Unicef-Bericht Kinder fühlen sich nicht wohl

Viele Kinder haben das Gefühl, Erwartungen nicht gerecht zu werden. Foto: dpa
Viele Kinder haben das Gefühl, Erwartungen nicht gerecht zu werden. Foto: dpa

Unsere Kinder fühlen sich nicht wohl: Laut eines Unicef-Berichts über die Lage von Kinder in Deutschland, werde der Nachwuchs zu funktional beurteilt – das hinterlässt ein schlechtes Gefühl.

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Berlin - Deutsche Kinder gehen gern in die Schule, aber fühlen sich gar nicht wohl in ihrer Haut. Das ist ein Ergebnis des Unicef-Berichts zur Lage von Kindern in Deutschland 2013, der jetzt in Berlin vorgestellt worden ist. Zu ihrer Selbsteinschätzung befragt, gaben etwa die Hälfte der Kinder im Alter zwischen 11 und 15 an, ihre Leistungen in der Schule als nicht gut zu betrachten. Jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge in diesem Alter findet seinen Körper zu dick – auch wenn sie nicht übergewichtig sind. Der Vergleich zeigt: bei der subjektiven Zufriedenheit schneiden deutsche Kinder und Jugendliche trotz insgesamt guter objektiver Voraussetzungen und Lebensbedingungen schlechter ab als ihre Altersgenossen in vielen anderen Industrienationen.

Nur der Nutzen scheint von Interesse zu sein

Hans Bertram, Professor für Mikrosoziologie und Herausgeber des Berichts, erklärte: „Die Kinder haben das Gefühl, sie werden den Anforderungen und Idealvorstellungen überhaupt nicht gerecht.“ Unicef stellte fest, der Blick auf die Kinder sei zu funktional. Man schaue auf die Leistungen in sprachlichen oder mathematischen Tests – wie bei der Pisa-Studie. Oder man schaffe neue Kita-Plätze, damit mehr Eltern arbeiten könnten. Im Mittelpunkt stünde bei all dem häufig nur der Nutzen der Kinder für die Eltern und für die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft. Unicef fordert daher, die Kinder öfter selbst zu befragen und einzubeziehen.

Benachteiligten Kindern und Jugendlichen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, drohe zudem die Gefahr, langfristig gesellschaftlich abgehängt zu werden. Zwischen 2000 und 2010 lebten rund 8,6 Prozent der Kinder in Deutschland langjährig in Armut. Das bedeutet, dass diese Kinder sieben bis elf Jahre lang in einem Haushalt lebten, der mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen musste. Der Ausbau von Krippen und Ganztagsschulen allein reiche nicht aus, um das Wohlbefinden und eine gelingende Entwicklung der Kinder zu sichern, sagte Hans Bertram. Man müsse Familien möglichst früh mit Angeboten und Netzwerken in den Gemeinden unterstützen. Von der Bundesregierung fordert Unicef, die Rechte der Kinder im Grundgesetz zu verankern und einen Beauftragten für Kinderrechte auf Bundesebene zu ernennen. –




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