grundbausubstanz", erklärt Karl-Heinz Bühler, der Chef des Universitätsbauamtes. An Stelle des wuchtigen "Bücherbunkers", wie die Bausünde der 70er Jahre im Volksmund genannt wurde, soll ein "offenes, transparentes Haus" entstehen, sagt Baudirektor Bühler. Auf die drei Tiefgeschosse und das erhaltenswerte Gerippe wird ein futuristisches Bauwerk mit modernster Haustechnik und einer aufsehenerregenden Fassade mit Glas und Chromstahl gesetzt, die Himmel und Umgebung farblich widerspiegelt. Den siegreichen Entwurf für den Wettbewerb hat der Basler Architekt Heinrich Degelo vorgelegt, es gab Widerspruch aus Freiburger Fachkreisen: zu massig, zu schrill, zu modernistisch. Doch es wird gebaut, wie Degelo es geplant hat, und die Exzellenzuniversität sieht den Quasineubau als Kernstück eines Gesamtkonzeptes rund um ihren Campus. "Das wird ein architektonisches Ausrufezeichen für die Stadt", davon ist der Unirektor Hans-Jochen Schiewer überzeugt. Zwar kein neues Wahrzeichen, aber eine Attraktion in Verbindung mit dem gleichfalls neu zu gestaltenden Platz zwischen Theater und der ehrwürdigen Alma Mater, dort wo einst die Synagoge stand. Die Ringstraße wird für den Autoverkehr gesperrt.

70 Prozent der bisherigen Heizkosten können eingespart werden


"Die UB ist das Herz der Uni", sagt Schiewer, vielleicht wäre "Gedächtnis" der passendere Vergleich. Rund 3,5 Millionen Bände sollen in der neuen Bibliothek zur Ausleihe bereitgehalten werden. Das früher als Tiefgarage genutzte erste Untergeschoss steht künftig als Freihandmagazin für 700.000 Bände zur Verfügung. Und für eine Fahrradtiefgarage, das muss sein in Freiburg. Durch die neuen unterirdischen Räume bleibt die gesamte Nutzfläche der UB gleich, obwohl sie oberirdisch an den Rändern kleiner wird. Auf fünf Obergeschossen entstehen 1200 moderne Benutzerarbeitsplätze, ein Lesesaal, Seminarräume, ein Eltern-Kind-Raum und ein "Parlatorium", also ein Bereich, in dem es nicht so mucksmäuschenstill zugehen muss wie im Lesesaal. Dazu kommen ein Medien- und ein Digitalisierungszentrum. Die neue UB wird moderne Formen der Ausleihe per Selbstbedienung mit einem Chipsystem einführen. Der bereits getestete Rund-um-die-Uhr-Betrieb wird beibehalten.

Fest steht jetzt schon, dass die neue UB im Unterhalt billiger wird: Fast 70 Prozent der bisherigen Heizkosten können eingespart werden, und das sind jährlich immerhin bis zu 700.000 Euro. In Betrieb gehen soll das neue Haus zum Wintersemester 2013/2014. Bis dahin müssen sich Studierende und Lehrende noch mit - gut funktionierenden - Übergangslösungen behelfen: Die ehemalige Stadthalle im Osten und das ehemalige Vorstandsgebäude des Schluchseewerkes neben der Uni-Mensa bieten Raum zum Leihen, Lesen und Studieren. Die Sanierung des bröckelnden Betongebäudes hat schon jetzt sieben Millionen Euro verschlungen, auch weil es von giftigen Asbestteilen befreit werden musste.

Wenn alles fertig ist, werden 44 Millionen Euro verbaut sein - in der Hoffnung, dass wenigstens das Material des Hauses dieses Mal mehr als 30 Jahre überdauern wird. Die neue UB werde "schön altern" dürfen, kündigt jedenfalls der Architekt an.