Unicampus Stuttgart-Vaihingen Ein Paradies für Schmetterlinge

Von Thomas Krämer 

Auf dem Vaihinger Unigelände gibt es eine Schmetterlingswiese. Sie soll Lebensraum sein und den Forschern auch die Beobachtung der bedrohten Insekten erleichtern. Wir waren mit zwei Naturkundlern unterwegs.

Jutta Schneider-Rapp und Fritz Weber sind auf der Schmetterlingswiese am Unicampus Vaihingen auf der Jagd nach den fliegenden Insekten. Foto: Thomas Krämer
Jutta Schneider-Rapp und Fritz Weber sind auf der Schmetterlingswiese am Unicampus Vaihingen auf der Jagd nach den fliegenden Insekten. Foto: Thomas Krämer

Vaihingen - Immer weniger Insekten summen über die Wiesen, immer seltener sind sie auf Blüten zu sehen – oder auch auf der Windschutzscheibe der Autos. Forscher verzeichneten vielerorts in Deutschland Rückgänge um durchschnittlich 76 Prozent. Betroffen davon sind auch die Schmetterlinge. Innerhalb von nur einem Jahrzehnt ist die Artenvielfalt bei Schmetterlingen deutschlandweit um zehn Prozent zurückgegangen, hat das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) festgestellt.

Mit Schmetterlingswiesen soll dagegen gesteuert werden. Seit sieben Jahren betreut der BUND Stuttgart sieben solcher Wiesen im Stadtgebiet. Jutta Schneider-Rapp und Fritz Weber gehören zu den ehrenamtlichen Schmetterlingszählern des Umweltverbands, die beim Tagfalter-Monitoring mitmachen. Weber ist vor allem auf einer Schmetterlingswiese an der Rotenberger Grabkapelle unterwegs, Schneider-Rapp hat die Fläche mitten im Vaihinger Unigelände übernommen. Rund zehnmal im Jahr ist sie dort, um Schmetterlinge zu zählen. Dabei wählt sie immer die selben vier, jeweils 50 Meter langen Strecken aus und beschränkt sich auf einen Streifen von fünf Meter Breite. „Dadurch können die Ergebnisse mit anderen Zählungen in ganz Deutschland verglichen werden“, sagt sie und läuft in Richtung eines markanten Baums, der ihrer Orientierung im hohen Gras dient.

Schmetterlinge sind Indikatoren für den Zustand der Natur

„Dort ist der Wiesensalbei“, sagt die Agrarwissenschaftlerin und zeigt auf die lila Blüten einer großgewachsenen Pflanze, „das Gelbe dort ist Hornklee“, ergänzt sie – und dass darauf der Bläuling oft zu finden sei. Typisch für eine solche, vergleichsweise magere Wiese seien außerdem der Klappertopf, die Flockenblume und auch die Margerite. All dies sind Pflanzen, die hier zur Blüte kommen dürfen, weil vorher nicht vorher gemäht wird, was gut für die Insekten ist. Welche Schmetterlinge in diesem Bereich zu sehen sind, wird in einen Erfassungsbogen eingetragen. Bisher hat Schneider-Rapp auf „ihrer“ Wiese zwölf Tagfalterarten beobachtet. „Davon sind vier häufiger zu sehen“, sagt sie. Oft darauf zu finden ist der Hauhechelbläuling. „Generell zeigen Bläulinge an, dass die Wiese relativ naturnah ist“, sagt Weber. Auch das Große Ochsenauge bekommt recht häufig einen Haken auf dem Erfassungsbogen. Ein unregelmäßiger Gast ist der Distelfalter, der in einem Jahr mal da ist, dann wieder nicht.

Drei Dinge zeichnen diese Wiese aus. „Sie wird wie alle anderen Schmetterlingswiesen lediglich zwei Mal pro Jahr von der Wilhelma Parkpflege gemäht, die das Schnittgut wegfährt, damit möglichst wenige Nährstoffe in den Boden gelangen“, sagt Schneider-Rapp. Auch gedüngt werde nicht, um eine hohe Vielfalt an Pflanzen, die für die Insekten wichtig sind, zu bekommen und zu halten. Sie sind Nahrungsquellen und Plätze, auf denen die Eier abgelegt werden können. Außerdem können die Tagfalterexperten immer wieder dieselben Areale begehen und so bessere Aussagen über die Zahl der Arten und einzelnen Tiere machen. „Diese Schmetterlinge sind Indikatoren für den Zustand der Natur“, sagt Schneider-Rapp.

Wenn es kühl ist, fliegen die Insekten nicht

Ob wegen dieser extensiv gepflegten Wiese bereits wieder mehr Schmetterlinge durch Vaihingen flattern, lässt sich noch nicht genau sagen, denn die Witterungseinflüsse sind einfach zu groß. Zudem dauere es 20, vielleicht 30 Jahre, bis sich eine solche Wiese entwickelt habe. Außerdem gibt es noch ein Problem: Die Flächen liegen isoliert, sodass gerade bei standorttreuen Arten der Austausch schwierig ist. „Im Laufe der Zeit finden die Tiere hierher, man muss einfach Geduld haben“, sagt Weber.

Im vergangenen Jahr war das Leben von Tieren und Pflanzen wegen der Trockenheit sehr schwierig. In diesem Jahr ist Schneider-Rapp aber sehr zufrieden. Allerdings hat die kühle und nasse Witterung auch das Insektenleben auf das Vaihinger Schmetterlingswiese beeinträchtigt. „Wenn es kühl ist, fliegen die Tiere nicht“, sagt die Agrarwissenschaftlerin. Die Schmetterlinge bräuchten eine bestimmte Betriebstemperatur. So ist es auch an diesem Tag, an dem die Temperatur bei 15 Grad Celsius liegt und nicht bei 30 Grad wie am Vortag. Auf dem Erfassungsbogen ist am Ende kein Haken zu sehen. Die beiden Naturkundler sind davon überzeugt, dass sich das ändert wird, sobald es wieder wärmer wird. Dann werden die Schmetterlinge wieder von Blüte zu Blüte fliegen, immer auf der Suche nach Nahrung oder einem Partner für die Vermehrung.

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