Unibibliothek Stuttgart Der Zustand des Stadtgartens ist ein Trauerspiel
Die Unibibliothek ist jahrelang vernachlässigt worden. Das steht weder der Uni noch der Stadt Stuttgart gut an, findet Inge Jacobs.
Die Unibibliothek ist jahrelang vernachlässigt worden. Das steht weder der Uni noch der Stadt Stuttgart gut an, findet Inge Jacobs.
Stuttgart - Die Unibibliothek ist marode. Und denkmalgeschützt. Und liegt im Stadtgarten. Zugesetzt haben ihr seit Jahren nicht nur eine Rattenplage als Folge der Partyvermüllung dort, sondern auch Wasserschäden. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Vernachlässigung der Bausubstanz, Wegwerfmentalität seitens des Partyvolks und Wurstigkeit der Baubehörden. Versuche von Stadt, Uni und Unibauamt, diesen eigentlich attraktiven Ort als Campus aufzuhübschen, sind bisher ins Leere gelaufen. Das ist ein Trauerspiel. Und mithin geht es ja auch darum, die seit knapp zwei Jahren für Besucher geschlossene Unibibliothek wieder ihrem eigentlichen Nutzungszweck zuzuführen. Deren Zustand zeigt, wie gering ihre Bedeutung geschätzt wird. Denkmalschutz hin oder her.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Marode, aber denkmalgeschützt – Was geschieht mit der Unibibliothek?
Da muten die Visionen von Unirektor Wolfram Ressel für ein „schickes Wissenschaftszentrum Stadtmitte“ wie ein kleines Hoffnungspflänzlein an, auch wenn die Unibibliothek bei ihm bisher nicht im Zentrum stand. Denn die Idee ist gut: All die sanierungsbedürftigen oder Interimsbauten rund um den Stadtgarten gemeinsam in den Blick zu nehmen und zu prüfen, ob da nicht ein größerer städtebaulicher Wurf machbar ist – sowohl baurechtlich als auch finanziell. Und, ja, die Liegenschaften sind in diesem Areal kompliziert verteilt. Es geht also nur, wenn Stadt und Land an einem Strang ziehen. Dafür braucht es allerdings Überzeugungstäter.
Der Gewinn wäre nicht nur ein optisch und funktional vorzeigbares Viertel, sondern auch ein sichtbares Bekenntnis zu Stuttgart als Hochschul- und Wissenschaftsstadt. Falls die Protagonisten dazu nicht genügend Kraft aufbringen, sollte zumindest Plan B verwirklicht werden, der bisher vom Land nur als Projekt-Idee gefördert wird: nämlich die Zusammenführung von drei Hochschulbibliotheken. Nur durch erstklassige und effiziente Angebote könnten die Bibliotheken einen entscheidenden Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit und Exzellenz des Hochschulstandorts Baden-Württemberg leisten, hatte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) vor zwei Jahren betont. Stimmt.
Es geht also um ein gemeinsames Haus, das mehr sein sollte als nur ein hochschulübergreifendes Lernzentrum. Eines, das auch öffentlich Strahlkraft hat, in der Wissenschaftscommunity, aber auch in die Stadtgesellschaft hinein und darüber hinaus. Ob als Neubau oder Anbau, müssen dann die Fachleute klären.