Unicef-Studie Kindeswohl – Deutschland nur im Mittelfeld

Ein Junge steht an einer Wohnungstür. Die Jugendämter in Deutschland melden einen traurigen Rekord: Sie haben bundesweit 2019  mehr als 173 000 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung geprüft. Das waren rund 15 800 mehr als 2018. . Foto: Jens Kalaene/dpa
Ein Junge steht an einer Wohnungstür. Die Jugendämter in Deutschland melden einen traurigen Rekord: Sie haben bundesweit 2019 mehr als 173 000 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung geprüft. Das waren rund 15 800 mehr als 2018. . Foto: Jens Kalaene/dpa

Bildungsschwäche, seelische Probleme, Übergewicht: Laut einer Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef geht es vielen Kindern in reichen Ländern alles andere als gut. Die Corona-Krise hat die Situation weiter verschlechtert.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Berlin - Deutschland belegt bei einem internationalen Vergleich zum Wohlergehen von Kindern in reichen Ländern einen Platz im oberen Mittelfeld. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef landet Deutschland auf Rang 14 von 41 untersuchten Ländern der OECD und der EU.

Insgesamt haben laut der Untersuchung des Unicef-Forschungszentrums Innocenti viele Kinder in reichen Ländern mit Problemen wie Übergewicht,unzureichenden schulischen Kenntnissen sowie mentalen und seelischen Problemen zu kämpfen.

Die ersten Plätze belegen in dem internationalen Vergleich die Niederlande, Dänemark und Norwegen. Für den Report wurden nationale Daten zur psychischen und physischen Gesundheit von Kindern sowie zu ihren schulischen und sozialen Kompetenzen und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausgewertet.

Zahl der übergewichtigen Kinder steigt

In den meisten untersuchten Ländern gaben demnach weniger als 80 Prozent der 15-jährigen Mädchen und Jungen an, zufrieden mit ihrem Leben zu sein. In der Türkei liegt der Anteil am niedrigsten (53 Prozent), gefolgt von Japan und Großbritannien. In Deutschland haben der Untersuchung zufolge 75 Prozent der Mädchen und Jungen eine hohe Lebenszufriedenheit. Litauen hat die höchste Suizidrate unter Jugendlichen, gefolgt von Neuseeland und Estland. 

Der Anteil der Kinder mit Fettleibigkeit und Übergewicht ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Etwa eines von drei Kindern in den untersuchten Ländern ist entweder adipös oder übergewichtig. In Deutschland liegt der Anteil bei 27 Prozent. 

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Corona verschärft die Lage

Laut Studie verfügen ungefähr 40 Prozent aller Kinder in den EU- und OECD-Ländern mit 15 Jahren nicht über grundlegende Fähigkeiten im Lesen und Rechnen. Kinder in Bulgarien, Rumänien und Chile schneiden hier im Vergleich am schlechtesten ab, am besten dagegen die Mädchen und Jungen in Estland, Irland und Finnland. 

„Viele der reichsten Länder der Welt, die eigentlich über genügend Ressourcen verfügen, scheitern, wenn es darum geht, allen Kindern eine gute Kindheit zu ermöglichen“, erklärt Gunilla Olsson, Direktorin von Unicef Innocenti. Olsson wies zudem auf die enormen Belastungen für Kinder durch die Corona-Pandemie hin, unter anderem durch Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen. „Die Unterstützung von Kindern und ihren Familien während der Covid-19-Pandemie ist erschreckend unzureichend“, so Olsson.

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Kindeswohl so oft gefährdet wie nie

Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hat die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Immer mehr Minderjährige sind in ihren Familien nicht sicher. Die Jugendämter in Deutschland haben demnach 2019 bei rund 55 500 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren zehn Prozent mehr als 2018, wie das Statistische Bundesamt berichtet.

Bundesweit hatten die Jugendämter 2019 demnach mehr als 173 000 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung geprüft. Das waren rund 15 800 mehr als 2018. Den neuen Ergebnissen zufolge war jedes zweite gefährdete Kind jünger als acht Jahre. Die meisten Minderjährigen wuchsen bei Alleinerziehenden auf (42 Prozent). Bei beiden Eltern gemeinsam lebten 38 Prozent, bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft elf Prozent.




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